Italian Open

Bekanntlich freuen wir uns ja jedes Mal, wenn eine unserer vielen Reisen mit unseren Hunden wieder einmal nach Italien ührt: bekanntlich erwartet einen dort herrliches Wetter, gutes Essen und lockere, lustige Leute.  Das Italian Open, ein grosses internationales Trial, an dem jeder Hund an drei hintereinanderfolgenden Tagen zwei Läufe absolviert, die dann für die Endwertung zusammengezählt werden, war also ein freudig erwarteter Programmpunkt am Terminkalender.

Wie man sieht war das Wetter bei der Reise durchs Kanaltal noch überaus vielversprechend. Hinter jedem Tunnel war es zwei Grad wärmer, und die Herbststimmung mit frischem Schnee auf den Bergspitzen und bunten Blättern so richtig schön malerisch!

Das Aus-dem-Fenster-Fotographieren und den flüchtig vorbeisausenden Postkartenmotiven aufzulauern und im rechten Moment abzudrücken, ist für mich ein vergnügliches Hobby, und mein Jagdinstinkt wurde diesmal besonders befriedigt, da ich dieses idyllische Kirchlein im Kanaltal endlich einmal scharf auf ein Bild bannen konnte!!! Ich verfolge dieses Motiv schon die letzen paar Italienreisen, aber es gibt nur einen ganz kleinen Time-Slot, in dem man es erwischen kann. Man muss also schon im Vorhinein gefasst sein und etwas zu früh abdrücken, sonst ist es zu spät!! :))

Die Reise führte bis hinunter in die Toscana, wo auf der riesigen, weitläufigst angelegten Fattoria Rozzalupi zwei grosse Trialfelder und jede Menge Schafe bereitstanden.

Es war so viel überschüssiger Platz dort, dass alle angereisten Border Collies (eine ganze Menge) und die hauseigenen Borders (ebenfalls unzählige plus ein paar Welpen) frei über das Areal toben durften.

Ein paar Pferde haben dort ebenfalls ein wildromantisches Leben und treiben sich scheinbar frei in den Wäldern, auf den Wiesen, zwischen den Weinbergen, um den Fischteich, unter den Olivenbäumen und auch gerne mitten auf dem Trialfeld herum! Letzeres führte bei den solcherlei Störungen eher ungewohnten britischen Richtern zu einiger Verblüffung und wurde schliesslich zu einem Running-Gag: Glückliche freilaufende Pferde voller natürlicher Neugierde und Tatendrang trabten und galoppierten immer wieder aus den Wäldern und umliegenden Ruinen herbei, um sich das ungewohnte Trialgeschehen aus der offensichtlich besten Position mitten im Fetchgate anzusehen. Und immer wieder mussten die Schafsteller heruntersprinten und sie wieder über die Hügel treiben! Auf Feld B, das Luca Fini mit feinem Sinn für Untertreibung „the practical field“ nannte, waren mitmischende Pferde aber nur eine der an jeder Kante lauernden Schwierigkeiten.

Leider habe ich von dem ungewöhnlichen Feld kein Bild, da der Samstag etwas trüb war und ich mit dem Fotographieren auf das versprochene Toscana-Wetter warten wollte. Nur um dann Sonntag und Montag in für Italien völlig untypischem Dauerregen zu verbringen.

Auf diesem Bild hier schauen Julie und Darla in Richtung Feld A, dem klassischen Trial-Feld und Freni schaut in Richtung Feld B. Dass dort der Wald dichter wird statt offener, wie man bei einem Trialfeld erwarten könnte war eine der Feld-Schwierigkeiten.

Wollte man einen guten Outrun auf dem Feld haben, musste man den Hund von seiner eingeschlagenen Outrunlinie (die unweigerlich zu einem Kreuzen des Outruns geführt hätte) weg und spätestens auf halbem Weg in den Wald und out-of-sight lenken. (Das ist umso ungewöhnlicher als einen unter normalen Umständen ein Richter für Verlassen des Feldes disqualifizieren kann, wenn der Hund in den benachbarten Wald verschwindet.)

Kein Wunder, dass Hunde, die auf diesem Feld noch nie gestartet waren, ein, zwei Läufe brauchten, um diesen seltsamen Outrun zu lernen. Darla liess sich schon am zweiten Tag flüssig und flockig auf einen Pfiff in den Wald lernen, Julie schaffte es dann am dritten Tag, sich sauber umlenken zu lassen. Also wieder einen Skill für die praktische Arbeit dazugelernt und eine der nie-enden-wollenden neuen Schäfersituationen gemeistert!

Die nächste Schwierigkeit waren die Deiche: Die Schafe mussten insgesamt dreimal pro Lauf über einen breiten und tiefen Deich springen, der sich im Laufe des Wochenendes wegen der Regenfälle so stark mit Wasser füllte und so schlammig wurde, dass die Hunde bei jeder Durchquerung ein Vollbad nehmen mussten und so manches Schaf mit einem hoch-aufspritzenden Bauchfleck im Wasser landete. Für die Überwindung dieser Hindernisse war grosses Geschick des Hundes und des Handlers gefragt, denn machten die Schafe bei einer Überquerung einmal eine schlechte Erfahrung mit dem Graben, wollten sie natürlich das nächste Mal auf keinen Fall wieder hinüberspringen!

Am Samstag kam noch erschwerend dazu, dass die Schafe im Bereich um den Pfosten ihre schon einmal gelaufenen Kollegen sehr gut im Blick hatten und sich mit wenigen Sätzen ins Off retten konnten. In der ganzen Kombination ist es also nicht verwunderlich dass es trotz vieler Reruns am ersten Tag nur 12 von 44 Startern am Feld B schafften, nicht an der einen oder anderen Stelle aufgeben zu müssen.

Die Performance steigerte sich deutlich an den folgenden Tagen, als die Hunde und Handler lernten, mit wieviel Vorsicht die Dämme navigiert werden mussten. Es war allerdings auch sehr hilfreich, dass die Richter eine ganze Schar von wenig springfreudigen Schafen einfach nicht mehr starten liessen. 🙂

Auf den Bildern oben sieht man im Hintergrund das schöne grosse, klassische Trial-Feld A, bei denen den netten und unterhaltsamen britischen Richtern Cyril Roberts und Paul Tomkins das Herz aufging, im Vergleich zu dem schwierig zu richtenden Feld B.

Noch ein paar Stimmungsfotos mit Flyte. Nicht fehlen darf auch der so richtig nach italienischem Original aussehende Leder-Handwerker, der, egal, welches Wetter gerade auf uns niederging, seine handgemachten Leinen, Rucksäcke und Gürtel ausstellte und bei Bedarf verkaufte.

Damit wir zwei Österreicher uns unter den 44 internationalen Startern nicht so einsam fühlen würden, bekamen wir ab Samstag netten Besuch von Christa mit ihrer Border-Meute.

Die Toscana: auch bei trübem Wetter eine fantastische Gegend.

Und die herrliche Fattoria Rozzalupi. Zehn Minuten lang hatten wir am Samstag einen kleinen Einblick, wie das ganze bei Sonnenschein hätte aussehen können!

Ergebnisse erfahren wir hoffentlich heute Abend! Wegen der langen Reise mussten wir nach unseren Läufen schon vor Ende des Trials abreisen! Darla sollte aber in gar keiner schlechten Position gelandet sein. Von sechs Läufen war sie dreimal platziert. Wir sind also gespannt auf die Endwertung!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: