Julies schwedisches Abenteuer

Wir sind wieder aus Schweden zurück, wo die kleine Julie den schottischen Top-Rüden Joe besucht hat, der über den Winter (wenn in Großbritannien Junghunde-Trial-Saison ist)  in Zuchtmiete in der Nähe von Göteborg steht, um jede Menge schwedischer Border-Mädchen glücklich zu machen!

Bobby Dalziels Joe ist International Supreme Champion, Scottish National Champion und Sieger in über 70 Trials!

Denen, die mich etwas ungläubig gefragt haben: „einen näheren hast du nicht gefunden?“ kann ich nur ehrlich antworten: Nein, habe ich nicht. Ich wollte für Julie einen Spitzen-Arbeitshund. Daneben muß das Wesen erstklassig sein und er muß alle Gesundheitsuntersuchungen auf höchstem Standard haben, also einen jährlichen Augentest, HD-Röntgen, und vor allem einen genetischen CEA-Test „normal“.

Da kann man schon lange suchen, um einen passenden Hund zu finden. Und die Hunde, die wir in der Nähe haben, die diesen Kritierien entsprechen, sind natürlich schon vielfach eingesetzt, und bei unserer kleinen Border Collie Population macht es keinen Sinn, immer wieder nur die gleichen Linien zu verwenden.

Von Joe gibt es hier am Kontinent noch fast keine Nachzucht und er ist ein erstklassiger Rüde, der alle meine Bedingungen mit Bravour erfüllt!

Mühsam war die weite Hochzeitsreise natürlich schon, dafür aber auch ziemlich abenteuerlich! Angefangen mit der enormen Papierschlacht zu Planungsbeginn! Zu Anfang von Julies Läufigkeit mußte ich einmal herausfinden, wo Joe überhaupt ist (bei Ann Blomkvist in Schweden), wer seine Papiere hat und sie mir zur Begutachtung schicken kann, (Angie Driscoll in England) organisieren, daß Joe schnell noch offiziell auf seinen Formwert beurteilt wird, daß Bobby mir aus Schottland einen neuen Augentest schickt (beim Supreme Championship werden in Großbritannien jedes Jahr alle teilnehmenden Hunde getestet und das Ergebnis wird hinten auf der Ahnentafel eingetragen, aber die Kopie, die mir Angie aus England geschickt hat, war noch von 2008)

Dann einen Flug finden, auf dem Hunde willkommen sind, auf dem ich nicht das Flugzeug wechseln muß, und der mich nicht finanziellvöllig  in den Ruin stürzt. (Airberlin kann ich übrigens nur empfehlen: Der Flug nach Stockholm hat wunderbar geklappt, und ich hatte Julie sofort nach Ankunft wohlbehalten wieder!!)

Titerbestimmungen ausgraben, tierärztliche Kontrollen, Abstriche, Decktagbestimmungen auf der Vetmed Wien, Echinococcus-Behandlung (für Schweden-Reisen vorgeschrieben).

Und dann am Donnerstag plötzlich ein dumpfer Schock-Moment:  Die Hunde-Papiere waren tip-top, aber mein eigener Paß abgelaufen!!!! Und nach Schweden kann man nicht, wie in viele Länder, mit einem fünf Jahre abgelaufenen Paß einreisen, die bestehen auf einem aktuellen Paß. Also zwischen Weihnachtskonzert-Stress (und einem überaus abstrusen Konzert im besetzten Audi-Max!!!!) schnell aufs Passamt und einen Express-Paß beantragen!! Natürlich hatte ich auch keine passenden Verbrecherfotos, auf denen man ausdruckslos finster mit freigelegten Ohren gerade in die Kamera stieren muß, und mußte solche noch beim Eilfotographen nachmachen lassen. Meine Fingerabdrücke waren natürlich auch vonnöten. Und dann das Zittern übers Wochenende ob mein Expresspaß es auch schafft, in zwei Tagen gedruckt zu werden (kann nämlich bis drei Tage dauern, Express hin oder her. Soo schnell ist die Wiener Bürokratie nämlich wirklich nicht!!)

Am Dienstag, dem 8.ten und Feiertag, war mein Flug bestellt, am Montag noch letzte Visite auf der Vetmed, am Nachmittag Konzert, dazwischen schnell den Paß abholen! Ja, er war da, aber ich habe mich bei mindestens 30 erbost wartenden zähneknirschenden anderen Paß-Amt-Kunden sehr unbeliebt gemacht, indem ich nach halbstündigem Nervös-Auf-und-Ab-Gehen (beobachtet von 60 bösartig-wienerischen Argusäuglein) plötzlich in einer Mission-Impossible-Aktion mich mit dem Mut derVerzweiflung an einer aus dem Amtszimmer herauskommenden Dame vorbegeworfen und damit brutal vorgedrängt habe, um noch meinen Paß zu erwischen UND rechtzeitig zum Konzert zu kommen!!

(Hinaus mußte ich im schützenden Schlagschatten einer anderen Dame, die mich mit ausladendem Pelzmantel zum Glück vor dem ärgsten Geifer der übergangenen Wartenden beschützt hat!)

Im Vergleich zu all dem war also der Flug selbst geradezu erholsam.

Von Stockholm nach Göteborg mit dem Zug war zwar unverschämt teuer (wegen einer undurchsichtigen Preispolitik bei der schwedischen Bahn, die sich nach Angebot und Nachfrage richtet und extreme Preisschwankungen aufweist!) aber ansonsten problemlos. Julie fühlt sich in ihrem Transportkennel wohl- sie wohnt schon von Welpe an gerne in diesen Käfigen, die schon als kleines Fluffi vor Hundeeindringlingen vehement und stolz verteidigt hat (weshalb auf ihrem Welpenkäfig lange ein Schild gehangen ist: Lady Julies castle – No boys allowed!!!)

Und am Dienstag-Abend waren wir dann endlich in Älvängen, wo uns die zuvorkommende Ann , die Joe über den Winter bei sich hat, abgeholt hat.

Am nächsten Tag, nachdem sich Julie im Morgengrauen Joe in die Arme geworfen hatte, als wäre er ihr verlorengeglaubter Romeo, hatte ich ausführlich Gelegenheit, das schöne Gehöft Lantstället, das inmitten von drei ebenen großen Klasse3-Feldern gelegen ist, zu begutachten!

Mit zwei anderen läufigen Mädels, die mit Julie die allerbesten Freundinnen wurden, und mit großer Begeisterung romantische Rollenspiele gespielt haben, waren wir auf Landtour über die Trialfelder unterwegs. Gatsch laß nach! Knapp über null ist nicht meine Lieblingstemperatur, aber was soll man machen.

Am Donnerstag hatte ich Gelegenheit, mich für Anns überbordende Gastfreundschaft ein wenig zu revanchieren und beim Scheren ihrer 150 Götland-Pelzschafe zu helfen.

Geschoren haben zwar zwei Professionalisten, aber bei 150 Schafen war ich mit dem Herausfischen von neuen Schafen und dem Wegtragen der Wolle schon beschäftigt genug!

Die Hälfte der geschorenen Wolle!

Joe selbst übrigens ist in Schweden gerade unheimlich gefragt: dauernd neue Anfragen und Besuche von schwedischen Border-Mädchen!

Zum Trainieren war natürlich auch Zeit und Gelegenheit- gegen Samstag hin kam dann endlich der Frost und damit wurde es mit dem Gatsch besser!!

Ich konnte natürlich Fotos und kleine Filme von Anns Hunden machen: sie hat einen sehr guten Ballyglass-Hund, Jed, der schon vorgemerkt ist, für später einmal, sowie einen schottischen Joe-Sohn, Ross, undeinige liebe Hündinnen. Ihren Zwinger findet man unter www.lantstället.com

Etwas kompliziert erwies sich merkwürdigerweise die Rückreise, denn aus irgendeinem Grund war es nicht möglich, einen Zug von Göteborg nach Stockholm zu finden, mit dem ich noch rechtzeitig zum Check-In für meinen Flug um 14. 30h von Arlanda gekommen wäre!

Also organisierte Ann für mich noch einen Besuch bei einem weiteren Trainings-Zentrum und Zuchtbetrieb: als „des Königs Schafe“ berühmt sind die Lekeberget-Götlands-Schafe, die im Sommer den königlichen Park unter der Betreuung von Karin Söderberg und ihren Top-Border Collies beweiden.

Lekeberget selber ist ein großer Betrieb mit eigener Fleischverwertung, Bewirtschaftung von idyllischen Naturreservaten und eigener Produktion von edelsten Götland-Pelzen, die mit ihrem fein gekräuselten Haar wahre Schmuckstücke sind.

Außer Border Collies arbeitet man dort auch mit Working Kelpies: Valmyra Don ist der Altstar, zwei Youngsters werden gerade antrainiert.

Im Sommer gibt es dort jede Menge Kurse und Seminare. Ich wäre wirklich sehr verlockt, wieder hinzufahren und die Kelpies bei der Arbeit zu sehen. Wer hat Lust, mitzukommen? www.lekeberga.se

Die schwedische Gastfreundschaft war übrigens in beiden Betrieben sensationell! Und Julie hatte eine wunderbare Woche. Sie hat es enorm genossen, mich nur für mich alleine zu haben und ganz und gar im Mittelpunkt zu stehen!! Eine ganz glückliche Julie war sie!

Jedenfalls hoffen wir nach diesem schönen Aufenthat in Schweden auf einen schönen Wurf Mitte Februar! Ich freu mich schon darauf!

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