Selbsthilfe gegen Hundevergifter: wir trainieren, kein Futter vom Boden aufzunehmen!

Leider kommt es ja in der letzten Zeit zu einer auffälligen Häufung von Hunde-Vergiftungen, da es bei den Hundehassern scheinbar modisch geworden ist, Giftköder oder Nagelfrolic oder ähnliches auf bekannten Hunde-Spazierrouten auszulegen. Oft können die Hunde, die diese Köder aufnehmen trotz sofortiger medizinischer Versorgung nicht mehr gerettet werden. So ist es am 17.ten Jänner 2012 auch der kleinen Fay, einer zweieinhalbjährigen Tochter von Lightspeed Aragorn ergangen. Die armen Besitzer! Wenn ich mir deren Trauer über den so sinnlosen Verlust ihrer lieben, glücklichen, vergnügten jungen Hündin, wird mir ganz schlecht vor Elend!

Wir Lightspeeds sind natürlich fassungslos, dass es Leute geben kann, die kaltblütig in Kauf nehmen, liebe freundliche Hundemädchen wie Fay ins Jenseits zu befördern, nur weil sie sich vielleicht über einen nicht weggeräumten Haufen geärgert haben oder sich vor dem Rottweiler um die Ecke fürchten!

Hunde vergiften ist in deren Augen scheinbar nicht mehr als ein Kavaliersdelikt, so ähnlich wie Ratten oder Tauben oder anderes Ungeziefer auszurotten. Da diese Leute wohl kaum alle gefasst oder gestoppt werden können, haben wir beschlossen, dass in diesem Fall nur die Selbsthilfe hilft. Das heisst also, dass wir unsere Hunde trainieren müssen, einfach nichts zu fressen, das sie am Boden finden!!

Natürlich ist so etwas nicht in einer Einheit fertig trainiert. Da muss man schon ein paar Monate immer wieder daran üben, und auch später immer ein wachsames Auge und eine schnelle Reaktion haben.

Aber man kann das trainieren und ist dann den wahnsinnigen Köderauslegern nicht mehr hilflos ausgeliefert!!

Zum ersten Giftköder-Selbsthilfe-Nachmittag sind zwei der kleinen J’s. Juniper und Jeremy (drei flauschige Monate alt) und die 10 Monate junge Lightspeed Ivory, sowie deren Hundefreunde gekommen.

Für die kleinen J’s mit drei Monaten war das sowieso perfektes Welpentraining. Je früher man mit diesen Übungen anfängt, desto besser sitzen sie dann auch später!

Hier die Kleinen bei der Begrüssung! Ja, sie konnten sich noch sehr gut aneinander erinnern, auch wenn der winzig geborene Jeremy mit 7,5 kg  inzwischen der Grösste des Wurfs ist!!

Trainingsziel 1:

Wir gehen auf der Strasse, der Hund findet etwas, wir sehen, dass er sich darauf stürzen will, und wir können ihn mit einem Verbalkommando (zB. „Lass das“) davon abbringen!

Als Schritt 1 in unserem 4-stufigen Training erklärten wir unseren Hunden und Welpen anhand von Wurst am Boden und Wurst in der Hand in allernächster Nähe das Wort „Lass es“, auf das hin der Hund seine Aufmerksamkeit vom Futter am Boden zum Hundeführer umlenken soll. Wenn er das schafft, bekommt er natürlich etwas Gutes dafür.

Teil 2 war die „Strasse der Verlockungen“. Das hier ist die Welpenfutterstrasse. In der Mitte hatten wir leckere Futterverlockungen ausgelegt (wir haben alle unsere Kühlschränke geplündert), an denen es vorbeizumanövrieren galt! Kleiner Tip: wenn die Verlockungen ziemlich grosse Brocken sind, kann man im Notfall (wenn der Welpe doch einmal schneller reagieren sollte als man selbst) noch beherzt in den Welpenrachen greifen und sie wieder herausziehen!! Wenn die Brocken zu klein sind, werden vielleicht einige blitzschnell inhaliert und wir trainieren unsere Hunde zum noch schnelleren Futter-Aufsaugen!!!

Mit den Welpen war der Gang entlang der Strasse der Verlockungen natürlich ein ständiges Stop-and-Go, weil natürlich an den tollen Fundstücken nicht sooo einfach vorbeizugehen ist! Aber wenn die Kleinen es geschafft haben, ihre Aufmerksamkeit von Schinken, Knödel und Kuchen wegzureissen, bekamen sie natürlich von ihren Besitzern viel Lob und eine leckere Bestätigung!!

Die „Grossen“, Ivy und Somi konnten schon relativ zügig an den duftenden Versuchungen vorbeigehen. Ivy am Schluss sogar frei bei Fuss ohne Leine! Ganz brav, die Kleine!!! Und ausserdem eine tolle vorbereitende Konzentrations-Übung für kommende Unterordnungs-Prüfungen!!!

 

Trainingsziel 2:

Der Hund findet etwas, und weil er weiss, dass es sich nicht lohnt, Dinge  vom Boden zu fressen, wendet er sich von selber an den Hundeführer, um sich Bestätigung zu holen.

Für den Schritt 3 war toll riechendes Futter in kleinen Tupperware-Döschen in der Wiese versteckt, allerdings ohne dass die Hundeführer wussten, wo. Unsere Hunde sind nämlich so tolle Gedankenleser, dass sie sofort spüren, wenn wir ihnen sozusagen eine Falle stellen, also wissen, wo das Futter liegt, und bereit sind, sofort zu reagieren, wenn sie es schnappen wollen. Wenn die Hunde wissen, dass wir gefasst sind, sind sie gleich unglaublich brav und bemühen sich sehr, uns nicht in die Falle zu gehen. Deshalb müssen wir auch üben, frei über die Wiese zu gehen und den Hund einen Fund machen zu lassen, von dem wir nicht vorher wussten!! Die Dose hilft ein bisschen, dass wir trotzdem noch rechtzeitig eingreifen können, bevor das Futter seinen Weg in unseren Hund genommen hat, wo es ja nicht hingehört!!! Trainieren wollten wir, dass der Hund einen eigenen Fund macht, sich aber an den Hundeführer wendet, um sich bestätigen zu lassen, statt den Fund einfach gleich hinunterzuschlingen!!! :)

Schritt 4:

das ausgelegte Futter wurde jetzt weniger schmackhaft gemacht. Dafür verwendeten wir scharfe asiatische Saucen und ähnliches. Ideal wäre natürlich, wenn auch in diesem Trainingsschritt kein Fehler passiert, denn natürlich ist es auch nicht ideal, wenn unsere Hunde zu viel scharfe Sauce hinunterschlingen. Aber nach den Aufbautrainingsschritten 1 bis 3 hat der Hund ja die Möglichkeit gehabt, zu lernen, dass er sich erlaubtes leckeres Futter immer von seinem Hundeführer durch Kontaktaufnahme holen kann. Wenn er jetzt ein ausgelegtes Futterstück kosten sollte, verknüpft er hoffentlich, dass es sich nicht einmal lohnt, die Fundstücke zu essen, weil sie gar nicht so gut sind wie sie aussehen.

Achtung: Bitte nicht gleich bei Schritt 4 einsteigen und die Schocktherapie versuchen!!! Manche Hunde wissen nicht, was gut für sie ist und verschlingen auch hemmungslos eine ganze Flasche Tabascosause auf einmal. Das ist natürlich gar nicht im Sinn dieses Trainings. Diesem Typ Hund, der rücksichtslos auf das eigene Wohlergehen alles hinunterschlingen muss, was er findet, lernt auch nicht aus seinen eigenen schlechten Erfahrungen, zB. einem verdorbenen Magen. Wenn wir so einem Hund einfach ein All-You-Can-Eat-Buffet an scharfen Ködern auslegen, haben wir nachher die Tierarztrechnung, aber der Hund wird das nächste gefundene Futter wieder hinunterschlingen. Wie immer gibt es leider keine Shortcuts im Training. Im Training geht es um Feinabstimmung, nicht um Schockeffekte! Wir müssen lernen, unseren Hund zu lesen, zu erkennen, wenn er etwas entdeckt hat, das er haben möchte, und rechtzeitig mit einem vorher trainierten Abbruchkommando parat zu sein! Je mehr wir vorher trainiert haben, dass er nichts vom Boden fressen soll, und dass er es wieder hergeben muss, wenn wir es ihm wegnehmen wollen, desto leichter wird es im Erstfall auch sein, ihn am Verschlucken von gefährlichen Ködern oder anderen schädlichen Fundstücken zu hindern!!

Das war unsere sonntägliche Trainingsgruppe. Die kleinen Übungen sollen jetzt zu Hause weitertrainiert werden, und wir treffen uns dann im Februar wieder, um zu sehen, wie das Training greift. Wenn sich noch jemand dem Training anschliessen möchte, sind weiter Welpen und Junghunde natürlich auch sehr gerne willkommen!! info@lightspeed-bordercollies.at

Und noch ein paar Fotos: oben die 10 Monate alte Lightspeed Ivory (Julie X Blackie), die schon eine hübsche junge Dame geworden ist und schon sehr talentiert an den Schafen arbeitet!!


Hier Guin und Flyte bei kleinen winterlichen Heelwork-Übungen!

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