Entwicklung der Border Collies

Colley-Typen und die Entwicklung zum heute üblichen Typ des Arbeits-Border-Collies

Unter „Geschichte der Sheepdog Trials“ bekommen wir viele verschiedene Typen von „Colleys“, also Hütehunden der damaligen Zeit präsentiert. Viele der präsentierten Hunde bellten zumindest teilweise beim Arbeiten, die meisten werden eher keinen Stil gezeigt haben, also ohne die eindrucksvolle tiefe Körperhaltung gearbeitet haben.

Bei den Schäfern war es noch Gang und Gäbe, sich durch viel wildes Winken mit Händen und Schäferstock und jede Menge farbenprächtiges Geschrei gegenüber dem Hund durchzusetzen.

Die Erwartung bei Trials heute orientiert sich da an einem ruhigeren und weniger actionreichen Idealbild!

In den Berichten vom ersten Trial brauchen die Hunde gerne 10 Minuten allein für das Finden und Einholen der Schafe und das Einpferchen, wobei nur ein Schäfer auch wirklich alle Schafe pferchen konnte und dabei selber auch kräftig Hand anlegte, also die Schafe in den Pferch hob.

Man kann also davon ausgehen, dass sich die Qualität der Hunde in den 150 Jahren wesentlich verbessert hat, woran ganz bestimmt ursächlich die Vergleichsmöglichkeit der unterschiedlichen Arbeitshunde bei solchen Bewerben stark beteiligt war. Die Tatsache, dass man sich mit einer genormten Aufgabe und einem Richter stellen muss, und auch die Möglichkeit, erfolgreiche Teams und ihre Strategien zu sehen und von ihnen zu lernen, bzw. auch, einen passenden und qualitätsverbessernden Zuchtpartner für seine Hündinnen oder eine Bezugsquelle für interessante Welpen bei einem Schäfer mit guten Hunden zu finden, auf die man sonst nicht gekommen wäre, muss den Standard der Hütehunde innerhalb der ersten 20 Jahre ab dem ersten Trial schon auf ein unvergleichlich höheres Niveau gehoben haben.

Die Arbeitsweise der Arbeitshunde wurde im Lauf der Zeit einer Selektion in Richtung der in den Vergleichskämpfen erfolgreichen Exemplare unterworfen.

Die lokalen Hundeschläge, die 1873 nach Bala angereist waren, waren noch von ausgesprochen unterschiedlichem Aussehen und auch unterschiedlicher Arbeitsweise. Der kleine Chap zum Beispiel wird als ein richtiger Jackentaschen-Hütehund beschrieben.

Der pantherartige Sam muss so ähnlich ausgesehen haben wie Queen Victorias Colleys, also möglicherweise eher wie ein schwarzer Arbeits-Labrador als so, wie man sich aktuell einen Border Collie vorstellt. Er war der einzige Hund des Bewerbs, dessen schleichende katzenhafte Bewegungen speziell beschrieben wurden.

(Queen Victorias „Colleys“ Sharp und Noble)

Queen Victoria liebte übrigens nicht nur ihre eigenen (bei ihren Angestellten eher für ihre Schärfe berüchtigten) „Colleys“, sondern sie war auch eine begeisterte Besucherin zumindest eines Sheepdog Trials.

Über ein Trial in Bala am 24. August 1889 hat sie einen kleinen Bericht in ihrem Tagebuch geschrieben, der sich so liest:

Ich sah ein Trial mit Hütehunden, einen Bewerb im Treiben von Schafen, wofür die Waliser ein großes Interesse hegen. Wir sahen mehrere Läufe, aber nur einer gelang. Es waren sechs preisgekrönte Hunde. Sie mussten versuchen, drei Schafe zusammen rund um drei Fahnenstangen, die in einer Distanz aufgestellt waren, herumzutreiben. Danach mussten sie in einen sehr kleinen Pferch mit einer schmalen Öffnung getrieben werden. Wenn die Schafe dem Pferch nahe kamen, durfte der Schäfer in die Nähe gehen und dem Hund helfen. Es war ihm aber nicht erlaubt, die Schafe zu berühren.

Jeder Hund bekam drei neue Schafe. Alle waren sie vier Jahre alt und nicht gewohnt an das Gelände oder an die Hunde.

Sie waren speziell für diesen Bewerb von den Hügeln heruntergebracht worden.

Bob, ein weißer Lancashire Hund, arbeitete hervorragend.

Die Intelligenz dieser Hunde und der Gehorsam, mit dem sie den Zeichen und Pfiffen ihrer Meister folgen, die sie aus der Entfernung kommandieren, ist absolut wundervoll.“

Diese Königin war eine wahre Colley-Enthusiastin, auch wenn jemand, der ihre Hunde heute das erste Mal auf Fotos sieht, sie wohl optisch nicht gleich in die Kategorie der Hütehunden klassifizieren würde. Aus ihrem Trialbericht liest man heraus, dass sich bis 1889 bereits eine Parcours-Form entwickelt hatte, bei der es einen mit heute vergleichbaren Drive um Pfosten herum (heute durch Tore) gab.

Bei dem weißen Hund, der dieses Trial gewann, handelte es sich um Mr. George Barcroft‘s Bob, der in dieser Zeit berühmt für seine überragenden Leistungen bei Trials war.

Bob wurde auch als „half-bred Old English-Sheepdog“ beschrieben. So sah er jedenfalls aus:

Bob trat auch beim ersten kontinentalen Trial an, über das es einen englischen Bericht gibt, da hier scheinbar britische Hunde einem deutschen Publikum präsentiert wurden.

1897 in Frankfurt, scheinbar vom Deutschen Collie Club organisiert, wurde es gewonnen von Ormskirk Charlie. Der weiße Bob wurde Zweiter.

Mr. Piggin’s Ormskirk Charlie kann man bereits einen frühen Rough Collie bezeichnen. Er war der Sohn eines berühmten Show-Champions und Trial-Champions namens Christopher, der um 1000 Pfund, eine sehr stattliche Summe, in die USA verkauft wurde.

Leider habe ich von Ormskirk Charlie oder von Christopher keine Fotos finden können.

Scheinbar hatte Queen Victoria unter den europäischen „Royals“ aber im Vorfeld die Werbetrommel gerührt für Sheepdog Trials, denn das Trial in Frankfurt soll vom Kaiser persönlich in Augenschein genommen worden sein.


Das mit dem Aufkommen der Sheepdog Trials möglich (und laut Queen Victoria zumindest den Walisern enorm wichtig gewordene) Sich-Messen am Trialfeld förderte ganz bestimmt die Motivation der Schäfer, ihre Hunde abgesehen von der anfallenden Arbeit auch auf ein immer höheres Niveau zu trainieren, um beim nächsten Bewerb brillieren zu können.

Wenn manche Hunde, zB. der auffällig schleichende Rüde Sam, der allen durch seine raubtierhaften Bewegungen besonders gut gefallen hatte, herausragten, kamen diese Hunde und ihre Besitzer zu einer lokalen Berühmtheit, die ganz bestimmt dazu führte, dass dieser Hund in der Zucht in der nächsten Zeit stark nachgefragt wurde! Wir befinden uns hier leider noch drei Jahrzehnte vor den Zuchtbüchern der ISDS, sodass der wahre Einfluss von Sam in unserem Beispiel auf die Pedigrees der späteren Border Collies Spekulation bleiben muss.

Im nächsten Jahr sollte der „schleichende Panther“ das Folgetrial gewinnen und damit auch den ausgesetzten Geldpreis. Bestimmt wandten sich die Züchter von Hütehunden dieser Zeit an ihn, bzw. versuchten auf seine besonderen Eigenschaften hin zu züchten, die sich als so erfolgreich beim Bewältigen der Aufgaben auf den Trials und nicht zuletzt auch als so publikumswirksam erwiesen hatten. Falls es andere Hunde gab, die auch seinen schleichenden Stil zeigten, erlebten bestimmt auch diese einen plötzlichen Anstieg an Popularität bei den Züchtern der Zeit.

Auf älteren Gemälden, auf denen Schäfer mit Hütehunden abgebildet sind, sieht man die Schleichhaltung zwar auch manchmal, aber öfter sieht man die Hütehunde mit erhobenem Kopf, manchmal auch mit fröhlich-hoher Rute neben dem Schäfer stehen oder hinter den Schafen hergehen.

Hunde, die in Schleich-Haltung hüten, bellen in der Regel nicht. Zum Bellen werden Kopf und Rute angehoben (wie man es auch deutlich auf dem frühen Stich erkennen kann), ein Verhalten, das heute beim arbeitenden Border Collie nicht mehr erwünscht ist, das aber bei den anderen Hütehunderassen, die keine spezielle Selektion auf Trial-Tauglichkeit hinter sich haben, besonders in Stresssituationen wie zB. der auf dem Stich gezeigten Szene, wo die Herde nicht weitergehen möchte und sich gegen den Hund stellt, typischerweise vorkommt.

Beim ersten Trial wird bereits berichtet, dass manche Hunde „übermäßig“ bellen und das scheinbar nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Zumindest ab und zu scheinen fast alle Hunde (außer dem schleichenden Sam), die beim diesem ersten Trial gestartet sind, ihre Stimme beim Arbeiten eingesetzt zu haben. Die Selektion auf leises Arbeiten hat also scheinbar danach stattgefunden, da sich die leiseren, konzentrierter arbeitenden Tiere als erfolgreicher im Bewerb präsentierten.

Innerhalb von nur zehn Jahren Sheepdog Trials- und so viele Trials werden es insgesamt in diesen Jahren wohl noch nicht gewesen sein- änderte sich bereits das ästhetische Empfinden des Publikums was den Handling-Stil betrifft. William Wallace aus Otterburn, Northumberland, fiel 1883 bei den Hawick Trials dadurch auf, dass er seine Hunde allein durch leise Zischlaute in der Nähe und leises Pfeifen in der Distanzarbeit arbeiten konnte!

Ein neuer Qualitätsstandard war geboren, Davor muss das Handling noch relativ unverfeinert, laut und bestimmt eher auf eine rustikale Art eher lustig  zu beobachten als elegant anzusehen gewesen sein. Im Trialbericht wird jedenfalls von Flüchen aller Art gesprochen.

Heute gibt es eine eigene Regel in den „Rules for Trials“, die unsportliches Verhalten -also auch Flüche- unter Androhung einer Disqualifikation verbietet.

 

(William Wallace)

In Northumberland, in Nordengland südlich der schottischen Grenze, nach der der Border Collie benannt wurde, trainierte 1890 auch der berühmte Adam Telfer, der Old Hemp besass, der als Vater der heutigen Rasse gilt.

Auld Hemp

Auld Hemp war 1915 der Eintrag Nummer 9 im Zuchtbuch der noch jungen ISDS, wobei allerdings die Hunde mit den niedrigeren Nummern nach ihm geboren waren. Er wurde nachgetragen und gilt als Stammvater der Border Collies, wie wir sie jetzt kennen.

Ob Hemp selber bei Trials startete ist nicht bekannt. Aber der züchterische Einfluss von Auld Hemp auf die Szene der damaligen Trials war enorm. Fast jeder der 29 Hunde, die von 1906- 1951 die Meisterschaft der ISDS gewannen, stammte von Auld Hemp ab. Seine Mutter wird als strong-eyed beschrieben, sein Vater als loose-eyed. Hier hat man also schon die noch immer geltende Nomenklatur für das Hüten mit mehr oder weniger von der eindrucksvollen „tiefgelegten“ Haltung gefunden. Hemp selber soll sich so konzentriert haben, dass er am ganzen Körper zitterte. Dieses Verhalten, sowie das oft damit gekoppelte Einziehen der Rute bis unter den Bauch, kann noch immer bei einsatzbereiten Border Collies beobachtet werden und kann, wenn man es zum ersten Mal sieht, fälschlich mit Angst oder Unsicherheit verwechselt werden.

Zu viel angeborenes Eye hat zwar den Vorteil, dass man am laufenden Band großartig aussehende Schleichfotos von seinem Hund machen kann, birgt aber die Gefahr des „Steckenbleibens“ in der Schleichhaltung.

Je nach Typ des übermässigen Eyes kann sich die angestaute Spannung dann entweder in einer plötzlichen Attacke auf die Schafe entladen, oder man hat einen Hund, der seine Schafe nur im Schneckentempo zu bewegen vermag.

Während ruhige Arbeit zwar erwünscht ist, ist es auch nicht zweckmäßig einen Arbeitshund zu haben, der durch zu viel Eye zu sehr verlangsamt ist.

(Welsh National Champion 1926: Juno 618)

Diese Hündin, die nicht jeder gleich als Border Collie erkennen würde, hat eine frühe ISDS-Nummer und einen Welsh-National-Champion-Titel. Man könnte in den Zuchtbüchern nachsehen, ob sie auch in der Zucht verwendet wurde. Vom Typ her könnte sie aber fast ein früher Sheltie sein. Vielleicht ist sie aus der Linie vom berühmten Jackentaschen-Hütehund, der dem Bala-Publikum 1873 so gut gefallen hatte

Spätestens auf den schwarz-weiß Fotos aus den 1950-er-Jahren sieht man nur mehr Trial-Hunde, die sich mit „Eye“, also tiefem Kopf und dem konzentrierten Blick den Schafen nähern. Diese typische Schleichaltung nennt man auch „Style“, zu Deutsch „Stil“.

Farben und Haarkleid der Vorfahren der Border Collies

Farbe und Fell waren ebenso wie die Arbeitsweise dem Geschmack der Zeit unterworfen.

In den Gemälden, die von britischen Hütehunden in der Zeit vor der Fotografie entstanden, sieht man hauptsächlich tricolor oder sable Exemplare im Typ eines frühen Collies.

Meine Theorie ist, dass die früher so häufigen Tricolor-Colleys in die Genpools der anderen britischen Hütehunderassen integriert, dabei aber aus dem Genpool der im Entstehen begriffenen Border Collies entfernt wurden. Diejenigen, die Border Collies züchten wollten, arbeiteten scheinbar auf eine leise Arbeitsweise mit ausreichend aber nicht überrmäßig Eye hin.Möglicherweise galten die kurzhaarigen Colleys im Queen Victoria-Colley-Typ aber auch einfach nicht als attraktiv genug für ein romantisches, schwärmerisches Gemälde einer Stimmung aus den Highlands. Jedenfalls wirken die meisten historischen Gemälde als seien die meisten Hütehunde direkte Vorfahren der heutigen Rough Collies.

Es war jedenfalls eine spannende Zeit, in der Hundezüchter noch wahre Pioniere sein und Rassen für sich definieren konnten. Das, was der Border-Collie werden sollte,  wurde bei der Selektion auf schleichende, feinfühlige Hunde mit Abstand zu den Schafen und „Eye“ mehr oder weniger unabsichtlich auch auf schwarz-weiße Farbe selektiert und dabei bestimmt auch kräftig liniengezogen.

Historisch gesehen ist es auffällig, dass die ersten ISDS-registrierten Border Collies viele Jahrzehnte lang zu einem großen Teil schwarz-weiß und langhaarig waren.

Der Trend zu Schwarz-Weiß und Langhaar hielt sich ziemlich lang, eigentlich bis in die 70-er Jahre, als man begann, den Border Collie auch für  den Showring zu entdecken. Es gab hauptsächlich schwarz-weiße langhaarige Exemplare, nebst einem gewissen Anteil von dreifarbigen. Unter den National Champions und Supreme Champions im Trialgeschehen bis 1993, wie sie in Barbara Carpenters Büchern „National Sheepdog Champions of Britain and Ireland“ und „The Blue Riband of the Heather“ abgebildet und beschrieben sind, gibt es nur etwa ein Viertel kurzhaariger Hunde und nur einen, der als brown-white-and-tan beschrieben wird und vermutlich sable-saddleback gezeichnet war. Vickey 15968, Welsh Champion 1963.

Während es ja einerseits zu Recht heißt, dass ein guter Hund keine Farbe hat, gibt es trotzdem ein paar alter „Schäferregeln“, die zwar nach Intuition und Erfahrung tradiert wurden, aber tatsächlich eine gewisse Berechtigung haben können. Wohlgemerkt: vom Aussehen eines einzelnen Hundes auf seine Leistung zu schließen, ist ein Projekt, das meistens scheitern wird. Aber als Kriterien in der Zucht haben diese Kriterien durchaus eine Berechtigung.

Auf den historischen Stichen und Gemälden sind die als Hütehunde abgebildeten Tiere oft noch black-and-tan,  also schwarz und braun oder tricolor, also schwarz, braun mit weißen Pfoten, Halskrause, Nase und Schwanzspitze.

Diese weißen „Ecken“ gelten heute als absolut rassetypisch und werden durch das „Irish Spotting“-Gen verursacht. Züchterisch ist man gut beraten, den Weißanteil nicht zu hoch werden zu lassen, wie es auch im Showstandard verlangt wird. Nicht nur wegen der Durchsetzungskraft gegenüber den Schafen, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen.

Während es ein paar hervorragende hauptsächlich weiße Hund gibt, die kein Problem damit haben, Schafe vor sich her zu schieben, gilt eine vorwiegend helle oder weiße Farbe als wenig hilfreich für einen Koppelgebrauchshund. Ich habe selber erlebt, wie sich eine Schafherde einen ihr völlig fremden (und eigentlich zum Wildern neigenden) Samojeden als neues Leittier auserwählt haben und dem armen Hund, der von dieser ungeplanten Aufmerksamkeit schon ganz aufgelöst war, überall hin folgen wollten.

Ebenso gibt es eine alte Schäferweisheit, nach der man sich bei der Suche nach einem besonders guten Hütehund den Welpen mit dem dunkelsten Gaumen aussuchen soll. Das wären dann die besten Hunde im Wurf.

Natürlich sollte man tatsächlich auf gute Pigmentierung der Lippen und des Nasenspiegels achten. Ich denke, hier handelt es sich um eine gewisse intuitiv erfahrene Sicherheitsmaßnahme, denn wenn die Pigmentierung gut genug für einen durchgehend dunklen Gaumen ist, dürfte man relativ sicher

sein vor einer genetisch verursachten Taubheit/Blindheit durch zu viel Pigmentverlust sein, die für die Arbeistverwendung des Hundes natürlich verheerend wäre.

Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken durch zu viel Weißanteil, hat die alte Schäferregel, nach der ein guter Border Collie nicht zuviel Weiß und nicht zu viel Schwarz haben soll Ieine Schwarz-zu-Weiß-Ration von 3/4 zu 1/4 oder 2/3 zu 1/3 wird als optimal betrachtet), auch einen Einfluss auf die Sichtbarkeit des Hundes auf Distanz.

Ich kann aus der Trailerfahrung auch berichten, dass die Zeichnung eines typischen Border Collies mit weißer Schnauze, Blesse und Halskrause, sowie weißer Schwanzspitze uns möglichst dunklem Fell, tatsächlich eine optimale Sichtbarkeit bei jedem Wetter und auf möglichst weite Distanzen bedeutet.

Black/Tan und Weiß, also schwarz-tricolor ist natürlich genauso gut sichtbar wie schwarz, wenn die gleichen weißen Abzeichen vorhanden sind.

Hunde, deren weiße Abzeichen ganz durchgemottlet sind, sind wiederum schlechter zu erkennen als solche mit klaren Abzeichen.

In der Dämmerung oder bei Nebel sind einfärbig chocolate gefärbte zB. Hunde quasi unsichtbar. Schwarze Hunde verschwinden bei Nacht. Weiße bei Schnee und im Nebel.

Border Collies in der Farbe Sable kommen noch immer am häufigsten in Wales vor. Nicht umsonst hat Wales auch eine eigene Rasse, die allerdings nicht von der FCI anerkannt ist, den Welsh Sheepdog, der einem sable oder saddleback sable Border Collie sehr ähnlich sieht.

Abgesehen von der Fellfarbe hat auch die Arte der weißen Markierungen eine Bedeutung. Hat man seinen Hund um Schafe in einer Entfernung von über 400 Metern geschickt und möchte möglichst schnell erkennen, ob er eine Rechts- oder Links-Bewegung macht, ist es wirklich eine große optische Hilfe, wenn er eine weiße Nase und eine weiße Halskrause hat!

Ich habe selber einen Hund mit schwarzem Gesicht und ohne Halskrause geführt, und weiß, dass ich hier nicht beurteilen konnte, in welche Richtung er auf große Distanzen losstartete. Den für weitere Hilfen meinerseits wichtigen Beginn seiner Bewegung konnte ich nicht so früh lesen wie bei meinen Hunden mit klassischer Zeichnung, bei denen man sieht, wie sich in dem winzigen schwarzen Fleck der noch winzigere helle Fleck nach links oder rechts verschiebt. Sieht man das rechtzeitig, kann man noch reagieren und helfen. Wenn man die Bewegungsrichtung erst sieht, wenn der Hund ein paar Meter gelaufen ist, hat man möglicherweise schon einen Linienfehler riskiert.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass ein Hund mit dunklem Gesicht nicht gut arbeiten kann. Aber für den Handler ist es angenehm, wenn er die Bewegungen des Hundes auch auf Distanz so gut wie möglich erkennen kann.

Um im Reich der Schäferlegenden zu bleiben, gelten ganz schwarze Hunde, besonders solche mit Stehohren, auch gerne als besonders wild und unbändig.

Obwohl das bestimmt nicht auf jeden individuellen Hund zutrifft, fallen einem dazu natürlich die Fuchs-Zucht-Experimente von Beljaew ein, bei der auf Zahmheit selektierte Pelz-Silberfüchse innerhalb weniger Generationen weiße Flecken, Kipp-Ohren und Ringelschwänze zeigten.

Schäferlegenden sind natürlich genau das: Legenden. Im Einzelfall muss natürlich ein anders als ganz klassisch gezeichneter und gefärbter Border Collie keine schlechtere Wahl sein als ein klassisch gezeichneter. Trotzdem ist es für mich kein Wunder, dass es bei dieser Rasse genau diese Farbverteilung durchgesetzt hat. Sie hat sich historisch einfach bewährt.

Das unbeabsichtigte Zurückkehren von Farben und Haar-Schlägen

Dieses Bild zeigt den berühmten Wiston Cap, Supreme Champion 1965, einen ganz klassisch gezeichneten Border Collie, den die ISDS in ihr Logo aufgenommen hat. Quasi in jedem aktuellen Arbeits-Border-Collie-Pedigree kommt er (meist sogar mehrfach) vor. Teun van den Deul, ein holländischer Border-Collie-Stammbaum-Spezialist, konnte vor 10 Jahren noch genau eine ISDS-Linie ohne Wiston-Cap isolieren. Da man diese Linie aber nicht immer nur mit sich selber kreuzen konnte, gibt es heute bestimmt keine Linie ohne Wiston Cap mehr. So ist das in der Rassehundezucht. Früher oder später sind bei geschlossenen Zuchtbüchern alle Hunde mehr oder weniger miteinander verwandt. Zwar fixiert das erwünschte Eigenschaften, in diesem Fall hervorragende Arbeits-Leistung, aber es kann natürlich auch zu Problemen kommen.

Es heißt, Wiston Cap und seine Dominanz in den Pedigrees der Rasse ist verantwortlich dafür, dass zuerst die Farbe Tricolor ab dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts immer mehr auftrat und auch dafür , dass in den letzten Jahren, also ab Anfang des 21. Jahrhunderts immer mehr Chocolate in den Border Collie Würfen vorkommt. Und das obwohl die Züchter von Arbeits-Border Collies keine Fans der Farbe Chocolate sind und sie sicher nicht absichtlich produzieren wollten. Wiston Cap war scheinbar ein Träger dieser Farben, zu einer Zeit als die meisten der Hündinnen, auf die er traf, es nicht waren. Es dauerte 60 Jahre, bis es letztendlich zu einer unbeabsichtigten Anhäufung des rezessiven Braun-Gens b im Zuchtpool kam, die dazu führte, dass schliesslich immer mehr heimliche Braun-Träger miteinander verpaart wurden und es jetzt merkbar mehr braune Arbeits- Collies gibt als je zuvor.Einen chocolate(-tan) Supreme-Champion gab es erst 2004, Toddy

Lamb’s Craig:

Seit 2010 fallen sogar blaue Welpen aus reinen Arbeitslinien, obwohl die Züchter die blaue Farbe sicher nicht hervorzüchten wollten.

Momentan gibt es einen stark erkennbaren Trend zum Kurzhaarschlag. Ab dem Jahr 1996 sind plötzlich mehr als die Hälfte der Supreme-Champions kurzhaarig. Nachdem es sich bei kurzem Haar um ein dominantes Gen handelt, wird dieser Trend vermutlich noch weitergehen. Hier ein Bild vom Supreme Champion 2009: Dewi Tweed, ein unverwechselbares Exemplar der Rasse:

(World Champion 2011: Becca)

Während die FCI beim Border Collie nur die Fell-Schläge Langhaar und Kurzhaar unterscheidet, können bei den Border Collies aus Arbeitslinien tatsächlich ausser den Rough Coated Exemplaren mit dichtem Langhaar und den Kurzhaarigen (Smooth Coated) mit glattem kurzem Haar auch zwei verschiedene Arten von mittellangem Fell vor, die bei der ISDS unter Medium zusammengefasst werden.

Stockhaarige Hunde haben kurzes hartes Fell mit einer kräftigen Unterwolle, die sehr gut gegen Wettereinflüsse schützt.

Der andere Schlag von medium coated sind Hunde mit Unterwolle und weichem Überhaar und Befederung an den Beinen und am Schwanz. Manchmal haben diese Hunde aber weniger „an“ als ihre stockhaarigen Kollegen. Für den Show-Standard hätten sie jedenfalls „zu wenig“ Fell.

Die mittleren Haar-Schläge sind aber für einen praktischen Arbeitshund in unseren Breiten, der im Sommer nicht schwitzen und im Winter nicht zu sehr frieren soll, sicher die praktischesten.

Interessanterweise erleben wir gerade die Rückkehr eines weiteren Schlages von Haarkleid. Die ISDS registriert in den letzten Jahren auch vermehrt Border Collies im Schlag „bearded“.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die europäischen FCI-Zuchtvereine Stellung zu ihrem ersten bearded Border Collie nehmen müssen.

Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sich die genetischen Komponenten, aus denen der Border Collie ursprünglich zusammengesetzt wurde, heute wieder ohne willentliche Absicht der Züchter oder Welpenkäufer in die ursprünglichen Schläge aufzuspalten scheinen. Es ist ein Glück, dass der Border Collie Standard noch eine sehr große Bandbreite an erlaubtem Aussehen von der Farbe, dem Fell, bis zur Haltung der Ohren erlaubt.

Trials boomen jedenfalls nach wie vor. Nach Großbritannien ist ein regelrechter sommerlicher Trialtourismus entstanden. Zur Hauptsaison der Open Trials sind viele der Europäer, die es mit dem Trialsport ernst meinen, wochenlang in Wales, Irland, Schottland oder England, um möglichst viel Trialerfahrung zu sammeln. Die ISDS hat seit ihrem Bestehen immerhin etwa 400 000 Border Collies registriert und eine so hohe Trialdichte wie in Großbritannien gibt es sonst nirgends auf der Welt.

Zum Continental, der Europameisterschaft der Hütehunde, drängen immer mehr zusätzliche europäische Länder hinzu. Seit 2016 neu dabei ist Polen. Ungarn und Spanien werden 2017 hinzukommen.

Zum World Trial reisen Teams aus Südafrika, Nord- und Südamerika und Neuseeland unter enormem Auwand an.

Nach wie vor muss man sagen, dass Sheepdog Trials, trotz ihres sportlichen Wettbewerbsgedanken ein hervorragendes Mittel zur Erhaltung der außergewöhnlichen Arbeitseigenschaften der Arbeits-Border-Collies darstellen.

Die Elemente, aus denen ein Trial besteht, sind so gewählt, dass ein Hund, der in Trials gut ist, auf alle Fälle auch ein ausgesprochen nützlicher Arbeitshund im praktischen Betrieb sein wird.

Durch den Einsatz von Koppelgebrauchshunden wird die relativ kostengünstige Bewirtschaftung von großflächigen und unzugänglichen Landstrichen ermöglicht. In unseren Breiten macht der Einsatz von Border Collies auf Almen und beim Viehauftriab und -Umtrieb, sowie in der extensiven Haltung von gefährdeten Schafrassen  am meisten praktischen Sinn.

Es lohnt sich aber auch unbedingt, auch andere Zuchthunde dieser Rasse fundiert für die Arbeit am Schaf auszubilden, allein zur Erhaltung der Arbeitseigenschaften dieser einzigartigen Hunde und zur Pflege des wunderbaren Kulturguts der Arbeit mit Hütehunden.

(mein Rüde Flyte: innige Verbundenheit nach einem Triallauf auf einem großen Feld)

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