Mutter-Vater-Kind??

Es waren einmal zwei Border Collies, die gingen auf dem Weg zum nächsten Border-Collie-Spass durch die Stadt. Da begegneten sie einem Menschenkind und seiner Mutter. Das Menschenkind sagte: Schau mal Mama, zwei gleiche Hunde! Sind das Zwillinge?

Es waren einmal drei Border Collies, die waren unterweg, das nächste Schaf zu finden. Da begegneten ihnen zwei erwachsene Menschen. Die sagten: Jöö, drei gleiche Hunde! Sind das Mutter, Vater und Kind?

Es waren einmal vier Border Collies, die jagten ihren Frisbee im Park. Da blieben die Leute stehen und fragten: Jööö, viiier gleiche Hunde! Sind die alle verwandt??

Es waren einmal fünf Border Collies, die spielten Verstecken im Unterholz. Da blieben die Leute in respektvoller Entfernung stehen und fragten: So viele gleiche Hunde!! Sind die alle Geschwister?

Wir sind mit unserer Zuchtfamilie von Border Collies viel unterwegs. Unsere Border Collies schauen für uns natürlich alle ganz unterschiedlich aus und gar nicht gleich. Aber ganz schön oft werden wir allen Ernstes gefragt, ob wir die vielen gleichen Hunde auseinanderhalten können!

Abgesehen davon ist es für mich immer wieder überaschend, dass kaum jemand, dem man begegnet, eine realistische Vorstellung davon zu haben scheint, wie die Struktur in Zuchtrudeln typischerweise ist und wie nicht.

Manche Hunde-Gruppenbilder triggern bei den Passanten offebar bilderbuchartige Stereotypen nach Marke der Pixie-Buch-„Bärenfamilie“.

Zwei Hunde, die einigermassen ähnlich aussehen, sind demnach Zwillinge! Drei Hunde müssen Mutter, Vater und Kind sein. Dabei ist der kleinste Hund automatisch das Kind, der mittlere die Mutter und der grösste der Vater.  Dabei haben ja meistens die Hundezüchter nicht Mutter UND Vater eines Wurfes zu hause. Noch weniger behält man ja, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, mehr als einen (höchstens zwei) Welpen aus einem Wurf.

Ab vier Hunden ist aber scheinbar das einzig sinnvolle Bild, das den Passanten noch einfällt, das der Grossfamilie! Es ist eigentlich interessant zu beobachten, dass beim Bild der kinderreichen Familie in der Imagination der Leute dann meistens der Vater ausfällt!! Ist man mit vier oder mehr Hunden unterwegs, dann ist es eine Mutter mit ihren Jungen. (Der Vater verdrückt sich offensichtlich sobald er mit mehr als einem Kind geschlagen ist!!!! 😉

Vielleicht ist es Zeit, neue Bilderbücher auf den Markt zu bringen, in denen die Söhne den Müttern über den Kopf wachsen und gemischte Familiengruppen, vielleicht Patchwork-familien oder Kindergruppen mit Tagesmutter unterwegs sind. Offenbar vermitteln die Bilder, die das Bewusstsein des Volkes beeinflussen kein wirklich realistisches Bild! Wenn ich sieben Kinder und einen Erwachsenen auf der Strasse sehe, sind es ja schlieslich auch kaum Siebenlinge sondern eher eine Kindergartengruppe. Und auch in Menschenfamilien kann mitunter der Sohn seinen Eltern über den Kopf wachsen!

Mit Hunden unterwegs verteidigen die Leute, denen man begegnet ihre erste Intuition zum Verwandtschaftsgrad meistens so vehement, dass sie richtig ungehalten werden, wenn man versucht, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Die Antwort: „Die meisten sind nicht verwandt sondern nur dieselbe Rasse“ ist offensichtlich aus irgendeinem Grund sehr unzufriedenstellend! Liegt es an einem tiefverwurzelten alten Wunsch nach der Intaktheit der Kernfamilie, der das Mutter-Vater-Kind-Bild als heilige Vitalzelle zelebriert?

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