Geschichte der Sheepdog Trials

Die Herren der schönen großen britischen Estates – der mächtigen Landsitze mit ausgedehnten Ländereien- ließen ihre Schlosswiesen und -hügel natürlich von Schäfern und deren Herden beweiden. Das Wild, das sich dort tummelte und das selbstverständlich ausschließlich den Adeligen gehörte, wurde von ihren Wildhütern, den Gamekeepers gehegt, bis der Tag kam, Freunde und Verwandte zur Jagd einzuladen. Wildhüter und Schäfer hatten die jeweils entsprechenden Hunde-Schläge, die ihnen bei der Arbeit halfen, wobei den hohen Herrschaften die Jagdhunde wohl ein wenig wertvoller und edler erschienen als die oft eher zerrupft und ungepflegt daherkommenden Hunde der Schäfer. Die Jagd war eine ausgesprochen wichtige Freizeitbeschäftigung in Zeiten vor Fernsehen, Kino, Einkaufs- und Vergnügungszentren. Einladungen zu wichtigen Jagden waren gesellschaftliche Events, auf die man sich das ganze Jahr freute und vorbereitete. Selbstverständlich waren es aber ausschließlich Vergnügungen für Grundbesitzer und Adelige.

Auf Rhiwlas fanden 1867 bereits die ersten Gundog Trials für Jagdhunde statt, die sich sofort größter Beliebtheit erfreuten und in weiterer Folge regelmäßig dort, aber auch auf anderen grossen Ländereinen abgehalten wurden.

Da die Bewerbe für Jagdhunde sofort so populär geworden waren, kam der Besitzer des Rhiwlas-Estate 1973 auf die Idee, am dritten Tag eines solchen Wettbewerbs  erstmals einen “international”, (also nicht nur für Waliser sondern auch für Engländer und Schotten) ausgeschriebenen Bewerb für Schäfer und ihre Hütehunde anzusetzen.

(In Australien und Neuseeland gab es schon ab 1867 erste Sheepdog Trials. Hier entwickelten sich eigene Hütehundeschläge und eigene Trialtypen))

Übrigens fanden die ersten Sheepdog Trials nicht in Wales statt sondern in Australien und Neuseeland. Von 1867 bis 1873 hatte es dort bereits fünf Sheepdog Trials gegeben, über die heute noch Zeitungsartikel zu finden sind. Es waren genau diese Trials, in denen sich die importierte und auf dem Viehmarkt gegen ein Pferd eingetauschte kurzhaarige Hütehündin Kelpie und später ihre Nachkommen so hervortaten, dass aus dieser Linie letztendlich die Australian Working Kelpies herausgezüchtet wurden. Über die australischen Trials will ich hier nicht berichten, aber es ist interessant, dass ca. 1870 genau die Zeit war, in die unterschiedlichen Qualitäten von verschiedenen Schlägen von Hütehunden erkannt, beschrieben und langsam aus einem Urpool von „Colleys“ zu unterschiedlichen Rassen modelliert wurden.

Zurück zu dem ersten europäischen Trial in Wales, um das es hier geht. Wie wir es auch heute noch kennen, muss es zwischen der hundelosen Bevölkerung, den Jägern und den Landwirten auch damals schon immer wieder zu Unstimmigkeiten und Interessenskonflikten gekommen sein, denn bereits beim ersten Sheepdog Trial wurde speziell darauf hingewiesen, dass dieses Event das Verständnis dieser unterschiedlichen Gruppen füreinander fördern möge.

In der Zeitschrift „The Field“, die mittlerweile ein dickes Hochglanzmagazin über alle Aspekte von Landleben, Fischerei und Jagdvergnügen in Großbritannien geworden ist und sich weiterhin großer Popularität erfreut, erschien nach dem ersten Sheepdog Trial ein wunderbarer und detailreicher Bericht, in dem die Läufe der einzelnen Hundes so liebevoll und genau geschildert wurden wie es dem Autor, der so einen Bewerb natürlich auch zum ersten Mal sah, nur möglich war!

Dieser Bericht ist besonders interessant für alle, die einen Blick in die Geschichte der arbeitenden Hütehunde sowie ihrer einzigartigen Art zu arbeiten werfen möchten. Collies hiessen diese Tiere damals noch alle, denn die Rassen Border Collie, Rough (oder Smooth) Collie und Bearded Collie hatten noch nicht begonnen, sich getrennt zu entwickeln. Und Kelpie, der Ur-Kelpie-Hund war noch nicht nach Australien exportiert worden, um einen neuen Schlag vergleichbar arbeitender Hütehunde auf der anderen Seite des Erdballs ins Leben zu rufen.

Der Autor beschreibt in seinem Bericht das Geschehen mit ungekünstelter Hunde-Begeisterung. Durch die detaillierten Schilderungen bekommt man einen lebhaften Eindruck davon, wie unterschiedlich die damals vorgestellten Hütehunde aus den verschiedensten Regionen Großbritanniens damals noch an ihre Arbeit herangingen.

Die meisten Hunde bellten zumindest hin und wieder beim Arbeiten, einige kläfften sogar so viel, dass sogar der Artikelautor zu dem Schluss kam, dass es bereits zu viel des Guten war. Nur wenige arbeiteten stumm, wie wir es heute von einem Border Collie erwarten würden. Das typische Anschleichen, das sogenannte „Eye“, mit dem wir die Rasse heute assoziieren, ist nur bei einem einzigen Hund des Bewerbs beschrieben. Dieses Verhalten scheint aber auch damals schon sowohl den Autor als auch das Publikum ganz besonders fasziniert zu haben, denn der Autor versprach seinen Lesern, bis zur nächsten Ausgabe der Zeitschrift eine Zeichnung von diesem Hund anfertigen und veröffentlichen zu lassen. Die Zeitschrift „The Field“ war damals natürlich noch schwarz-weiß und nur mit wenigen Bildern, bzw. Stichen illustriert.

Die Aufgaben des Bewerbs mussten sich die Richter natürlich zuerst einmal ausdenken. Auf zwei verschiedene Aufgaben kamen sie, die ihnen in der praktischen Arbeit als wichtig erschienen und sich auch beobachten und richten lassen würden, Es wurde beschlossen, dass die erste Aufgabe als Qualifikationsrunde gelten sollte, um in der zweiten Aufgabe überhaupt noch antreten zu dürfen.

Von möglichst gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer, wie wir sie heute bei solchen Bewerben erwarten, konnte noch keine Rede sein. Dafür hatte das Publikum scheinbar viel Vergnügen an dem teilweise entstehenden Chaos und den unvermeidlichen Missgeschicken bei diesem ersten Trial! Im Publikum herumlaufende einzelne Schafe gehörten zum Spaß dazu. Als eine Gruppe Schafe ganz davonlief, rückte kurzerhand das Publikum aus, um die kleine Herde wieder von den Eisenbahnschienen zu bergen! Das war sicher sehr peinlich für den Starter, dessen Hund seinen Lauf vermasselt hatte, aber für die Zuschauer ein Spass für die ganze Familie!

Bei einem Lauf von einem besonders kleinen Hund wird sogar berichtet, dass der Schäfer beim Holen der Schafe vor den Schafen herlief. Scheinbar war es dem Schäfer, wenn er wollte, auch erlaubt, selber ein wenig ins Feld hinein zu marschieren und dann vor den Schafen herzugehen. Das ist jetzt Spekulation, denn die genauen Spielregeln, falls es solche überhaupt schon gab, sind leider nicht überliefert worden. Der kleine Hund wurde aber insgesamt immerhin Zweiter.

Es ist natürlich schwierig, sich wirklich ein ganz genaues Bild zu machen, wie die Arbeit der Hunde ausgesehen hat, aber ich freue mich sehr, dass es über den ersten Hütehundebewerb überhaupt einen Bericht und sogar Bilder gibt. Die nicht berichteten Zwischenräume muss man unter Anwendung der eigenen Fantasie auffüllen.

Die Beschreibung der Läufe beim 1873-er-Trial in Bala ist besonders unterhaltsam für Leser, die schon bei Hütehunde-Wettbewerben teilgenommen oder einige davon gesehen haben, und eventuell dabei vorkommende Szenarien wiedererkennen können. Ich möchte deshalb den Trialbericht fast ungekürzt wiedergeben. Wer den ganzen Bericht im Original lesen will, der findet ihn im Buch „Shepherds, Sheep and Sheepdogs“ von Iris Combe, Daleman Books, 1983.

 Das erste Sheepdog Trial in Bala, 1873

(Ich verkürze die Einleitung ein wenig und überspringe in der Übersetzung die ausführlichen Danksagungen an damals wichtige lokale Persönlichkeiten am Anfang des Textes, da die erwähnten Personen heute zumindest im deutschen Sprachraum kaum mehr jemandem etwas sagen werden.)

(Rhiwlas, Bala auf historischen Postkarten)

In Bala in Nord-Wales steht ein eindrucksvolles Schloss, ein Estate namens Rhiwlas, mit den entsprechenden ausladenden Ländereien rundherum.

300 Zuschauer hatten sich versammelt, darunter immerhin 200 Schäfer. Die Teilnehmer waren aus England, Wales und Schottland zusammen gekommen, um einander ihre besten Hütehunde vorzuführen.

Der Zuständige für die Vorbestellung des Wetters hatte typisch britische Konditionen gewählt, denn es war ein ziemlich kalter, nasser und unvorteilhafter Tag.

Die Gäste, darunter auch zahlreiche VIPs und Landlords von anderen Ländereien, ja sogar einige Ladies, hielten trotzdem den ganzen Tag lang auf der natürlichen Tribüne durch, auf der sie sich, teils zu Fuß, aber je nach Stand auch zu Pferd versammelt und aufgereiht hatten.

Vom Hügel aus konnte man das Gelände gut einsehen und das Geschehen beobachten.

Unter den VIP-Gästen waren Major und Mrs Le Gandre Starkey so beeindruckt von der neuen Event-Idee, dass sie sich freiwillig meldeten, im nächsten Jahr ebenfalls einen solchen Bewerb auf ihren Gütern in Huntroyde in Lancashire abhalten zu wollen. Dafür stellten sie einen Geldpreis von 50 Guineas für den Sieger in Aussicht!

( Nach einer langen Reihe von Namensnennungen, die für heutige BCs nicht mehr relevant sind, übersetze ich jetzt ohne Auslassungen aus dem Originaltext, der, wie man annimmt, entweder vom Estate-Besitzer selber, oder seinem Sohn, jedenfalls von einem Mr. R.L. Price stammt.)


Der Begriff „Colley“ wird normalerweise mit den (schottischen) Highlands assoziiert. Aber  wie dieses Event zeigt gibt es viele intelligente Exemplare dieser Rasse auch außerhalb von Schottland.

Nichtsdestotrotz ging der erste Preis diesmal an einen schottischen Hund, bzw. an einen Hund, der von einem Schotten gezüchtet worden war, der allerdings in Wales lebt. Zweiter war allerdings schon ein lokales Tier. Ein großes, langes, dünnes, freundliches Biest vom Tyne Country wurde Dritter! Viele weitere walisische Hunde konnten überdurchschnittliches Können demonstrieren.

(Hier folgen ein paar Sätze über die Ausschreibungsmodalitäten solcher Veranstaltungen in der Zeitschrift „The Field“, die ich in der Übersetzung auslasse.)

Das Treffen wurde abgehalten auf einer ausgedehnten, hügeligen Wiese („common“) namens Garth Coch, auf Englisch „The Red Wild“, ungefähr eine Meile von Bala entfernt. Es war eine großartige Arena, bei der die Schaulustigen sich auf einem großen natürlichen Hügel in der Mitte gruppieren konnten, von dem aus sie eine hervorragende Sicht auf das ganze Schauspiel hatten, während ein Felsvorsprung einen erstklassigen Balkon für Zuschauer abgab.

Der große Vorteil des Geländes war, dass kein Teil des Spielfeldes für das Publikum außer Sicht lag. Jede Finte der Schafe und ihrer Verfolger konnte genau beobachtet werden. Das stellte unserer Meinung nach eine große Verbesserung zu den Setter- und Pointer-Trials dar, bei denen ein großer Teil der Geschehnisse nur vom Richter und den direkt neben dem eingesetzten Hund Stehenden zu sehen ist.

(Mr. Price, der Herr von Rhiwlas. Er, oder vielleicht sein Sohn könnten der Autor des Artikels über das Sheepdog Trial gewesen sein.)

(Rhiwlas Estate heute)

(In Bala werden heute noch immer schöne große Sheepdog Trials abgehalten)

Der Modus Operandi war wie folgt:

Eine Herde zäher Welsh Mountain Schafe wurden von Mr. Price’s Tennants netterweise zur Verfügung gestellt. Sie wurden am anderen Ende des Feldes in einen Pferch gesperrt, wo der Fluss Hirnant eine gute natürliche Grenze bildete. Auf ein Signal der Richter wurden drei davon von je einem starken Waliser, der für diesen Teil der Unterhaltung zuständig war, herausgehoben und auf das Feld entlassen, während gleichzeitig der Colley von seinem Herrn losgeschickt wurde, um zu versuchen, die kleinen, wilden und lebhaften Tieren einzuholen und sie in einen kleinen Pferch mit einem Eingangstor von etwa sechs Fuß Breite (182 cm) zu treiben.

Natürlich benahmen sich die unterschiedlichen Gruppen von je  drei Schafen ausgesprochen unterschiedlich!

Einmal schoss jedes der drei in eine andere Richtung davon, ein anderes Mal wählte ein besonders forsches Exemplar einen Solo-Fluchtweg, während seine Kumpanen verschüchtert stehenblieben. Manchmal probierten alle drei verzweifelt, wieder in den Pferch zu ihren Freunden zurückzugelangen.

Die Tiere mit dem letzteren Verhalten erwiesen sich als die, die für den Hund am schwierigsten zu managen waren! Es brauchte dann extreme Findigkeit und Beweglichkeit des Hundes, um die Schafe unter Kontrolle und weg von den vier Seiten des verlockenden Pferchs zu bekommen.

Man muss wohl gestehen, dass hier ein gerüttelt Maß an Glück eine Rolle spielte. Manche der Schafe ließen sich relativ leicht führen, während andere viel dümmeres oder besonders stures Verhalten an den Tag legten!

Wenn Hund und Herrchen es geschafft -oder in vielen Fällen auch nicht geschafft – hatten, ihre kleinen wilden Waliser ins Ziel zu bringen, wurden die Schafe wieder freigelassen, damit sie dem nächsten Team zu Verfügung stehen konnten. Der sichere Hafen für „verbrauchte“ Schafgruppen erwies sich als wahrer Dorn in der Seite der Teilnehmer, da die Schafe, die getrieben werden sollten, natürlich stets dorthin eilen wollten, wo sie ihre Kollegen bereits in Sicherheit stehen sahen.

Einige Teams auf der Liste konnten die Schafe dann nicht mehr überreden, von ihren Freunden wieder abzulassen, und es breitete sich die Meinung aus, dass verbrauchte Gruppen vielleicht besser außer Sicht unterzubringen wären.

Die wirklich schlauen Hunde aber schafften auch diese Hürde und beeindruckten das Publikum mit ihrer hündischen Intelligenz, mit der sie auch noch in den schwierigsten Situationen selbständig zu einer Problemlösung fanden.

So sah jedenfalls die Übung „Penning“ aus. Die in dieser Übung als die besten und schnellsten hervorgegangen Teilnehmer, wurden für den nächsten Prüfungsteil auserwählt, der sich „Driving“ nannte.

Dafür wurden drei Schafe an einem gut einsichtigen Platz, allerdings in 800 Yards Entfernung vom Schäfer und seinem Hund getragen und ausgelassen.

Der Schäfer musste daraufhin seinen Hund schicken, um sie einzuholen. Er durfte dazu Rufe oder Pfiffe (meist kam die Bauernversion des „Zwei-Finger-im-Mund-Pfiffs zum Einsatz) verwenden aber den Hund nicht begleiten.

Wenn der Hund die Schafe fand, sollte er sie nach Möglichkeit durch ein Tor und dann direkt zum Schäfer treiben, eine Aufgabe, bei der sich diese intelligenten Hunde als wirklich sehr nützlich erwiesen.

Der Tag wurde fortgesetzt mit der Präsentation des ersten und zweiten Preises, freundlicherweise präsentiert von Mr Henry Richardson an die Schönsten der teilnehmenden Hunde.

Hier wurde ein Ring gebildet und die Hunde langsam um den Richter herumgeführt, der nach kurzer Inspektion drei Hunde für eine genauere Begutachtung aussuchte. Der erste Preis ging letztendlich an Mr James Thompson’s Hund Tweed, einen kleinen schwarz-braunen Hund mit einer weißen Brust, der sehr kompakt gebaut war, ein ansehnliches Gangwerk und einen intelligenten fuchsartigen Kopf hatte.

Das alte Sprichwort „Handsome is a handsome does“ kam hier ideal zum Tragen, da Tweed nicht nur der schönste Hund des Bewerbs war sondern auch den Arbeits-Teil des Trials gewinnen konnte.

Der zweite Preis ging an Mr Roberts of Vrongoch’s Jim, ein größeres Exemplar mit kräftigerem Pelz und Schweif und einer schönen weißen Halskrause, der aber etwas nachgebend in der Lende und nicht so harmonisch zusammengefügt war wie Tweed.

Nach Ende dieses Bewerbs ging es um viertel nach Eins weiter mit einem Hund namens Boy, der Mr Roberts of Panteronyn gehörte. Er raste nach rechts los, brauchte aber fast fünf ganze Minuten, um endlich doch die Schafe zu finden, die währenddessen in einem ordentlichen Grüppchen friedlich grasend auf ihn warteten. Bei Boys ersten Kläffen als er sie entdeckt hatte, suchte ein junger Bock sein Heil in der Flucht, wurde aber sofort wieder von Boy zurückgeholt! Danach ging es aber mit Problemen weiter- erst wurde der Lauf gestört durch einen Spaziergänger, der das Feld durchquerte, und letztendlich sprengten die Schafe in die Zuschauermenge! Boys Handler war ebenfalls ein „boy“, ein junger Bursche von knappen 16 Jahren-  und die beiden Boys schafften es noch, die Schafe aus der Menge zu extrahieren, allerdings wollten sie sich danach auf gar keinen Fall in den Pferch fädeln lassen!

Der nächste Teilnehmer war Mr Jones von Berth Llafar und sein Hund Tommy Dod. Leider war ihnen kein Glück beschieden, denn die Schafe erwiesen sich als schnellere Läufer als der arme Tommy. Als er seine Herde verloren hatte, lief auch noch ein einzelnes Exemplar direkt auf die Eisenbahnschienen zu und musste mit einem Seil eingefangen und wenig ruhmreich verschnürt und weggebracht werden.

Danach kam Mr. Robert Hughes von Cleggan mit seiner Hündin Lass. Die Hündin arbeitete sehr gut und weit von den Schafen entfernt. Sie schaffte es auch einigermaßen, die Schafe, die zurück in den Pferch klettern wollten von dort weg und ins offene Feld zu bringen. Allerdings kläffte sie zu viel, was bei der Arbeit mit nur wenigen Schafen leider ein Fehler ist. Beim Pferch arbeitete sie mit viel Taktgefühl und brachte die Schafe so nahe heran, dass dem Publikum schon der Victory-Schrei auf der Zunge lag. Dann aber machte sie einen kleinen Fehler und mit einem unerwarteten Satz waren die Schafe auf und davon, über das Feld verteilt und im Publikum verstreut!

Das Cambrische Hundemädchen musste also ohne Ehre weg gebracht werden, und um dreiviertel zwei ging ein langhaariger schwarz-und-tan-farbener Hund an den Start, der Mr Roberts von Pias gehörte. Leider verlor er sofort ein Schaf und konnte auch mit den verbleibenden Schafen nicht viel zurande bringen.

Mehr wurde erwartet von Black, einem kleinen Hund, der Mr Evan Lloyd von Trawsnant gehörte. Er enttäuschte die Erwartungen nicht, denn die Schafe erblickten den Hund und ließen  sich ruhig aber zügig in die richtige Richtung treiben. Weil sie gar so brav gingen baten die Richter Mr Lloyd, die Schafe doch ein wenig zu zerstreuen, damit man sehen konnte, was der Hund mit wild gemachten Schafen tun würde. Die Schafe wurden also etwas den Berg hinauf gehetzt, aber Black konnte sie mit ein wenig Hin- und Her und mit vielen Zurufen von Mr. Lloyd wieder unter Kontrolle bringen. Alle dachten schon, der kleine schwarze Hund würde der erste werden, der erfolgreich einpferchen würde. Jetzt hatten die Schafe aber ihre widerspenstige Ader entdeckt und am Eingang des Pferchs spritze eines auf und davon und ward nicht mehr gesehen. Mr Lloyd wurde jetzt selbst initiativ und schubste eines der verbleibenden Schafe selber in den Pferch, woraufhin das zweite hinterher sprang! Der Hund arbeitete die ganze Zeit sehr schön, führte seine Kommandos aus wie ein braver Major, aber da er nur zwei von drei Schafen gepfercht hatte, war es klar, dass er von dem Hund geschlagen werden würde, der alle drei Schafe in den Pferch bringen würde!

Das Publikum hatte bereits Zweifel, ob das noch einem Team gelingen würde, da trat der Gewinner Tweed auf den Plan und zeigte, wie man es machen musste. Nach einem ruhigen Beginn arbeitete er die Schafe, die keinen besonderen Mitarbeitswillen an den Tag legten, mit großer Rücksicht, sie nicht zu erschrecken und mit sehr wenig menschlicher Hilfe direkt in Richtung Pferch. Dort stellten sie allerhand Tricks an, um nicht in dem Pferch zu müssen, sprangen über die Steinwand und liefen ins Publikum und mussten zurückgeholt werden. Dem Hund zuliebe aber blieben sie, anders als bei den anderen Teilnehmern, denen das passierte, aber dabei beisammen! Letztendlich konnte Tweed sie alle wieder zurückholen und sie unter lautem Jubel des Publikums mit schönen Bewegungen und erstklassigem Gehorsam innerhalb von vier Minuten in den Pferch befördern!

Mit so wilden Schafen scheint uns die beste Strategie, um die Schafe erfolgreich in einen Pferch zu bringen, dieselbe zu sein wie bei der Jagd auf Rebhuhn oder Moorhuhn. Wenn man sie ein wenig in Kreisen herumtreibt, bis sie müde sind, kann man sie bequem überall hintreiben, wo man will. Jedenfalls war das die Technik, die Tweed hier sehr erfolgreich anwendete. Er trieb seine Herde in immer kleiner werdenden Kreisen um seinen Meister herum, bis er sie einpferchen konnte. Tweed wurde ausgezeichnet vorgeführt- sein Handler präsentierte wirklich seinen Hund und nicht in erster Linie seine eigenen Fähigkeiten als Schäfer.

Der zweitplatzierte Hund beim Schönheitswettbewerb, Jim, kam jetzt an die Reihe. Aber anstatt einen Bogen um die Schafe zu rennen, lief er gerade auf sie zu und vertrieb seine Schafe dadurch!

Als nächster zog Mr John Jones von Havod’s seinen Chap, einen winzigen Hund, aus seiner Tasche, den er über den Kopf halten musste, damit das Publikum ihn sehen konnte! Der kleine Chap zeigte aber für seine Größe ganz außerordentliche Fähigkeiten und Geschwindigkeit und hatte die drei wilden Schafe schnell unter seiner Kontrolle und trieb sie eine ganze Strecke hinter seinem Herrn her, wie es in alten Schriften von Schäfern und ihren Hunden berichtet wird.

Beim Pferch kamen die zwei aber in Schwierigkeiten, denn die Schafe liefen immer wieder davon. Chap holte sie zwar wieder und wieder zurück, aber in den Pferch konnte er sie nicht treiben. Der Handler unterhielt währenddessen das Publikum mit blumigen Scherzen und kräftigen Ausdrücken in Walisisch. Meine gute Erziehung verbietet mir, von dieser Publikums- Unterhaltung etwas in einer angesehenen Zeitschrift wie „The Field“ wiederzugeben!

Der kleine Chap gab alles, ja er zwickte sogar einmal ein widerspenstiges Schaf. Obwohl er nicht ganz so gut unter der Kontrolle seines Besitzers war wie sein Vorgänger und obwohl er nicht pferchen hatte können, blieb er, als er am Ende wieder von seinem Herrn aufgegabelt wurde, doch ein Kandidat auf einen Platz.

Der nächste Hund war ein weiterer Tweed, diesmal mit einem roten Muster, vorgeführt von einem Mr Mackintosh , der in voller Highland-Montur erschienen war, komplett mit Kilt, Sporran und Whiskey.

Wegen des mittlerweile ziemlich ungemütlich kalten Wetters wurde Mr Mackintosh schon wegen seiner Kleidung bemitleidet, umso mehr aber als Tweed Nr2 trotz farbenfroher Gaelischer Ausdrücke, die etwa so klangen wie „Voila, voila“ darauf bestand, die Schafe in die entgegengesetzte Richtung abzutransportieren! Highland, Schotte, Hund und Schafe wurden also schnell zu einer flüchtigen Erinnerung.

Nach diesem kleinen Zwischenfall bekamen wir Sam, einen Hund aus der Ridley-Linie aus North Tyne, etwa 15 Meilen südlich der Cheviots zu sehen, einen großen, schwarzen, kurzhaarigen Hund mit einer weißen Halskrause und schwarzen Ohren. Wir versprechen unseren Lesern ein Bild von diesem Hund und seiner Arbeitsweise in der nächsten Ausgabe von „The Field“. Obwohl nicht gerade hübsch anzusehen hatte er eine sehr attraktive Ausstrahlung. Ihm voraus eilte bereits eine gewisse und wohlverdiente Reputation. Er war ausgezeichnet trainiert, fiel auf den kleinsten Wink seines Herrn mit dem Stock ins Platz, und zeigte sehr elegante Bewegungen, manchmal wie ein Panther schleichend, manchmal wieder zart aus dem Weg springend wie eine edle Lady. Allein die Vorstellung von Sam war es schon wert, aus London anzureisen, um ihn bei der Arbeit zu sehen. Schlau wie ein Luchs und wahrscheinlich intelligenter als so mancher Christ wäre dieser Hund billig, wenn man ihn um 20 Pfund kaufen könnte. Der glückliche Käufer könnte nächstes Jahr bestimmt das Trial mit ihm gewinnen!

Sam fesselte die Schafe wie es uns schien mit seinem Blick und gab ihnen keine Chance, auszubrechen.

In elfeinhalb Minuten waren die Schafe gepfercht, bis jetzt die beste Zeit! Das Publikum ließ begeisterte „Burdda“ (Gut!)-Rufe ertönen und alle waren der Meinung, dass sie den Sieger gesehen hatten.

Es wurde spekuliert, woran es wohl lag, dass dieser Hund so ausgezeichnet arbeitete, und man kam zu dem Schluss, dass der Grund darin bestehen musste, dass die Schafe von Mr. Crane stark von Maden befallen waren und deshalb täglich inspiziert und oft durch ein Fussbad getrieben werden mussten.

Der Bewerb war aber noch lange nicht zu Ende, denn jetzt mussten sich die besten Hunde noch im „Driving“ messen. Hier mussten die Schafe in gerader Linie durch ein Tor zum Handler gebracht werden. Tweed startete als erster und obwohl seine Schafe versuchten, so schnell sie konnten am anderen Ende des Feldes den Berg hinunterzulaufen, brachte er sie in bester Manier durch das Tor und vor die Füße seines Herrn.

Der zweite war der kleine Chap, der seinen Lauf wieder in der Luft über den Kopf seines Besitzers gehalten begann! Der kleine Chap lief so schnell ihn seine kleinen Beine trugen und beförderte seine Schafe schnell durch das Tor, unter lautem Jubel des Publikums, da er ja ein lokaler Hund war.

Als nächster kam unser Favorit, Sam, von dem alle erwarteten, dass er gleich gut arbeiten würde wie die zwei bisher. Besser wäre es nicht gegangen.

Aber, ach! Das Glück verließ ihn und seine Schafe mischten sich mit einer Herde Gänse, die über die Mauer gesprungen waren! Sam zeigte noch immer großartige Arbeit und musste seinen Schafen, die mit den Gänsen im Fluss gelandet waren, hinterher springen und sie zwischen den Gänsen hindurch am Vließ aus dem Wasser ziehen! Beeindruckend intelligent, aber leider hatte das alles zu lange gedauert, und nachdem am Ende auch Boy den Bewerb „Driving“ schnell und korrekt beenden konnte, war es kein Wunder, dass die Reihenfolge bei Zusammenzählung aller Teile am Ende so aussah:

1.Tweed,

  1. Chap
  2. Sam
  3. Boy (für den vierten Platz gewann Boy noch ein Pfund)

Wir meinen, dass Sam deshalb verlor, weil sein Besitzer sich nicht direkt gegenüber des Tores aufgestellt hatte. So brachte Sam die Schafe über die Mauer, statt direkt durch das Tor, in direkter Linie auf den Besitzer zu und kam in die Schwierigkeiten mit den Gänsen. Es tut uns sehr leid, dass dieses wunderbare Tier nicht gewonnen hat. Nach unserem Empfinden ist Sam außer Tweed und Chap soviel wert wie alle anderen vorgeführten Hunde zusammen!

Unter den gegebenen Umständen waren die Richter aber absolut im Recht, die Ränge so zu vergeben, wie sie vergeben wurden! Man hätte aber wohl trotzdem auch gerne akzeptiert, wenn Sam Zweiter geworden wäre!

Alles in allem war das Treffen ein großer Erfolg. Da wir noch nie etwas mit Hütehunden zu tun hatten, hoffen wir, dass unser Bericht sachlich nicht allzu danebengeraten ist! Auf alle Fälle werden wir versuchen, uns durch Wiederholung zu verbessern und freuen uns auf den Bewerb nächstes Jahr auf Major Sparkeys Gelände!

Soweit der Originalbericht, nur unter Auslassung der für den Trialablauf nicht relevanten Namensnennungen etc.

Da ich den Bericht nicht ohne Kommentar stehen lassen will, folgen hier einige Vergleiche zwischen den damaligen Zuständen und dem, was wir heute bei Sheepdog Trials zu sehen bekommen.

(Bild: Starter bei einem Trial in London 1876)

Trialregeln und Richterbeurteilungen damals und heute:

Der Original-Trialbericht ist bei aller ehrlicher Begeisterung seitens des Autors bzw. der Autoren leider ein bisschen unstrukturiert und lückenhaft.

Die Läufe im ersten Bewerb, dem  „Penning“ sind allgemeiner beschrieben als die im „Driving“. Es ist nicht ganz klar, ob alle Läufe beschrieben sind oder auch welche übersprungen wurden.

Im Bericht kommt zuerst eine allgemeine Beschreibung des Geländes und der Beschreibung des Verhaltens von Schafen und Hunden. Danach folgt die Beschreibung  des Schönheits-Bewerbs. Danach heißt es, der Arbeits-Wettbewerb wurde fortgesetzt. Ab jetzt gibt es genaue Beschreibungen der einzelnen Läufe. Es ist nicht ganz klar, ob hier auch Läufe beschrieben werden, die vor dem Schönheitswettbewerb stattgefunden hatten oder ob vielleicht nicht alle Vormittagsläufe auch einer genauen Beschreibung wert waren.

Bei der Aufgabe, die damals „Penning“ genannt wurde, mussten drei Schafe vom Hund eingeholt und möglichst viele von den dreien auf die eine oder andere kreative Art in einen Pferch mit zwei Meter Öffnung befördert werden. Bei manchen Läufen wurde das scheinbar eher durch den Schäfer als durch den Hund gelöst, und es war kein größeres Problem, wenn nicht alle Schafe im Pferch landeten. Die besten Teams aus diesem Bewerb wurden dann gebeten, auch ihr „Driving“ herzuzeigen. Unter Driving versteht man heute, dass Schafe vom Schäfer weg, bzw. quer zu ihm, oder in einem Trial in geraden Linien durch Tore getrieben werden. Das, was die Hunde damals beim „Driving“ machen mussten, nennen wir heute den „Fetch“, nämlich das Hertreiben der Schafherde in gerader Linie zum Schäfer.

Von einer im Vorhinein festgelegten Zeit, in der die Aufgaben zu bewältigen sein sollten, war damals noch nicht die Rede. Vielleicht war Zeit damals noch nicht so ein wertvolles Gut wie heute und es war nicht ganz so wichtig, ob jemand eine Minute mehr oder weniger für die Aufgabe brauchte! Allerdings wurde die Zeit durchaus notiert, in der die Übungen von den verschieden Teams bewältigt wurden. Und aus den Minutenangaben etwa für die Outruns kann man schließen, dass die Hunde bestimmt noch nicht auf direktem Weg, also mit dem heute erwarteten sogenannten „birnenförmigen“ Outrun hinter die Schafe gelangten, und die Schafe nach dem Lift  wohl auch kaum auf der perfekten geraden Fetch-Linie in Richtung Schäfer liefen. Fünf Minuten zu brauchen, um hinter die Schafe zu gelangen, war bei diesem Bewerb ganz normal. In dieser Zeit sollte man heute schon durch die Hälfte eines grossen Trialparcours gelangt sein, auch wenn der Hund die Schafe in gemütlichem Tempo transportiert. In anderen Quellen von frühen Trials ist von 20 Minuten erlaubter Teil für den Fetch (damals noch „Drive“) die Rede. Ich tippe also darauf, dass die Hunde eher das Feld auf allerlei verschieden verschlungenen Linien absuchten und unter Verwendung von vielen Sicht- und Hörzeichen letztendlich hinter die Schafe gelangten. Heute verliert man beim Outrun Punkte für jedes weitere Kommando nach dem ersten Startkommando. Ebenso verliert man Punkte, wenn der Hund kreuzt, also zB. Auf der rechten Seite seines Schäfers startet, dann aber letztendlich doch links herum um die Schafe läuft. Oder auch wenn er am Outrun stehenbleibt und sich neu orientieren muss.

Mit der Entfernung selbst war man damals aber keineswegs zimperlich. Aus einer Entfernung von bereits ziemlich stattlichen 800 Yards, also über 700 Meter, mussten die Schafe im „Driving“-Teil vom Hund geholt werden, ohne dass der Schäfer dabei mitgehen durfte.  Eine Ausnahme bildete hier offensichtlich der Handler des besonders kleinen Hundes, der ein Publikumsliebling war und scheinbar Sonderregeln genoss.

Drei Schafe wurden an das Ende des Feldes, ca. 800 Yards von Schäfer und Hund entfernt, getragen. (Dass sie tatsächlich von drei Männern auf den Schultern getragen wurden, kann man auf dem extra angefertigten Stich oben erkennen!!!) Auf dem freien Feld in guter Sicht von Publikum und Handler wurden sie ausgelassen. (Heute werden die Schafe, die an der Reihe sind, von sogenannten Schafstellern mit oder ohne Hund zu immer dem gleichen Pfosten gebracht und dort „gehalten“ (natürlich ohne sie zu berühren), bis der startende Hund auf seinem Outrun die Distanzlinie überschritten hat. In Großbritannien, wo mit teilweise sehr scheuen Schafen, dafür oft aber auf sehr weitläufigen Feldern gearbeitet wird, kommen auch durchaus kreative Konstruktionen wie Pferche mit per Fernsteuerung zu öffnenden Türen zum Einsatz) In Amerika oder Australien sind die Schafsteller auch gerne auf einem Pferd reitend bei der Arbeit.

Auf ein Signal durfte der Schäfer seinen Hund schicken. Mitgehen sollte er nicht, ansonsten aber alle nur erdenklichen Hilfen verwenden: gerufene Kommandos, Pfiffe, Sichthilfen mit dem Stock oder was immer dem Schäfer sonst einfiel. Pfeifkommandos wurden auf die althergebrachte Art der „Zwei-Finger-im-Mund-Methode“ produziert.  Bestimmt durfte der Handler sich auch in seinem Start-Bereich herumbewegen, da noch keine Rede von einem Startpfosten ist.

11 Minuten war scheinbar die Bestzeit für den Penning-Bewerb. Heute ist das eine übliche Zeit für einen ganzen Trial Kl.3-Parcours mit 350 Meter Outrun und gleich langem Drive wie Fetch, sowie Shed und Pferch.

Die Entfernung, auf die die Hunde 1873 arbeiten mussten, war aber bereits sehr groß, was beim typischen Einsatzbereich der Hütehunde in der praktischen britischen Schafhaltung, die das Einholen von über den Sommer in den extrem weitläufigen schottischen Highlands freilaufenden und über riesige, unwegsame, dafür aber wegen des geringen Vorkommens von Sicht einschränkender Vegetation wie Wäldern und Bäumen, gut einsehbare Areale verstreuten Schafherden verlangt, nicht weiter verwunderlich ist. Obwohl das erste Trial ansonsten noch wenige spitzfindige Kinkerlitzchen bezüglich des Parcours verlangte, wird doch von den Hunde ein Outrun von 800 Yards, also 730 ansehnlichen Metern verlangt. Das entspricht heute noch immer den international allergrößten Trials. Es ist aber trotz allem eine aus praktischer Sicht logische Distanz für einen Bewerb, denn bei noch größeren Entfernungen würde man Hund und Schafe als Richter oder Zuseher gar nicht mehr erkennen können.

Ab 500 Meter Abstand kann man den Hund nur mehr sehr schlecht als winzigen Punkt erkennen. Ab hier muss sich der Schäfer bereits optisch am etwas größeren Punkt, den die Schafherde am Horizont bildet, orientieren und dem Hund etwaige Kommandos zum Lenken eigentlich schon nach Intuition geben. Abgesehen davon, dass er darauf vertrauen muss, dass der Hund auch dann noch eine korrekte Übernahme der Schafe vornimmt, wenn er nicht mehr jeden Schritt von seinem Handler angesagt bekommen kann.

Gerade Linien als höherwertig zu richten als zeitfressendes Über-den Parcours-Meandern, fiel den Richtern wohl bereits nach einigen Jahren Trialerfahrung ein. Beim Trial in Bala 1873 kommt von solchen Ansprüchen aber noch nichts vor.

Die endgültige Form des Sheepdog Trials mit Outrun, Lift, Fetch, dreieecksförmigem Drive, Shed und Pen muss sich in den Folgejahren entwickelt haben.

Allerlei damals als spannend erlebte Chaoselemente wie schreiende und fluchende Handler, beim Arbeiten bellende Hunde, Gänseherden und Wanderer am Trialfeld, Schafe, die zum Start getragen werden oder davongelaufene Schafe, die von den Eisenbahnschienen gerettet werden mussten, das alles würde man bei einem Trial heute auf alle Fälle tunlichst zu vermeiden versuchen!

Damals war der Tierschutzgedanke noch nicht ganz so ausgeprägt wie heute und die Sitten im Umgang mit Tieren allgemein wohl etwas rustikaler. Solange die Arbeit irgendwie erledigt wurde, war das meiste gut genug, das zum Ziel führte. Trotzdem muss man es den Menschen damals anrechnen, dass bereits beim ersten Trial kein Starter brutal zu Schafen oder Hunden gewesen sein dürfte. Das Schlimmste, was berichtet wird, sind laute Schimpfworte und aufgeregtes Stockgefuchtel in Richtung der Hunde, sowie das Herumtragen und Über-Zäune-Heben von Schafen. Sehr bald nach den ersten Bewerben orientierte man sich sportlich-britisch sowieso in Richtung eines immer eleganteren, tierschonenderen Handlings, so wie es jetzt in der Hütehundearbeit erwartet und vorausgesetzt wird.

Genau auf welche Art die Richter den Sieger ermittelten, ist leider nicht überliefert. Das heute verwendete Punktesystem musste ja erst entwickelt werden. Etwas verwirrend erscheint mir, dass der kleine „Handtaschenhund“ Chap so gut abschnitt, obwohl sein Handler scheinbar im Teil „Penning“ vor den Schafen herging, während die anderen Hunde auf Distanz gearbeitet hatten. Dieses Team muss wohl ganz besonders publikumswirksam und sympathisch gewirkt haben und dadurch einen Richterbonus verdient haben. Bei Chap handelt es sich ziemlich sicher nicht um einen Border Collie. Bei der großen Typenvielfalt der Hütehunde damals ist es manchmal ein wenig kniffelig, die verschiedenen beschriebenen Typen den Urformen von heutigen Rassen gezielt zuzuordnen. Damals fielen diese Hunde alle einfach unter den Begriff „Colleys“. Dass sie sehr unterschiedlich aussahen, fiel niemandem als seltsam auf.

Preisgelder für die Sieger waren damals eine Selbstverständlichkeit und bestimmt auch ein kräftiger Anreiz für die verschiedenen Handler, die ziemlich aufwändige Reise nach Bala und das Risiko einer Blamage in Kauf zu nehmen! Man reiste, wenn man kein großer Herr mit eigenem Kutschpark war, mit dem Zug, denn das Eisenbahnwesen hatte sich gerade zu einer Hochblüte entwickelt und ermöglichte das Umherreisen zur reinen Rekreation wie noch nie zuvor.

Obwohl es in Europa heute in der Regel bei Trials um keine Preisgelder geht und in Großbritannien die kleinen noch immer üblichen Preisgelder nur den allerbesten Handlern ihr Hobby finanzieren können, erwartet man heute möglichst gleich gute Schafgruppen für jeden Starter und soweit wie möglich auch sonst die gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer. Selbstverständlich setzt man voraus, dass jeder Starter auch den gleichen Parcours laufen muss. Trotzdem bleiben auch heute viele unkontrollierbare Elemente, die den heutigen Trialstarter noch abhängig von einer Portion Glück machen. Wetter- Sicht-, Hör- und Bodenbedingungen können sich im Lauf eines Tages ändern und starke Auswirkungen auf den Mitarbeitswillen der Schafe und die Kommando-Annahme durch die Hunde haben. Nicht in allen Wetter-Bedingungen im Verlauf eines normalen Tages sieht der Handler gleich gut oder hört der Hund gleich gut. Ein einstündiger Starkregen zum Beispiel sorgt für die Unglücklichen, die in dieser Stunde auf der Starterliste stehen, für erheblich erschwerte Bedinungen. In der Sommerhitze ist dafür oft ein Start in den Mittagsstunden besonders anspruchsvoll. Aber auch die Persönlichkeiten der Schafe und natürlich die Zusammenstellung der Schafgruppen können individuell stark unterschiedlich sein. Es reicht ein einziges Schaf, das sein Lamm oder die beste Freundin im Auslasspferch gegen seinen Willen verlassen musste, und die Chancen auf einen Lauf mit Höchstpunkten sind schon wesentlich vermindert. Ganz gleiche Bedingungen sind also in Wirklichkeit kaum herzustellen.

1873 kann man von einer Forderung von gleichen Bedingungen allerdings noch nicht einmal träumen.

Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass es bestimmt bereits beim ersten Trial Beschwerden von enttäuschten Schäfern gab, die den Grund des versagt gebliebenen Gewinns in einem organisatorischen Versäumnis sahen. Insofern hat sich die Natur der Menschen bestimmt in 140 Jahren nicht geändert. Leid tut mir der arme Starter, dessen Hund einen guten Lauf und besonders „brave“ Schafe hatte (die vermutlich gerade deshalb braver erschienen als die anderen Gruppen, weil der Hund sie besonders einfühlsam gearbeitet hatte), bei dem die Richter beschlossen, dass man die Schafe vor Beendigung des Laufs noch ein bisschen wild machen müsse, damit man die Qualität des Hundes auch an ungestümen Schafen sehen konnte! Ich nehme sehr an, dass dieser Starter sich darüber im Nachhinein noch beschwert hat, da ihm dadurch die Gewinnchancen genommen wurden. Hat man Schafe einmal panisch gemacht sind sie so schnell nicht mehr zu beruhigen. Es scheint also aus heutiger Sicht wirklich extrem unfair, ein gutes Team auf diese Art zu beeinträchtigen.

Da ein Organisator von Bewerben normalerweise eher Beschwerden vermeiden möchte, besonders wenn sie berechtigt wirken, entwickelten sich im Lauf der Jahre die „Rules for Trials“ der ISDS, der International Sheepdog Society, die 1906 anlässlich eines Treffens von schottischen, englischen, walisischen und irischen Schäfern gegründet wurde.

Sehr unterhaltsam finde ich auch die Einschätzung von Mr. Price, dass man die Schafe am besten zur Zusammenarbeit bringt wie Moorhühner. Man soll also sie tunlichst im Kreis treiben, bis sie aufgeben und tun was man von ihnen will. Ich nehme an, dass der Gutsbesitzer diese Meinung bei den nächsten Trials noch revidieren musste. Möglicherweise hatte Mr. Price ja mit den Moorhühnern recht- das traue ich mich nicht zu beurteilen. Aber wenn man die Schafe in direkter Linie in den Pferch treiben kann, ist es auf alle Fälle einem endlosen Kreisen um den Pferch vorzuziehen. Den Pferch zu umkreisen ist keine Taktik sondern es geschieht unfreiwillig, wenn die Tiere sich zu sehr fürchten, die scheinbare Falle zu betreten, als die ihnen der enge Pferch erscheint.

Sehr richtig hat der Artikelautor aber erkannt, dass der Pferch, in dem „verbrauchte“ Schafe auf ihre Wiedervereinigung mit der ganzen Herde warten, von den Schafen, die noch am Feld laufen, möglichst gar nicht von den am Feld „gearbeiteten“ Schafen gesehen werden sollen, da sie sonst einen starken Zug zu diesem Pferch und ihren Herdenfreunden entwickeln und für den Hund zu zusätzlichen Schwierigkeiten beim Arbeiten kommt.

Dieses Detail im Parcoursaufbau wird öfter übersehen. Nach den ersten (entsprechend schwierigen) Läufen dann erst einen Sichtschutz anbringen zu lassen, ist wegen der gleichen Bedingungen für alle Teilnehmer eigentlich kein fairer Weg, aber manchmal einer, den man trotzdem wählt, damit es im Lauf des Tages noch schön aussehende Läufe geben kann.

Sehr interessant finde ich auch, dass in der Mitte des Bewerbs zusätzlich auch ein Schönheitswettbewerb mit eigenem Preisgeld stattfand, da ein Herr Warner Hill, ein damals berühmter Journalist und „Sportsman“ die Teilnehmer ermuntern wollte, ihre Hunde in gepflegtem Zustand zu präsentieren und nicht frisch aus dem Moor kommend mit schlammverkrusteten Füßen und Fell, das noch nie eine Bürste gesehen hatte.

Scheinbar war das Aussehen der Hunde, auch wenn sie sich im Grunde noch gar nicht ähnlich sahen, sondern vom Richter damals recht allgemeine Gebäude- und Gangwerk-Qualitäten bewertet wurden, auch für die Schäfer, auf alle Fälle aber für die zum Zusehen gekommenen Hunde-Enthusiasten und die am Landleben so interessierten event-organisierenden Landlords ein wichtiges und interessantes Thema.

Das erste Waliser Sheepdog Trial war zusätzlich auch gleich die erste Schönheits-Ausstellung für Border Collies, genauer gesagt für „Colleys“.

1906 wurde die International Sheepdog Society gegründet, die ab diesem Zeitpunkt ein Zuchtbuch für Border Collies führte, in dem bis dato ca. 400 000 Border Collies eingetragen wurden. Bei der FCI als Rasse anerkannt wurde der Border Collie erst 1977, der offizielle FCI-Schönheits-Standard gilt erst seit 1987.

(Colleys sahen noch sehr, sehr unterschiedlich aus. Aber damals wie heute erschienen die Teilnehmer bei britischen Sheepdog Trials in ihrem besten Sonntagsgewand zum Bewerb)

Punkte, Parcourszeiten, Klassen und der „Wert“ von Hütehunden im Vergleich

Sheepdog Trials heute bestehen aus einem Outrun (20 Punkte), bei dem der Hütehund von der Seite seines Handlers aus in einem ausreichend weit ausholenden Bogen hinter die Schafe laufen muss, die am anderen Ende des Feldes bereitgestellt sind. Während des Outruns gibt es Punkteabzüge für alle Kommandos, die über das Kommando zum Losschicken hinausgehen oder für Fehler in der Form des Outruns, besonders wenn die Schafe bereits dadurch vom Hund gestört oder aufgeschreckt wurden, bevor er hinter ihnen ankommt.

Für ein typisches großes Klasse 3-Trial, bei dem die Schafe 300-400 Meter vom Handler entfernt starten, wird heute eine Zeit von etwa 12 Minuten gegeben. Die genaue vom Richter gestattete Standardzeit richtet sich nach den natürlichen Gegebenheiten und der Kondition der Schafe und wird oft erst festgelegt, wenn der Richter sich nach ein, zwei Läufen ein Bild über die optimale mögliche Zeit gemacht hat. Alle Aufgaben, die innerhalb der Standardzeit erfolgreich erledigt werden, tragen mit ihren Punkten zum Gesamtergebnis des Laufs bei. Aufgaben, die begonnen aber nicht in der erlaubten Zeit beendet wurden, zählen nicht zum Ergebnis. Es gibt aber auch keine Bonuspunkte, wenn ein Teilnehmer schneller ist als die Standardzeit es erlaubt hätte.

Innerhalb von einer Zeit von 12 Minuten ist heute normalerweise ein ziemlich großer Parcours inclusive Shed und Pen, manchmal auch Single von einem guten Team selbst bei entsprechend langsamer, schafschonender Arbeit zu schaffen, wenn der Parcours auf geraden Linien ohne Fehler abgearbeitet wird.

Nach dem Outrun folgt der Lift (10 Punkte), die sorgsame „Aufnahme“ der Schafe, der Moment, in dem diese merken, dass ein Hund sich ihnen nähert und sie sich dafür entscheiden, ihm zu gehorchen oder nicht. Die Punkte richten sich danach, ob sie auf der korrekten Linie in Richtung Schäfer in ungestresstem Tempo losgehen oder in Panik davonrennen oder auch sich gegen den Hund zu stellen. Bei einem perfekten Lift für 10 Punkte beginnen die Schafe ganz allmählich und ungestresst in gerader Linie in Richtung Schäfer (bzw. des ersten Fetch-Tores) zu marschieren.

In gerader Linie und langsamem aber stetigem Tempo, ohne zu rennen oder auch zu oft zu stoppen, sollten sie auch den Fetch (20 Punkte) absolvieren, dessen Linie gerade durch ein frei am Feld stehendes Tor von 7 Meter Öffnung verläuft. Für Verlassen der Linie, die wie das Tor eine Breite von 7 Metern hat, oder Tempofehler wie zu schnelles Grundtempo, dauerndes Stoppen der Schafe oder extrem ruckeligen Marsch der Schafe gibt es Abzüge.

Sind die Schafe beim Schäfer angelangt, der in den beiden fortgeschrittenen Leistungsklassen den Startpfosten bis jetzt nicht verlassen haben darf, sollen sie je nach Parcoursverlauf entweder im oder gegen den Urzeigersinn um ihn herumgetrieben (Turn) werden und vom Hund in gerader Linie, sowie in korrektem Tempo in Richtung des ersten Treibtores geführt werden. Nach dem ersten Treibtor werden die Schafe auf den „Crossdrive“ gekippt, dessen Linie jetzt quer zum Schäfer über das Feld und durch das zweite Treibtor verläuft. Hier werden die Schafe noch einmal eng am Tor in die selbe Richtung wie vorher gekippt und wieder in Richtung Startpfosten getrieben. Es entsteht ein Treib-Dreieck, das typisch ist für einen Trialparcours und im Regelfall die gleiche Länge hat wie der Fetch. Nachdem man den Turn und das Dreieck jeweils nach links oder nach rechts anlegen kann, wird bei Trial-Profis von left- oder righthanded drive gesprochen.   Bei den in Kontinental-Europa üblichen Klasse 1-Trials für Anfänger-Teams dürfen die Schäfer während dem Drive hinter ihrem Hund in einem kleinen Dreieck mitgehen, in Klasse 1darf man auch teilweise vor den Schafen hergehen, aber man darf dem Hund nicht beim Treiben der Schafe helfen. In der mittleren Klasse 2 darf man zwar noch beim Drive mitgehen, verliert aber dann die Hälfte der Drive-Punkte.

Der perfekte Drive ist 30 Punkte wert, von denen man schnell welche verlieren kann, wenn die Schafe von der Linie abweichen, gestresst werden oder zu viel stoppen und grasen.

In den Leistungsklassen 2 und 3 kehren die Schafe nach dem Drive in den sogenannten „Shedding Ring“ zurück. Sobald sie diesen Ring von 17 Meter Radius, der vor in der Nähe des Startpfostens markiert ist, betreten haben, darf auch der Handler seinen Pfosten verlassen und versuchen, mithilfe seines Hundes zwei der Schafe von den anderen abzutrennen und die sogenannte Kontrolle über sie zu zeigen. Das alles natürlich, ohne dass Hund oder Mensch ein Schaf berühren. Der Richter soll den Eindruck haben, dass der Schäfer diese beiden Schafe jetzt zB. zu einer anderen Weide bringen könnte. 10 Punkte bringt ein perfekter Shed, wie das Teilen der Schafe genannt wird, mit der Möglichkeit von Abzügen für Fehlversuche oder wenn die Schafe während eines Shed-Versuchs den Ring verlassen und zurückgeholt werden müssen.

In Kl. 1 deutet man das Shedden nur durch das sogenannte Stabilisieren an, bei dem alle Schafhufe in der Mitte des Rings oder beim Pfosten stillstehen müssen, bis der Richter das Stabilisieren gutheißt.

Der Pen (10 Punkte) ist ein kleiner freistehender Pferch. Während der Hund kurz auf die Schafe aufpasst, muss der Schäfer das Tor des Pferchs öffnen gehen und dann die Schafe möglichst in gerade Linie und gleichmäßigem Tempo vom Hund hineinschieben lassen. Der Hund oder Schäfer darf die Schafe nicht berühren, auch nicht mit dem Tor oder dem während des Bewerbs traditionellerweise erlaubten Schäferstock.

Diese Regel war ganz deutlich beim ersten Sheepdog Trial noch nicht in Anwendung. Hier wurden die Schafe noch unter Anwendung der individuellen Kreativität oder auch Muskelkraft des Schäfers in den Pferch befördert. Es war auch völlig in Ordnung und dem Publikum und den Richtern einsichtig, wenn der Schäfer nicht mit allen Schafen ins Ziel kam. Das wäre bei einem heutigen Trial sofort eine Disqualifikation.

Verluste von einzelnen Schafen waren damals scheinbar kein besonders großes Drama, während jetzt das Stehenlassen oder gar Weglaufen eines Schafes am Trialparcours zur unmittelbaren Disqualifikation des Teams führt. Und natürlich auch dazu, dass das Trial angehalten werden muss, bis das Schaf wieder einen sicheren Hafen erreicht hat. Auch diese Regelauslegung hat bestimmt mit den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit zu tun. Heute sind frei auf der Straße herumlaufende Schafe eine große Katastrophe. Damals hielt die eventuell gerade die Straße entlangfahrende Pferdekutsche eben mal kurz an, wenn Schafe die Straße überqueren wollten.

Schafe auf den Eisenbahnschienen waren bestimmt auch 1873 kein Vergnügen, aber bei den damaligen Frequenzen von Zügen noch immer eine viel leichter zu kontrollierende Katastrophe als wenn heute Schafe bei einem Trial auf die Straße oder die Schienen davonlaufen würden.

Nicht zuletzt sind heute die Starterzahlen an einem Tag viel höher, sodass man schon alleine, um alle Starter auch wirklich an einem Tag durchbringen zu können, auf eine zügige Aufeinanderfolge der Läufe achten muss. Dazu gehört auch die Disqualifikation, wenn die Aufgabe durch einen Fehler im Lauf unlösbar wird. In diesem Fall disqualifiziert der Richter durch ein „Ret.“ (retired). Durch „Dis“ disqualifiziert wird der Hund, wenn er etwa ein Schaf zwickt oder sich am Parcours veräußert, oder wenn der Handler eine unerlaubte Hilfe verwendet, zB. den Startpfosten zu verläßt.

Noch immer ist der größte Unterschied  zwischen der Sheepdog Szene in Großbritannien und der in Europa ausser der schieren Menge der dort teilnehmenden Hunde und der Dichte der stattfindenden Trials, die Tatsache, dass auch von jungen Hunden gleich ein für mitteleuropäische Verhältnisse sehr großer Outrun von mindestens 250 Metern verlangt wird. Mit Hunden, die dieses Kriterium nicht durch relativ wenig Training zu erfüllen lernen, gibt man sich dort im Training eher nicht weiter ab. In Europa kennen wir bis zu dieser Outrun-Distanz bereits zwei Trialklassen, Trial Kl.1 mit ca. 100 Meter Outrun und der Möglichkeit, den Hund am Parcours (zwar mit Punkteabzug, aber immerhin) zu begleiten und Trial Kl.2. In den meisten europäischen Ländern muss man durch die unteren Trialklassen in die höheren aufsteigen.

In Großbritannien gibt es zwar „Anfängertrials“ , diese zeichnen sich aber allein dadurch aus, dass Hunde nur bis zu einem gewissen Alter dort starten dürfen (Nursery) oder noch kein Open Trial gewonnen haben (Novice)  Der Vorteil liegt also nicht in einem leichteren Parcours wie in unseren Breiten, sondern allein darin, dass in diesen Klassen junge Hunde oder Neulings-Handler unter sich sind. Eine eigene Klasse gibt es auch für Young-Handlers, also jugendliche Hundeführer.

Es gibt auch die Möglichkeit, bei einem ganz normalen Trial in der „Anfängerklasse“ zu melden. So läuft man den normalen Trialparcours, wird aber mit den anderen Junghunden gewertet statt mit den erfahrenen älteren.

Große Distanzen bei der Arbeit der Hütehunde sowie in den Trials waren in Großbritannien nie ein Diskussionsthema sondern eine Selbstverständlichkeit, die sich aus dem zu erwarteten Einsatzbereich der Arbeitshunde natürlich ergab.

Bei der ISDS wurde auch bis ins 21. Jahrhundert bei den großen Veranstaltungen verschiedene Preise für Schäfer (also Handler ohne Landbesitz) und Farmer (Handler mit eigenem Land) vergeben.

Ich finde es ausgesprochen interessant, wie für den Artikel-Autor (der als R.L. Price genannt wird und eventuell der Estate-Besitzer selber war, oder dessen Sohn)  bereits die Einstellung zum Ausdruck kommt, dass manche der Hunde „viel wert“ sind.

Bei denen, die das feststellen, handelt es sich wohl um die Landlords, die in Aspekte des Landlebens investieren und hier neue faszinierende Anwendungsbereiche von Spekulationen orten.

Dass die wohlhabenden Herrschaften den subjektiven „Wert“ von Hunden entdeckten, hatte wohl einen enormen Einfluss auf die damals sprunghafte Entwicklung der Rassehundezucht.

Die großen Kaufpreise für Hütehunde ließen allerdings viel länger auf sich warten als Mr. Price in seinem Enthusiasmus 1873 prophezeiht hatte.

Seit ein paar Jahren erst schießen die Preise für Arbeitshunde aus bestimmten populären Linien insbesondere bei entsprechenden Auktionen in Großbritannien in die Höhe, sodass in der landwirtschaftlichen Fachpresse ganz stolz über Spitzenpreise für junge vielversprechende Tiere bei 6000 oder 8000 Guineas (Guineas sind eine historische britische Währung, die nicht auf dem Dezimalsystem beruht, und die eigentlich seit 1813 nicht mehr produziert wird. Ein Guinea sind ein Pfund und ein Shilling, eine Währung ebenfalls historisch und nicht-dezimal ist. Weil die Briten sehr traditionsbewusst sind, wird bei Auktionen noch immer der Wert in -eigentlich virtuellen- Guineas ausgezählt. Guinea-Preise sind also in Pfund ein kleines bisschen mehr)

Den „normalen“ Arbeits-Border-Collie-Welpen in Großbritannien bekommt man aber noch immer zu einem ziemlich moderaten Preis, etwa 300-500 Pfund.

Liebhaberpreise sind aber auch beim Welpen immer möglich, wenn es sich um spezielle Pedigrees handelt.

(Auf diesem Bild sieht man Mr. Barcroft, einen regelmäßigen Gewinner der Sheepdog Trials der frühen Jahre. Man sagt, er habe sensationelle Mengen an Preisgeldern mit seinen Hunden gewonnen. Man berichtet von 2000 Guineas im Lauf seiner Karriere am Trialfeld. )

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