Das erste Sheepdog Trial in Bala 1873

 

Hier ist meine Übersetzung des Berichts aus der Zeitung „The Field“ über das erste europäische Sheepdog Trial in Bala 1873.

Ich habe nur die Einleitung ein wenig gekürzt und überspringe in der Übersetzung die ausführlichen Danksagungen an damals wichtige lokale Persönlichkeiten im ersten Teil des Textes, da die erwähnten Personen heute zumindest im deutschen Sprachraum kaum mehr jemandem etwas sagen werden. Der Autor des Artikels ist ein Mr. Price. Da auch der Herr von Rhiwlas so hieß, handelt es sich vermutlich um den Gutsbesitzer selber, der ganz offensichtlich ein großer Hunde-Enthusiast war.

Wer den ganzen Bericht im Original lesen will, der findet ihn im Buch „Shepherds, Sheep and Sheepdogs“ von Iris Combe, Daleman Books, 1983.

 Das erste Sheepdog Trial in Bala, 1873

 

(Rhiwlas, Bala auf historischen Postkarten)

In Bala in Nord-Wales steht ein eindrucksvolles Schloss, ein Estate namens Rhiwlas, mit den entsprechenden ausladenden Ländereien rundherum.

300 Zuschauer hatten sich versammelt, darunter immerhin 200 Schäfer. Die Teilnehmer waren aus England, Wales und Schottland zusammen gekommen, um einander ihre besten Hütehunde vorzuführen.

Der Zuständige für die Vorbestellung des Wetters hatte typisch britische Konditionen gewählt, denn es war ein ziemlich kalter, nasser und unvorteilhafter Tag.

Die Gäste, darunter auch zahlreiche VIPs und Landlords von anderen Ländereien, ja sogar einige Ladies, hielten trotzdem den ganzen Tag lang auf der natürlichen Tribüne durch, auf der sie sich, teils zu Fuß, aber je nach Stand auch zu Pferd versammelt und aufgereiht hatten.

Vom Hügel aus konnte man das Gelände gut einsehen und das Geschehen beobachten.

Unter den VIP-Gästen waren Major und Mrs Le Gandre Starkey so beeindruckt von der neuen Event-Idee, dass sie sich freiwillig meldeten, im nächsten Jahr ebenfalls einen solchen Bewerb auf ihren Gütern in Huntroyde in Lancashire abhalten zu wollen. Dafür stellten sie einen Geldpreis von 50 Guineas für den Sieger in Aussicht!

( Nach einer langen Reihe von Namensnennungen, die für heutige BCs nicht mehr relevant sind, übersetze ich jetzt ohne Auslassungen aus dem Originaltext, der, wie man annimmt, entweder vom Estate-Besitzer selber, oder seinem Sohn, jedenfalls von einem Mr. R.L. Price stammt.)


Der Begriff „Colley“ wird normalerweise mit den (schottischen) Highlands assoziiert. Aber  wie dieses Event zeigt gibt es viele intelligente Exemplare dieser Rasse auch außerhalb von Schottland.

Nichtsdestotrotz ging der erste Preis diesmal an einen schottischen Hund, bzw. an einen Hund, der von einem Schotten gezüchtet worden war, der allerdings in Wales lebt. Zweiter war allerdings schon ein lokales Tier. Ein großes, langes, dünnes, freundliches Biest vom Tyne Country wurde Dritter! Viele weitere walisische Hunde konnten überdurchschnittliches Können demonstrieren.

(Hier folgen ein paar Sätze über die Ausschreibungsmodalitäten solcher Veranstaltungen in der Zeitschrift „The Field“, die ich in der Übersetzung auslasse.)

Das Treffen wurde abgehalten auf einer ausgedehnten, hügeligen Wiese („common“) namens Garth Coch, auf Englisch „The Red Wild“, ungefähr eine Meile von Bala entfernt. Es war eine großartige Arena, bei der die Schaulustigen sich auf einem großen natürlichen Hügel in der Mitte gruppieren konnten, von dem aus sie eine hervorragende Sicht auf das ganze Schauspiel hatten, während ein Felsvorsprung einen erstklassigen Balkon für Zuschauer abgab.

Der große Vorteil des Geländes war, dass kein Teil des Spielfeldes für das Publikum außer Sicht lag. Jede Finte der Schafe und ihrer Verfolger konnte genau beobachtet werden. Das stellte unserer Meinung nach eine große Verbesserung zu den Setter- und Pointer-Trials dar, bei denen ein großer Teil der Geschehnisse nur vom Richter und den direkt neben dem eingesetzten Hund Stehenden zu sehen ist.

(Mr. Price, der Herr von Rhiwlas. Er, oder vielleicht sein Sohn könnten der Autor des Artikels über das Sheepdog Trial gewesen sein.)

(Rhiwlas Estate heute)

(In Bala werden heute noch immer schöne große Sheepdog Trials abgehalten)

Der Modus Operandi war wie folgt:

Eine Herde zäher Welsh Mountain Schafe wurden von Mr. Price’s Tennants netterweise zur Verfügung gestellt. Sie wurden am anderen Ende des Feldes in einen Pferch gesperrt, wo der Fluss Hirnant eine gute natürliche Grenze bildete. Auf ein Signal der Richter wurden drei davon von je einem starken Waliser, der für diesen Teil der Unterhaltung zuständig war, herausgehoben und auf das Feld entlassen, während gleichzeitig der Colley von seinem Herrn losgeschickt wurde, um zu versuchen, die kleinen, wilden und lebhaften Tieren einzuholen und sie in einen kleinen Pferch mit einem Eingangstor von etwa sechs Fuß Breite (182 cm) zu treiben.

Natürlich benahmen sich die unterschiedlichen Gruppen von je  drei Schafen ausgesprochen unterschiedlich!

Einmal schoss jedes der drei in eine andere Richtung davon, ein anderes Mal wählte ein besonders forsches Exemplar einen Solo-Fluchtweg, während seine Kumpanen verschüchtert stehenblieben. Manchmal probierten alle drei verzweifelt, wieder in den Pferch zu ihren Freunden zurückzugelangen.

Die Tiere mit dem letzteren Verhalten erwiesen sich als die, die für den Hund am schwierigsten zu managen waren! Es brauchte dann extreme Findigkeit und Beweglichkeit des Hundes, um die Schafe unter Kontrolle und weg von den vier Seiten des verlockenden Pferchs zu bekommen.

Man muss wohl gestehen, dass hier ein gerüttelt Maß an Glück eine Rolle spielte. Manche der Schafe ließen sich relativ leicht führen, während andere viel dümmeres oder besonders stures Verhalten an den Tag legten!

Wenn Hund und Herrchen es geschafft -oder in vielen Fällen auch nicht geschafft – hatten, ihre kleinen wilden Waliser ins Ziel zu bringen, wurden die Schafe wieder freigelassen, damit sie dem nächsten Team zu Verfügung stehen konnten. Der sichere Hafen für „verbrauchte“ Schafgruppen erwies sich als wahrer Dorn in der Seite der Teilnehmer, da die Schafe, die getrieben werden sollten, natürlich stets dorthin eilen wollten, wo sie ihre Kollegen bereits in Sicherheit stehen sahen.

Einige Teams auf der Liste konnten die Schafe dann nicht mehr überreden, von ihren Freunden wieder abzulassen, und es breitete sich die Meinung aus, dass verbrauchte Gruppen vielleicht besser außer Sicht unterzubringen wären.

Die wirklich schlauen Hunde aber schafften auch diese Hürde und beeindruckten das Publikum mit ihrer hündischen Intelligenz, mit der sie auch noch in den schwierigsten Situationen selbständig zu einer Problemlösung fanden.

So sah jedenfalls die Übung „Penning“ aus. Die in dieser Übung als die besten und schnellsten hervorgegangen Teilnehmer, wurden für den nächsten Prüfungsteil auserwählt, der sich „Driving“ nannte.

Dafür wurden drei Schafe an einem gut einsichtigen Platz, allerdings in 800 Yards Entfernung vom Schäfer und seinem Hund getragen und ausgelassen.

Der Schäfer musste daraufhin seinen Hund schicken, um sie einzuholen. Er durfte dazu Rufe oder Pfiffe (meist kam die Bauernversion des „Zwei-Finger-im-Mund-Pfiffs zum Einsatz) verwenden aber den Hund nicht begleiten.

Wenn der Hund die Schafe fand, sollte er sie nach Möglichkeit durch ein Tor und dann direkt zum Schäfer treiben, eine Aufgabe, bei der sich diese intelligenten Hunde als wirklich sehr nützlich erwiesen.

Der Tag wurde fortgesetzt mit der Präsentation des ersten und zweiten Preises, freundlicherweise präsentiert von Mr Henry Richardson an die Schönsten der teilnehmenden Hunde.

Hier wurde ein Ring gebildet und die Hunde langsam um den Richter herumgeführt, der nach kurzer Inspektion drei Hunde für eine genauere Begutachtung aussuchte. Der erste Preis ging letztendlich an Mr James Thompson’s Hund Tweed, einen kleinen schwarz-braunen Hund mit einer weißen Brust, der sehr kompakt gebaut war, ein ansehnliches Gangwerk und einen intelligenten fuchsartigen Kopf hatte.

Das alte Sprichwort „Handsome is a handsome does“ kam hier ideal zum Tragen, da Tweed nicht nur der schönste Hund des Bewerbs war sondern auch den Arbeits-Teil des Trials gewinnen konnte.

Der zweite Preis ging an Mr Roberts of Vrongoch’s Jim, ein größeres Exemplar mit kräftigerem Pelz und Schweif und einer schönen weißen Halskrause, der aber etwas nachgebend in der Lende und nicht so harmonisch zusammengefügt war wie Tweed.

Nach Ende dieses Bewerbs ging es um viertel nach Eins weiter mit einem Hund namens Boy, der Mr Roberts of Panteronyn gehörte. Er raste nach rechts los, brauchte aber fast fünf ganze Minuten, um endlich doch die Schafe zu finden, die währenddessen in einem ordentlichen Grüppchen friedlich grasend auf ihn warteten. Bei Boys ersten Kläffen als er sie entdeckt hatte, suchte ein junger Bock sein Heil in der Flucht, wurde aber sofort wieder von Boy zurückgeholt! Danach ging es aber mit Problemen weiter- erst wurde der Lauf gestört durch einen Spaziergänger, der das Feld durchquerte, und letztendlich sprengten die Schafe in die Zuschauermenge! Boys Handler war ebenfalls ein „boy“, ein junger Bursche von knappen 16 Jahren-  und die beiden Boys schafften es noch, die Schafe aus der Menge zu extrahieren, allerdings wollten sie sich danach auf gar keinen Fall in den Pferch fädeln lassen!

Der nächste Teilnehmer war Mr Jones von Berth Llafar und sein Hund Tommy Dod. Leider war ihnen kein Glück beschieden, denn die Schafe erwiesen sich als schnellere Läufer als der arme Tommy. Als er seine Herde verloren hatte, lief auch noch ein einzelnes Exemplar direkt auf die Eisenbahnschienen zu und musste mit einem Seil eingefangen und wenig ruhmreich verschnürt und weggebracht werden.

Danach kam Mr. Robert Hughes von Cleggan mit seiner Hündin Lass. Die Hündin arbeitete sehr gut und weit von den Schafen entfernt. Sie schaffte es auch einigermaßen, die Schafe, die zurück in den Pferch klettern wollten von dort weg und ins offene Feld zu bringen. Allerdings kläffte sie zu viel, was bei der Arbeit mit nur wenigen Schafen leider ein Fehler ist. Beim Pferch arbeitete sie mit viel Taktgefühl und brachte die Schafe so nahe heran, dass dem Publikum schon der Victory-Schrei auf der Zunge lag. Dann aber machte sie einen kleinen Fehler und mit einem unerwarteten Satz waren die Schafe auf und davon, über das Feld verteilt und im Publikum verstreut!

Das Cambrische Hundemädchen musste also ohne Ehre weg gebracht werden, und um dreiviertel zwei ging ein langhaariger schwarz-und-tan-farbener Hund an den Start, der Mr Roberts von Pias gehörte. Leider verlor er sofort ein Schaf und konnte auch mit den verbleibenden Schafen nicht viel zurande bringen.

Mehr wurde erwartet von Black, einem kleinen Hund, der Mr Evan Lloyd von Trawsnant gehörte. Er enttäuschte die Erwartungen nicht, denn die Schafe erblickten den Hund und ließen  sich ruhig aber zügig in die richtige Richtung treiben. Weil sie gar so brav gingen baten die Richter Mr Lloyd, die Schafe doch ein wenig zu zerstreuen, damit man sehen konnte, was der Hund mit wild gemachten Schafen tun würde. Die Schafe wurden also etwas den Berg hinauf gehetzt, aber Black konnte sie mit ein wenig Hin- und Her und mit vielen Zurufen von Mr. Lloyd wieder unter Kontrolle bringen. Alle dachten schon, der kleine schwarze Hund würde der erste werden, der erfolgreich einpferchen würde. Jetzt hatten die Schafe aber ihre widerspenstige Ader entdeckt und am Eingang des Pferchs spritze eines auf und davon und ward nicht mehr gesehen. Mr Lloyd wurde jetzt selbst initiativ und schubste eines der verbleibenden Schafe selber in den Pferch, woraufhin das zweite hinterher sprang! Der Hund arbeitete die ganze Zeit sehr schön, führte seine Kommandos aus wie ein braver Major, aber da er nur zwei von drei Schafen gepfercht hatte, war es klar, dass er von dem Hund geschlagen werden würde, der alle drei Schafe in den Pferch bringen würde!

Das Publikum hatte bereits Zweifel, ob das noch einem Team gelingen würde, da trat der Gewinner Tweed auf den Plan und zeigte, wie man es machen musste. Nach einem ruhigen Beginn arbeitete er die Schafe, die keinen besonderen Mitarbeitswillen an den Tag legten, mit großer Rücksicht, sie nicht zu erschrecken und mit sehr wenig menschlicher Hilfe direkt in Richtung Pferch. Dort stellten sie allerhand Tricks an, um nicht in dem Pferch zu müssen, sprangen über die Steinwand und liefen ins Publikum und mussten zurückgeholt werden. Dem Hund zuliebe aber blieben sie, anders als bei den anderen Teilnehmern, denen das passierte, aber dabei beisammen! Letztendlich konnte Tweed sie alle wieder zurückholen und sie unter lautem Jubel des Publikums mit schönen Bewegungen und erstklassigem Gehorsam innerhalb von vier Minuten in den Pferch befördern!

Mit so wilden Schafen scheint uns die beste Strategie, um die Schafe erfolgreich in einen Pferch zu bringen, dieselbe zu sein wie bei der Jagd auf Rebhuhn oder Moorhuhn. Wenn man sie ein wenig in Kreisen herumtreibt, bis sie müde sind, kann man sie bequem überall hintreiben, wo man will. Jedenfalls war das die Technik, die Tweed hier sehr erfolgreich anwendete. Er trieb seine Herde in immer kleiner werdenden Kreisen um seinen Meister herum, bis er sie einpferchen konnte. Tweed wurde ausgezeichnet vorgeführt- sein Handler präsentierte wirklich seinen Hund und nicht in erster Linie seine eigenen Fähigkeiten als Schäfer.

Der zweitplatzierte Hund beim Schönheitswettbewerb, Jim, kam jetzt an die Reihe. Aber anstatt einen Bogen um die Schafe zu rennen, lief er gerade auf sie zu und vertrieb seine Schafe dadurch!

Als nächster zog Mr John Jones von Havod’s seinen Chap, einen winzigen Hund, aus seiner Tasche, den er über den Kopf halten musste, damit das Publikum ihn sehen konnte! Der kleine Chap zeigte aber für seine Größe ganz außerordentliche Fähigkeiten und Geschwindigkeit und hatte die drei wilden Schafe schnell unter seiner Kontrolle und trieb sie eine ganze Strecke hinter seinem Herrn her, wie es in alten Schriften von Schäfern und ihren Hunden berichtet wird.

Beim Pferch kamen die zwei aber in Schwierigkeiten, denn die Schafe liefen immer wieder davon. Chap holte sie zwar wieder und wieder zurück, aber in den Pferch konnte er sie nicht treiben. Der Handler unterhielt währenddessen das Publikum mit blumigen Scherzen und kräftigen Ausdrücken in Walisisch. Meine gute Erziehung verbietet mir, von dieser Publikums- Unterhaltung etwas in einer angesehenen Zeitschrift wie „The Field“ wiederzugeben!

Der kleine Chap gab alles, ja er zwickte sogar einmal ein widerspenstiges Schaf. Obwohl er nicht ganz so gut unter der Kontrolle seines Besitzers war wie sein Vorgänger und obwohl er nicht pferchen hatte können, blieb er, als er am Ende wieder von seinem Herrn aufgegabelt wurde, doch ein Kandidat auf einen Platz.

Der nächste Hund war ein weiterer Tweed, diesmal mit einem roten Muster, vorgeführt von einem Mr Mackintosh , der in voller Highland-Montur erschienen war, komplett mit Kilt, Sporran und Whiskey.

Wegen des mittlerweile ziemlich ungemütlich kalten Wetters wurde Mr Mackintosh schon wegen seiner Kleidung bemitleidet, umso mehr aber als Tweed Nr2 trotz farbenfroher Gaelischer Ausdrücke, die etwa so klangen wie „Voila, voila“ darauf bestand, die Schafe in die entgegengesetzte Richtung abzutransportieren! Highland, Schotte, Hund und Schafe wurden also schnell zu einer flüchtigen Erinnerung.

Nach diesem kleinen Zwischenfall bekamen wir Sam, einen Hund aus der Ridley-Linie aus North Tyne, etwa 15 Meilen südlich der Cheviots zu sehen, einen großen, schwarzen, kurzhaarigen Hund mit einer weißen Halskrause und schwarzen Ohren. Wir versprechen unseren Lesern ein Bild von diesem Hund und seiner Arbeitsweise in der nächsten Ausgabe von „The Field“. Obwohl nicht gerade hübsch anzusehen hatte er eine sehr attraktive Ausstrahlung. Ihm voraus eilte bereits eine gewisse und wohlverdiente Reputation. Er war ausgezeichnet trainiert, fiel auf den kleinsten Wink seines Herrn mit dem Stock ins Platz, und zeigte sehr elegante Bewegungen, manchmal wie ein Panther schleichend, manchmal wieder zart aus dem Weg springend wie eine edle Lady. Allein die Vorstellung von Sam war es schon wert, aus London anzureisen, um ihn bei der Arbeit zu sehen. Schlau wie ein Luchs und wahrscheinlich intelligenter als so mancher Christ wäre dieser Hund billig, wenn man ihn um 20 Pfund kaufen könnte. Der glückliche Käufer könnte nächstes Jahr bestimmt das Trial mit ihm gewinnen!

Sam fesselte die Schafe wie es uns schien mit seinem Blick und gab ihnen keine Chance, auszubrechen.

In elfeinhalb Minuten waren die Schafe gepfercht, bis jetzt die beste Zeit! Das Publikum ließ begeisterte „Burdda“ (Gut!)-Rufe ertönen und alle waren der Meinung, dass sie den Sieger gesehen hatten.

Es wurde spekuliert, woran es wohl lag, dass dieser Hund so ausgezeichnet arbeitete, und man kam zu dem Schluss, dass der Grund darin bestehen musste, dass die Schafe von Mr. Crane stark von Maden befallen waren und deshalb täglich inspiziert und oft durch ein Fussbad getrieben werden mussten.

Der Bewerb war aber noch lange nicht zu Ende, denn jetzt mussten sich die besten Hunde noch im „Driving“ messen. Hier mussten die Schafe in gerader Linie durch ein Tor zum Handler gebracht werden. Tweed startete als erster und obwohl seine Schafe versuchten, so schnell sie konnten am anderen Ende des Feldes den Berg hinunterzulaufen, brachte er sie in bester Manier durch das Tor und vor die Füße seines Herrn.

Der zweite war der kleine Chap, der seinen Lauf wieder in der Luft über den Kopf seines Besitzers gehalten begann! Der kleine Chap lief so schnell ihn seine kleinen Beine trugen und beförderte seine Schafe schnell durch das Tor, unter lautem Jubel des Publikums, da er ja ein lokaler Hund war.

Als nächster kam unser Favorit, Sam, von dem alle erwarteten, dass er gleich gut arbeiten würde wie die zwei bisher. Besser wäre es nicht gegangen.

Aber, ach! Das Glück verließ ihn und seine Schafe mischten sich mit einer Herde Gänse, die über die Mauer gesprungen waren! Sam zeigte noch immer großartige Arbeit und musste seinen Schafen, die mit den Gänsen im Fluss gelandet waren, hinterher springen und sie zwischen den Gänsen hindurch am Vließ aus dem Wasser ziehen! Beeindruckend intelligent, aber leider hatte das alles zu lange gedauert, und nachdem am Ende auch Boy den Bewerb „Driving“ schnell und korrekt beenden konnte, war es kein Wunder, dass die Reihenfolge bei Zusammenzählung aller Teile am Ende so aussah:

1.Tweed,

  1. Chap
  2. Sam
  3. Boy (für den vierten Platz gewann Boy noch ein Pfund)

Wir meinen, dass Sam deshalb verlor, weil sein Besitzer sich nicht direkt gegenüber des Tores aufgestellt hatte. So brachte Sam die Schafe über die Mauer, statt direkt durch das Tor, in direkter Linie auf den Besitzer zu und kam in die Schwierigkeiten mit den Gänsen. Es tut uns sehr leid, dass dieses wunderbare Tier nicht gewonnen hat. Nach unserem Empfinden ist Sam außer Tweed und Chap soviel wert wie alle anderen vorgeführten Hunde zusammen!

Unter den gegebenen Umständen waren die Richter aber absolut im Recht, die Ränge so zu vergeben, wie sie vergeben wurden! Man hätte aber wohl trotzdem auch gerne akzeptiert, wenn Sam Zweiter geworden wäre!

Alles in allem war das Treffen ein großer Erfolg. Da wir noch nie etwas mit Hütehunden zu tun hatten, hoffen wir, dass unser Bericht sachlich nicht allzu danebengeraten ist! Auf alle Fälle werden wir versuchen, uns durch Wiederholung zu verbessern und freuen uns auf den Bewerb nächstes Jahr auf Major Sparkeys Gelände!

 

(Bild: Starter bei einem Trial in London 1876)


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