Freni Zahnlos

frenischau0609

Wir waren gerade mit dem Training fertig, hatten unsere Taschen schon gepackt und warfen noch eine letzte Beißwurst vor dem Heimgehen, schon mit dem Schlüssel zum Hundesportplatz in die Hand.

**Krach!** Es klingt als wäre ein Schrank umgefallen!!

Und Bandit, der stattliche Groenendael, flüchtet wimmernd in die hinterste Ecke des Hundeplatzes und will nicht mehr hervorkommen.

Ich brauche ein bißchen, um zu rekonstruieren, was passiert ist, denn ich habegerade  nicht hingeschaut. Freni muß versucht haben, Bandit die Beißwurst im letzten Moment, knapp vor dem Zupacken, wegzuschnappen.

Und Bandit ist ungebremst in sie hineingekracht.

Marlies sammelt ihren bibbernden Hund ein und wir finden über seinen Schneidezähnen im Zahnfleisch ein eineinhalb Zentimeter langes, tiefes Cut!

Freni steht noch immer scheinbar unbekümmert in der Wiese über der erbeuteten Beißwurst, aber jetzt, wo ich genauer hinsehe, knirscht sie ein wenig merkwürdig mit den Zähnen.

Jetzt will ich doch gerne wissen, an welchem Freniteil sich Bandit ein Cut geschlagen hat. Gut, Freni ist zugegebenermaßen ziemlich kantig- neulich habe ich an ihr zwei vertrocknete Zecken gefunden und das wahre Wort geprägt, daß an Freni sogar die Zecken jämmerlich verhungern.

Aber beim Öffnen ihrer tricolor-Lefzen tropft es mir schon entgegen- ein rechter oberer Backenzahn ist komplett abgebrochen und blutet leise zwischen ein paar windschiefen Splittern hervor.

Wir packen zwei angeschlagene Hunde ins Auto- Bandit müssen wir erst einfangen und hinziehen, denn er  ist noch immer buchstäblich total geknickt. Auf Englisch gibt es dafür den Ausdruck „he doesnt know what hit him“! Er kann eindeutig nicht zuordnen, wer ihm da gerade fast die Zähne eingeschlagen hat und verdächtigt sicherheitshalber uns Menschen!!

Frau Dr. Resch kommt trotz Fenstertag 2 Stunden vor ihrer Ordinationszeit und beginnt ihr Werk mit dem armen Bandit, der es haßt, in Narkose gelegt zu werden und 20 Minuten lang dagegen ankämpft als wollte man ihn umbringen.

Freni hat inzwischen Schmerzmittel bekommen, und ich kann ganz klar sehen, wann genau deren Wirkung einsetzt, denn plötzlich bekommt sie einen glücklichen Gesichtsausdruck, fängt an zu wedeln, spitzt ihre Freni-Lippen und verkündet mit einem ihrer berühmten „Wuuuuu“s, daß es jetzt wieder weitergehen kann, mit dem Spielen.

Dabei zeigt sie peinlich wenig Einfühlungsvermögen mit dem armen Bandit, der mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegt und (seiner Meinung nach) mit dem Tod ringt!!

Wir setzen uns also hinaus ins Wartezimmer, und ich mache mich über einen Jahrgang Wuff-Zeitschriften her.

Flyte lernt inzwischen die Tierarztwaage kennen und lieben (er hat 15 kg) und will schon nach ein paar Futter-Erfolgen gar nicht mehr von der Waage herunter. Er klettert immer wieder hinauf und fragt mit kokettem Wimpernaufschlag:  „Hast du schon gesehen, daß ich auf der Waage stehe? Hm? Hmmm???“

Bandit wird inzwischen genäht, aber zum Glück sind Zähne, Kiefer und Zahnfleisch in Ordnung. Freni bekommt eine Narkose im Wartezimmer, um Bandit nicht beim Aufwachen zu stören, bei dem er wieder kämpft wie ein Pirat in den letzten Zügen. Freni legt sich einfach auf meinen Fuß und schläft ein.

Am Ordinationstisch dann sieht man schließlich, daß der Zahn bis hinunter in die Wurzeln gespalten ist und gezogen werden muß. Ich lasse mir ein Sortiment häßlichen zahnärztlichen Instrumentariums zeigen und verziehe mich leicht fröstelnd wieder hinaus zu meinen Wuff-Jahrgängen.

Mit Anfang der offiziellen Ordinationszeit kommen ein paar Katzen, die wegen eines Notfalls mit einem Zahn vertröstet werden.

Nach einer halben Stunde werden sie nochmals vertröstet, denn das Zahnziehen ist offensichtlich nicht so leicht, da die Wurzelteile immer wieder splittern, wenn man sie ziehen will, und man sie deshalb alle einzeln ausbohren muß.

Ich habe ausführlich Zeit, den tobenden Kindern der einen Katzenbesitzerin beizubringen, daß sich Hunde schrecken können, wenn man plötzlich vor ihnen vorbeirennt oder sie lang anstarrt.

Ich segle in meinen berühmten Vortrag Wie begrüße ich einen Hund“, den ich gerne zur artenübergreifenden Kulturvermittlung bei Kindern an den Mann bringe. Kinder mögen meinen Vergleich: „Wie würdest du dich fühlen, wenn über dir ein Riesen-Dinosaurier steht und dich anstarrt, und plötzlich bückt er sich schnell und greift nach dir?!!!“

Das ist der anderen Katzenbesitzerin, offensichtlich einer Lehrerin, die in der langen Wartezeit einen Stapel Tests verbessert, zu viel und sie rügt mich mit ausgesuchtem Grant: Die meisten Hunde seien doch freundlich und hätten kein Problem mit laufenden Kindern. Und die Hundebesitzer sollen besser aufpassen und mit Hunden, die bösartig sind, einen großen Bogen um Kinder machen.

Naja. Hm.

Leider entspricht es nicht meiner Erfahrung, daß die meisten Hunde nicht erschrecken würden, wenn Kinder an ihnen vorbeirennen. Ich halte es für sehr sinnvoll, Kindern beizubringen, sich Hunden mit Vorsicht und Verstand und Verständnis zu nähern. Und nicht nur Hunden, sondern überhaupt Tieren! Besonders Wiener Kinder zeigen offensichtlich überhaupt kein Einfühlungsvermögen  für Tiere. Kein Wunder, wenn sogar katzenhaltende Lehrerinnen den Standpunkt vertreten, daß eh der Hundebesitzer verantwortlich ist, daß sein Hund sein Kind beißt.

Natürlich ist er das ohnehin, aber trotzdem können Kinder doch lernen, sich in Gegenwart von Tieren so zu verhalten, daß diese keinen Schreck bekommen. Das würde sogar ausgezeichnet zur Persönlichkeitsbildung beitragen, denn es setzt voraus, daß man eigene Bedürfnisse soweit kontollieren kann, daß man keine unerwünschten Reaktionen beim Gegenüber auslöst.

Leider kann ich mit dieser verständnislosen Lehrerin im Raum nicht zum letzen Teil meiner Ausführungen fortschreiten: gebückte Kinder mit abgewendetem Blick, die einen Hund an der Hand schnuppern lassen, dann füttern und dann auch problemlos streicheln können (wenn sie vorher den Besitzer gefragt haben)

Die Katzen müssen zwei Stunden warten, bis alle Reste von Freni-Zahn-Wurzeln fertig aus ihren blutigen Höhlen gebohrt sind.

freniportr0609

Freni war sehr tapfer, und als ich sie im Aufwachraum abhole, versucht sie ein „Wuu“ , aber es wird nur ein „wwfff“. Die arme hat lauter lila Fäden im Mund.

Wir nehmen ein Taxi nach Hause und Freni ist sichtlich erleichtert über die vertraute Umgebung.

Ich habe gerade noch Zeit, vor Ladenschluß ein paar leckere Dosen fürs Wochenende für sie zu kaufen, damit sie etwas Weiches zu essen hat.

 Und zwei Packungen Sauerkraut für Flyte, der sich heute früh blitzschnell einen Pfirsichkern von meinem Teller stibitzt hat.  Der Vorteil an verfressenen Hunden ist nur, daß man ihnen Medikamente und Hausmittel gegen gefressenen Blödsinn (Sauerkraut, Öl etc.) einfach nur hinstellen braucht ohne gefinkelte Pläne entwerfen zu müssen, wie man jetzt das Heilmittel wohl in den Hund bekommt.

Ja, das war dieser Tag! Dabei ist der 13.te doch erst morgen, dachte ich!

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