Neues über Epilepsie: In Memoriam Lightspeed Lotus Leaf und Lightspeed Seabiscuit

Schwedische Studie (Nilsson und Karlsson, 2014) zum Thema Epilepsie-Vererbung beim Border Collie
Ein schwedisches Team aus Peter Nilsson, Södra Ljunghuset, Lärkesholm und Lena Karlsson, Björkeryd, Urshult hat sich in einem aufwändigen Freizeitprojekt 2014 die Mühe gemacht, alle bekanntgewordenen Epilepsievorfälle bei schwedischen Border Collies in einem ausladenden Übersichts-Stammbaum zu kartographieren. Daraus gewannen sie interessante Einsichten, die sie zwar noch keineswegs als der Weisheit letzten Schluss verkaufen möchten, die aber so interessant als Arbeitsgrundlage für Züchter sind, dass diese Studie unbedingt mitgeteilt werden muss.
Die Beteiligten an der Studie sind keine Genetiker, sondern Border Collie-Enthusiasten  mit einem langjährigen Interesse für diese Rasse, deren Pedigrees und die praktische Arbeit mit Hütehunden.
Peter Nilson ist Zivilingenieur und brachte so das notwendige Wissen über statistische Datenverarbeitung mit, das notwendig war, um das umfassende Material aufzubereiten.
Die Arbeit basierte auf dem Eindruck des Teams, dass die Auftretenshäufigkeit von Epilepsie beim Border Collie 2014 scheinbar angestiegen war. Daraus ergaben sich Diskussionen zur möglichen Vererbung, die das Team zu Erfassung aller bekannter Daten in einer privaten Studie veranlasste.
Aus den Pedigrees der auf verschiedenen einschlägigen Seiten als epileptisch gemeldeten Border Collies setzte das Team einen riesigen, komplex verzweigten Stammbaum zusammen und folgte mit einer Serie von Schlüssen, die sie durch ihre Arbeit ausreichend fundiert finden.
So sieht der Stammbaum aus: http://ljunghuset.se/Vallhundar/Epilepsi/PedigreeEP.pdf
Die Autoren stellen Rüden mit Quadraten und Hündinnen mit Kreisen dar. Die Farbkodierung bedeutet: Rot: von Epilepsie betroffener Hund, Rosa: Eltern von betroffenen Hunden, Orange Grosseltern von betroffenen Hunden, Hellrosa: Geschwister von betroffenen Hunden, Hellgelb: Geschwister von Hunden, die Epilepsie gebracht haben, Rosa: „Träger“, also Eltern eines oder mehrerer Hunde mit Epilepsie, Grün: sogenannte „Urvererber“ also Hunde, auf die in Pedigrees auffällig oft zu finden sind und deshalb als ursprüngliche Vererber angesehen werden können.
Die Schweden nennen eine aktuelle Zahl von 64 bisher öffentlich bekannt gewordenen von Epilepsie betroffenen Hunde in ihrem Land. Wenn man sich das erstellte Pedigree ansieht, sieht man sofort, dass es sich hier keineswegs um ein isoliert schwedisches Problem handeln kann, da die Hunde, die darin vorkommen, in vielen Fällen nicht mehr aus den Pedigrees wegzudenkende Key-Dogs der Arbeits-Border-Collies sind.
Das Team geht durch das Aussehen des zusammengefassten Pedigrees davon aus, dass sich Epilepsie scheinbar autosomal rezessiv vererbt. Seine interessanten persönlichen Schlüsse möchten sie gerne teilen, allerdings auch bescheiden darauf hinweisen, dass es sich trotz profundem Wissen über die Rasse und die Pedigrees in ihrem Land nicht um ein Team von Fachleuten für Genetik handelt, sondern um Privatpersonen mit einem persönlichen Interesse an der Sache.
Studienmaterial und Schlussthesen:
Für die Studie wurden Stammbäume von allen im SVAK-Register (das schwedische Zuchtbuch) als epileptisch gemeldeten Hunden zusammengeführt und datenbehandelt.
Zusätzliche Information kam hinzu durch internationale öffentliche Epilepsielisten sowie allgemein bekannte Fälle und einzelne persönlich bekannte Fälle, die nicht auf der Liste des Svenka Vallhundklubben zu finden waren.
In den verzweigten Epilepsiestammbaum, den sie publizieren, wurden aber nur offiziell gemeldete Hunde integriert. Scheinbare „Urvererber“, die teilweise schon dem Hörensagen nach bekannt waren, stehen in Grün am Anfang des Epilepsiestammbaums.
Das schwedische Team beruft sich auch auf eine Deutsche Studie von der Tierklinik der Ludwig-Maximilian-Universität in München, die drei Familiengruppen von epilepsiebefallenen Border Collies in der folgenden Studie kartographiert hat:  „Clinical Manifestation, Outcome, and Mode of Inheritance“, die im Journal of Veterinary Internal Medicine 2010:24, 171-178) veröffentlicht wurde.
Epilepsie beim Hund ist ein kompliziertes Thema, bei dem man bisher keine definitiven Ursachen oder Erbgänge identifizieren konnte. Die polygenetische Vererbungstheorie war bisher eher die vorherrschende.
Der einzig zulässige Schluss daraus war, dass man natürlich keine erkrankten Hunde in der Zucht verwenden soll, es aber ansonsten wegen des komplexen Erbganges nahezu unmöglich ist, Epilepsie züchterisch zu vermeiden.
In der schwedischen Studie kommt das Team zu dem Schluss, der sich auf englisch so liest:
”Pedigree analyses indicated a strong genetic founder effect in the appearance of
epilepsy, resembling autosomal recessive inheritance.”
Auf Deutsch: Die Stammbaumanalyse liess auf einen starken Vererbereffekt beim Auftreten von Epilepsie schliessen, der dem autosomal rezessiven Erbgang ähnelt.
 Die Schweden stellen hiermit die Hypothese auf, dass beide Eltern eines Hundes mit ideopathischer Epilepsie (die also nicht etwa durch einen Unfall erworben oder symptomatisch bei einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung ist)  Träger von notwendigen krankheitsauslösenden Anlagen sein müssen..
In der Folge werden Hunde mit direkten Epilepsienachkommen im schwedischen Dokument „Träger“ genannt.
Bei der Betrachtung der Baumstruktur, die sich aus den Pedigreezusammenführungen ergeben hat, kam das Team zu dem Schluss, dass sie das typische Aussehen für eine autosomal rezessive Vererbung aufweist. Es häufen sich also die befallene (roten) Individuen, je weiter der Stammbaum nach unten fortschreitet.
Zusätzlich fiel den Autoren auf, dass sich in so gut wie allen Stammbäumen von befallenen Hunden hinter Mutter und Vater jeweils bereits anekdotisch bekannte „Epilepsievererber“ identifizieren liessen. Die Anlage dünnte sich auch nicht etwa aus und war irgendwann verschwunden, sondern es erschien so als würde ein bekannter Träger früher oder später wieder einen Träger produzieren, der wiederum auf einen anderen Träger stiess und dann einen Fall von Epilepsie hervorbrachte. Man kann beobachten, dass das Vorkommen von Epilepsie in der Population oft durch „Rösslsprünge“ fortschreitet. Diese Sprünge lassen sich durch Träger, die, solange sie auf genetisch freie Zuchtpartner stossen, keine Nachkommen mit Epilepsie produzieren, plausibel machen.
Die „Verdünnungstheorie“, nach der man sich aus der Epilepsie „herauszüchten“ könne, hält das Team für unwahrscheinlich, ebenso auch die Theorie der komplexen polygenetischen Vererbungen, bei der durch Zufall und Unglück manchmal und unausweichlich Epilepsie entsteht, die allgemeine Auftretens-Häufigkeit aber nicht ansteigt.
Die Autoren meinen, dass Epilepsie momentan häufiger wird, und zwar deshalb, weil sie durch eine von jedem der beiden Elterntieren ererbte Anlage weitergegeben wird. Vermutlich sind diese Anlagen aber polygenetisch, sonst hätte man den Erbgang wohl schon entschlüsseln können, wie es bei anderen autosomal rezessiv vererbten Krankheiten schon der Fall war.
Die Autoren empfehlen eine eingehende Stammbaumanalyse vor einer geplanten Verpaarung, um risikoreiche Verpaarungen möglichst zu vermeiden und auch, um zu vermeiden, dass die Träger-Quote weiter ansteigt als sie jetzt schon anzunehmen ist.
Das autosomal rezessive Vererbungs-Schema sieht so aus (Elternstatus oben und links, Wahrscheinlichkeit von Krankheit bzw. Trägerstatus der Nachkommen in der Mitte):
                   Gesund                                 Träger                                                  Krank
Gesund       alle Nachkommen gesund        50%gesund, 50 % Träger                       alle Träger
Träger         50 % gesund, 50 % Träger       25%krank, 50 % Träger, 25 % gesund    50 %Träger, 50 % krank
Krank          alle Nachkommen Träger         50 Prozent Träger, 50 % krank               alle Nachkommen krank
Ausser dem scheinbar rezessiv aussehenden Vererbungsschema, das laut den schwedischen Autoren zum faktischen Auftreten von Epilepsie in der Population passt, scheinen aber auch andere komplexe Zusatz-Einwirkungen die Ausprägung der Krankheit zu beeinflussen.
Zum Beispiel fällt eine grosse Variabilität bei der Schwere der Anfälle, der Frequenz und der Dauer bei den verschiedenen betroffenen Individuen auf. Ebenso scheinen die betroffenen Hunde äusserst unterschiedlich auf die bekannten Medikamente reagieren. Manche sprechen gut darauf an, andere wieder gar nicht.
Die Autoren vergleichen das mit der Anlage zu CEA, deren Vererbung bekannt ist, die aber auch von geringgradiger bis schwerer Ausprägung, also von harmloser CRD bis zu schwerer Netzhautablösung variieren kann, obwohl sie von demselben Gen verursacht wird. Optigen erklärt das auf seiner HP: (http://www.optigen.com/opt9_test_cea_ch.html).
Es fällt auch auf, dass manchmal Würfe vorkommen, in denen mehr Wurfgeschwister als statistisch wahrscheinlich von Epilepsie betroffen sind. Die Autoren sehen hier einen Zusammenhang mit Linienzucht, durch die sich ihrer Meinung nach Epilepsie auslösende Faktoren verstärken könnten. In Schweden wurde, wie in anderen Ländern auch, verständlicherweise auf berühmte und erfolgreiche Linien stark liniengezüchtet.
Bis man erkennt, dass man eventuell auf einen Epilepsievererber liniengezüchtet hat, hat sich bei einem entsprechend erfolgreichen Hund das auslösende Genmaterial bereits weit in der Population verteilt.
Ein anderer denkbarer Grund für unverhältnismässig viele befallene Welpen in einem Wurf könnte sein, dass möglicherweise mit einem genetisch betroffenen Elternteil gezüchtet wurde, bei dem die Krankheit aber noch nicht ausgebrochen oder so gering ausgeprägt ist, dass sie vielleicht nicht bemerkt wurde, weil vielleicht nur ein partieller Anlfall (Krampf eines Körperteils, In-die-Luft-Starren, etc) vorgekommen ist oder der Hund Krämpfe hatte, während er unbeobachtet war, was bei leichteren Anfällen nach Meinung Autoren durchaus denkbar ist, da ja wenige Hunde rund um die Uhr vom Besitzer beobachtet werden können.
Risikobeurteilung:
Um die Risikobeurteilung bei der Zucht durch Zahlen zu erleichtern, fassen die Autoren die Risikowahrscheinlichkeit folgendermassen zusammen:
 Ein  Grosselternteil des Hundes ist Anlagenträger:  25 % Risiko, Anlagenträger zu sein
 Zwei Grosseltern des Hundes (auf verschiedenen Seiten) sind Anlagenträger:  6,25 Risiko % krank zu sein 37,5 % Risiko, Anlagenträger zu sein 56,25 % Chance, normal zu sein
 Zwei Grosseltern (auf der gleichen Seite, also nur Vater- bzw. nur Mutter-Seite) sind Anlagenträger: 50 % Risiko, Anlageträger zu sein, 50 % Chance, normal zu sein
 Ein Voll-Bruder oder eine Voll-Schwester hat Epilepsie: nur 25 % Chance, dass der Hund NICHT krank oder Träger ist.
Die Risikobeurteilung wird leider nicht dadurch erleichtert, dass die Krankheit zwar meist zwischen 1-3 Jahren auftritt, aber auch erst mit 3-5 Jahren zum ersten Mal auftreten kann.
Die Auftretenswahrscheinlichkeit von Epilepsie in Schweden ähnelt laut den Autoren der von CEA, bevor der Optigen-Test verfügbar wurde. Laut Optigen sind 20-23 % der Border Collies Anlageträger, eine Zahl, die sich jetzt durch die Gentests rasch verringern sollte.
Bei Epilepsie gehen die schwedischen Autoren deshalb von 15-20 % Anlageträgern aus. Durch die starke Verwendung von einigen berühmten Hunden in der frühen Zeit der Zucht wird es in der Zukunft schwer sein, ausreichend „sichere“ Partner zu finden. Dadurch, dass die Zucht aus naheliegenden Gründen auch immer eine gewisse Schieflage in Richtung erfolgreicher Linien zeigen dürfte, wird die Entscheidung zusätzlich erschwert, möglicherweise risikoärmeres aber vielleicht ansonsten weniger erfolgreiches Genmaterial züchterisch einzubringen.
Es ist möglich, aber nicht garantiert, dass der Import von nicht verwandten Linien eine Verbesserung bringen könnte.
Hier ein paar Regeln, zu denen die Autoren raten:
Keine Hunde in der Zucht verwenden, die bereits Epilepsienachkommen gebracht haben.
Nicht mit Vollgeschwistern von befallenen Hunden züchten.
Nicht mit Hunden züchten, deren beide Elternteile bereits in anderen Kombinationen befallene Hunde gebracht haben.
Die Missachtung dieser drei Punkte würde eine Erhöhung der statistischen Vorkommensrate von Epilepsie bedeuten.
Weiters: Nicht mit Hunden züchten, die unter zwei Jahre sind, in zweifelhaften Fällen nicht unter drei Jahren.
Eine Stammbaumanalyse vor der Verpaarung durchführen, um zu einer Risikobeurteilung zu kommen.
Grosse Vorsicht bei Linienzucht
Vorsicht bei Matadorzucht auf wenige berühmte Väter
Meldung von Epilepsiefällen an den Verband über das öffentlich Register.
(die Schwedische Seite ist http://www.svak.se/?page_id=214)
Die Ausbreitung:
In Schweden haben in den Anfängen der Zucht folgende Hunde einen grossen Impakt gehabt:
Import Queenie V1735/88 und ihr Sohn Tynnelsö Birk sowie die Tochter Tynnelsö Rut wurden zu hohem Grad in Linienzucht verwendet.
Es gibt auch einen erkennbaren Cluster von Hunden rund um J Wilsons Rob ISDS207718, den Vater von Fleet V1644/2000, der mehrere kranke Nachkommen hatte, sowie Supreme Champion Spot ISDS161819 (den Vater von Rob) der Nachkommen mit Epilepsie gebracht hat, die teilweise nicht in öffentlichen Listen zu finden sind.
Weiters die Hunde Kim V1273/93, Tim 1205/93 und Bute ISDS199965.
Ein Cluster entstand auch durch Linienzucht auf J Wilsons und R Hendersons Hunde. Der norwegische Bill N35564/91 wurde viel verwendet und taucht als Grossvater in etlichen Pedigrees von betroffenen Hunden wieder auf, zB. Oja V1157/2000, Tibb V1581/2007 und Svarthalls Timon V1171/97. Der letztere ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Anlagen durch hartnäckige Linienzucht fixieren können.  Timons Vater kommt von Bill N35564/91 und hat auf der anderen Seite J Wilsons Spot ISDS161819 und Hendersons Meg ISDS164315, die Vollschwester von  Bill N35564/91, also Linienzucht sozusagen im Quadrat.
Natürlich war diese Linienzucht sehr erfolgreich darin, den Typ zu fixieren, den man beim Arbeiten haben wollte. Es sieht aber so aus als wäre es gesundheitlich kein Vorteil gewesen.
Joe V1613/2004 war ein späterer Import, der noch lange grossen Impakt haben wird, da viele Kinder von ihm in der Zucht sind. Er geht auf Highgate Ben ISDS174224 und seinen Vater Supreme Champion Davy ISDS131049 zurück, die beide in ihrem Heimatland Epilepsienachkommen gebracht haben.
Auch relativ neu sind Joe ISDS272330 und Taddymoor Joe V1775/2008, derne Nachkommen jetzt in der Zucht sind. Man wird erst sehen, wie sich ihr Einfluss auf die Vorkommenshäufigkeit von Epilepsie auswirken wird. Bei den Stammbaumforschungen hat sich gezeigt, dass man den Effekt oft erst nach mehreren Generationen richtig manifest sehen kann.
Anlagenträger mit bekannten Epilepsie-Nachkommen, die viele Nachkommen in Schweden haben:
Fleet V1644/2000 – 213 Nachkommen
Taddymoor Joe V1775/2008 – 127 Nachkommen
Joe ISDS272330 – 129 Nachkommen
Eryri Roi V1256/2005 – 123 Nachkommen
Joe V1613/2004 – 104 Nachkommen
Tynnelsö Birk V1489/90 – 98 Nachkommen
Rob V1223/2004 – 83 Nachkommen
Glen V1608/2001 – 76 Nachkommen
Rob V1188/2004 – 71 Nachkommen
Ausländische Träger, die auf ausländischen Listen und Databases genannt sind und in Border Collie Pedigrees üblich sind:
Spot ISDS272008 (K Evans)
Craig ISDS232836
Ben ISDS220939 (D Scrimgeour)
Highgate Ben ISDS174224 (P M Hallam)
Davy ISDS131049 (S B Price)
Roy NHSBG02175083, ISDS232153 (S vd Zweep)
Bob ISDS224454 (A Owen)
Links zu solchen Databases:
http://halton59hill49.wix.com/pbhf#!fitting/c158i
http://en-epilepsybc.weebly.com/database.html
http://www.bordercolliepilessia.com/database.php,
Anmerkungen zu meiner deutschen Zusammenfassung der schwedischen Studie:
Beim Studieren der verschiedenen Epilepsie-Databases ist vermutlich auch schon anderen die Idee gekommen, dass man alle genannten Pedigrees zusammenfassen und daraus interessante Schlüsse gewinnen können sollte. Dass sich die schwedischen Autoren tatsächlich die Mühe und Arbeit gemacht haben, das zu tun, ist wirklich sehr lobenswert und kommt bestimmt der Rasse sehr zugute. Im Vergleich zu anderen Artikeln über dasselbe Thema fällt in den Schlüssen des Teams auch auf, dass hier nicht versucht wird zu beschwichtigen und einem unabwendbaren genetischen Roulette die Schuld zu geben. Die Schlüsse stehen mit einer geradezu kalten und schonungslosen Ehrlichkeit da, die einen als Züchter einmal schlucken lässt. Dass man als Züchter nicht jede Eventualität vermeiden kann ohne die Zucht einstellen zu müssen, ist natürlich ein Fakt. Trotzdem hilft es aber, wenn man einer Gefahr bewusst ins Auge sehen kann und nicht mit Scheuklappen durch die Welt läuft.
Allein die ehrliche, wenn auch traurige Liste von berühmten Rüden, die scheinbar Epilepsievererber sind, ist in dieser Studie Gold wert, da man ja sonst solche Informationen eher hinter vorgehaltener Hand bekommt, mit der Auflage, es ja nicht weiterzusagen, da man ansonsten von irgendjemandem wegen übler Nachrede und Verleumdung verklagt werden könnte.
Auf die Schwierigkeit, die vermutlich vererbte ideopathische Epilepsie von einem anders erworbenen Anfallsgeschehen auseinanderzuhalten, soll hier gar nicht eingangen werden. Aber ich weiss leider selber, wie schwierig es ist, sich einzugestehen, dass ein von einem selbst mit viel Liebe und Hoffnung gezüchteter Hund tatsächlich Epilepsie haben könnte. Es fühlt sich angenehmer an und ist oft auch plausibel, andere als genetische Gründe für die Erkrankung anzunehmen und sie sozusagen für sich zu adoptieren.
Für viele Krankheiten haben wir zum Glück schon Gentests. Hoffentlich auch bald für die für den Hundebesitzer so furchtbare und belastende Epilepsie! Solange wir aber noch keinen Gentest haben, hilft nur Kommunikation unter den Züchtern, ehrlicher Informationsaustausch und Risikoabwägung bei einer Verpaarung.
 Persönlich fände ich es ein wünschenswertes Zwischenziel, wenn man innerhalb der Border Collie-Community einzelne Hunde herausfiltern könnte, die „ziemlich sicher frei“ von den ja noch immer nicht bekannten epilepsieauslösenden Genen sind, da sie schon viele Nachkommen aber noch keine Fälle von Epilepsie produziert haben. Vielleicht wäre es möglich, von den Rüden, die jeweils in einem Jahrgang am meisten Welpen produziert haben, Informationen zu sammeln, um hoffentlich ein paar „vermutlich freie“ Individuen lokalisieren zu können. So schlimm es scheint, so viele der beliebtesten Schlüsselhunde als Träger von Epilepsie annehmen zu müssen, so weist die Annahme einer autosomal rezessiven Vererbung doch einen möglicherweise gangbaren Weg aus dem Problem, falls es gelingt, „vermutlich genetisch freie“ Individuen zu kennzeichnen. Wenn die Hypothese der Schweden stimmt, sollte sich herausstellen, dass manche Rüden nie Epilepsie „produzieren“, auch wenn sie sehr viele Nachkommen haben. Solche Rüden könnten sogar von bekannten Vererbern abstammen, da ja auch ein Träger nach dem propagierten Modell genetisch freie Nachzucht bringen kann. „Genetisch freie“ Vererber zu lokalisieren wäre natürlich für die Einschränkung der Ausbreitung von Epilepsie ein grosser Vorteil.

DSC09464 DSC09697

Lightspeed Lotus Leaf, 18. 12. 2012- 08.10. 2014

Im Lightspeed Zwinger ist Epilepsie bisher zweimal aufgetreten. Die Zucht mit der Mutter von Lightspeed Seabiscuit einzustellen, war in Anbetracht der anderen gesundheitlichen Probleme im B-Wurf keine schwere Entscheidung. Das Auftreten der Krankheit in unserem L-Wurf war ein grosser Schock, da wir grosse Stücke auf die Verpaarung, die Eltern und die L’s hielten. Wir sind stolz auf unsere Pedigrees und haben auch in diesem Wurf viele der Who-is-Whos der Border Collie Welt zusammengeführt. Scheinbar kamen dadurch zu viele Vererber zusammen, die in der Kombination wieder diese furchtbare Krankheit auslösten. Bis jetzt ist vom Vater der Welpen, Eryri Jaff noch von keiner anderen Nachzucht mit Epilepsie bekannt. Da er sehr prominent ist und dieses Jahr Siebenter im Weltmeisterschaftsfinale wurde, ist er weiterhin sehr aktiv in der Zucht. Mit der Zucht mit der Mutter L’s, Guin, setzen wir momentan aus. Vielleicht gibt es bis nächstes Jahr mehr Informationen. Vielleicht kann man bis dann meine Vision von der Lokalisierung „vermutlich freien“ Vererbern verwirklichen. Auf manche Dinge gibt die Zeit Antworten.

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