Über Lämmer

Endlich ist der Frühling gekommen. Es zwitschern die Singvögel, es sprießen die Blättchen, es erblühen die Blüten und es wuselt von Lämmern.

Gerade in der Osterzeit musste ich so oft (scheinbar vergeblich) erklären, dass kein noch so böser Bauer die frischgeborenen Lämmer schlachtet und als Osterbraten serviert, dass ich hier auch noch einmal darüber schreiben muss.

In den sozialen Medien sind ja manche Organisationen sehr gut darin, mit irreführenden, falsch zugeordneten oder irreführend beschrifteten Bilder Menschen mit Herz zu einer emotionalen Reaktion zu bewegen. Die Chance ist groß, dass das Ziel solcher Horrorbilder einzig und allein im hohen Spendenaufkommen für die werbende Organisation liegt.

Zu Ostern waren also einprägsame Bilder unterwegs von Schafbauern, die neugeborene markierte Lämmer in die Luft halten, die „sagen“: „Mama, ich geh jetzt sterben. Ich werde ein Osterbraten“.

Ein kleiner Appell an den gesunden Menschenverstand: Bitte die ersten Affekttränen aus den Augen wischen und überlegen: Wir Menschen wären längst ausgestorben, wenn wir nicht gelernt hätten, mit der Ernte zu warten, bis die Frucht reif ist. Das ist ein wesentliches Element unserer Intelligenz: Wenn unsere zu Ackerbauern und Viehzüchtern aufstrebenden Vorfahren das erste Karottengrün, das aus dem Boden schaute, gleich ausgerissen und aufgegessen hätten, wären wir noch immer nicht weiter als unsere Primaten-Verwandten.

Wir haben es geschafft, zu lernen, von Vorräten zu leben, bis die Saat den optimalen Fruchtgewinn ergab.

Im Fall der Viehzucht wäre man als Bauern, selbst wenn man die Ausgangsherde geschenkt bekommen würde, in einer Saison ruiniert, wenn man die neugeborenen Tiere gleich braten würde.

Diejenigen unter euch, die zu Ostern mehr oder weniger freiwillig in der einen oder anderen Kirche waren, konnten vielleicht sogar das alte biblische Gebot im Wortlaut hören. Wie auch immer man zu Religionen stehen mag, kann man sich doch einig darüber sein, dass Menschen mit einem Vorsprung an Weisheit versucht haben, Lebens-Gebrauchsanleitungen für die weniger Informierten zu formulieren.

In der Bibel steht also zum vorchristlichen Osterfest nicht etwa: reißt einer Schafmutter ihr frischgeborenes Lamm weg und esst es auf. Es steht folgendes:

Exodus, 12, 1-11: “Am Zehnten des Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus. […] Nur ein fehlerfreies, männliches einjähriges Lamm soll es sein. das Junge eines Schafes oder einer Ziege.“

 

Abgesehen von dem interessanten Detail, dass die Bibel keinen wesentlichen Unterschied zwischen Schaf und Ziege sieht, ist die landwirtschaftlich absolut sinnvolle Empfehlung, die überzähligen ausgewachsenen Lämmer mit einem Jahr aus der Herde zu entnehmen und im Rahmen eines Festes zu braten.

Die weiblichen Tiere braucht man sinnvollerweise für die Weiterzucht. Ein Tier mit „Fehlern“ oder Krankheiten zu essen könnte ein Ansteckungsrisiko bergen. Also ein fehlerfreies einjähriges männliches Lamm.

Noch immer wird als „Lamm“ in der Gastronomie von einem bis zu einem Jahr alten Tier gesprochen.

Das mindeste Schlachtalter liegt bei vier Monaten. Zu diesem Zeitpunkt hat ein Lamm für einen nicht einschlägig bewanderten Betrachter bereits ein Aussehen erreicht, das ausreichend an ein erwachsenes Schaf erinnert, um für die mit tränendrückenden Bildern um Geld und Mitglieder werbenden Organisationen nicht mehr interessant zu sein.

Mit vier Monaten sollten die Lämmer von der Mutter bereits abgesetzt sein (nein, niemand wird hier brutal den Müttern entrissen, sie fangen einfach an, Gras zu fressen und hören auf, bei der Mutter zu trinken). Die männlichen Tiere muss man in diesem Alter schon von den weiblichen trennen, denn es kann schon ein paar frühreife darunter geben, die Wege finden, für die nächste Generation an Lämmern zu sorgen. Normalerweise will man ja als Schafbauer Inzucht in der Herde vermeiden und wissen, von welchem Bock die Nachzucht ist. Außerdem will man gerne wissen, wann man ungefähr mit Lämmern rechnen kann, damit man die Muttertiere vor der Geburt entsprechend verwöhnen kann.

Aus schlechten Zeiten, in denen man froh war, wenn man alte zähe Zuchtauen oder sogar Böcke in der Suppe serviert bekam, hat sich bei uns ein Vorurteil gegenüber Schaffleisch erhalten, das besagt, dass es zäh ist und „böckelt“.

Deshalb hat die Gastronomie sich sehr bemüht zu versuchen, das Image von Lammfleisch durch das Suggerieren von Zartheit und besonderer Jugendlichkeit ins rechte Licht zu rücken. Am tatsächlichen typischen und landwirtschaftlich sinnvollen Schlachtalter hat sich aber nichts geändert. Auch ein „Milchlamm“ ist nur ein Kunstwort der Gastronomie. Noch säugende Tiere nimmt man nicht der Mutter weg. Man hätte erstens einen schlechten Ertrag durch den Verkauf und zweitens Probleme mit dem Euter bzw. viel Arbeit mit dem Abmelken der Restmilch. Schafe melken ist im Vergleich zum Melken von Kühen oder auch Ziegen wirklich viel Arbeit für nur ziemlich wenig Milch.

Dieses rhetorische Begriffs-Umfärben fällt jetzt, da die Vegetarier von den Veganern überflügelt werden, den Schafbauern auf den Kopf und es ist kaum mehr möglich, durch Erklärungen das Bild vom grausam verzehrten flauschig-süssen Schafbaby wieder aus den Köpfen der Menschen zu löschen.

Wer mir nicht glaubt, kann ja die nächsten Male, wenn er im Supermarkt Lammfleisch sieht, versuchen, anhand der Kotelett-, Rücken- oder Keulenstücke hochzurechnen, wie groß das ganze Tier gewesen sein wird.

Wenn schon die Keule eineinhalb Kilo wiegt, kam sie kaum von einem zwei Kilo schweren Lamm auf dem Peta-Bild.

Wenn ein Kotelett so groß ist wie ein neugeborener Lämmerkopf, war das Tier, von dem es stammt, wohl nicht mehr ganz neugeboren.

Ich würde jetzt nicht sagen, dass man sich an alles, was in der Bibel steht, halten soll, aber mit „nehmt ein einjähriges, männliches, fehlerfreies Lamm“ ist man tatsächlich gut beraten.

Nimmt man diese Tiere nämlich nicht aus der Herde, hat man erstens Inzucht und zweitens heftigste Bockkämpfe. Da unsere Haustiere ja auch nicht weiterziehen und sich neue Herden suchen können, wenn sie nicht der Bock mit den besten Siegeschancen in unerbittlichen Kampf um den Harem sind, tun wir ihnen, wenn wir sie aus der Herde entnehmen und respektvoll schlachten, nichts, das ihnen die Natur nicht noch grausamer tun würde.

Aber darüber will man ja nicht nachdenken, wenn man entweder verpackte saubere Fleischpäckchen im Supermarkt oder liebe Lammbilder in der Blumenwiese vor Augen hat.

In diesem Sinn einen wunderbaren Frühlingsanfang. Behaltet die Füße auf der Erde und trotzdem die (sinnvolle) Tierliebe im Herzen.

 

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Ungarn: mit Zackelschafen, Mudis und diesmal auch mit Schnee

In Ungarn trainieren ist immer ein Spaß für die Border Collies. Was da auf alle Fälle dazugehört, sind die typisch ungarischen Zackelschafe mit den einprägsamen Zweihorn-Hörnern und ungarischen Hütehunden, den Mudis, die hier überall die Höfe mit fröhlichem Alarmanlagen-Gekläff verteidigen.

Diesmal gab es einen Wurf bunter Mudi-Welpen kennenzulernen. Sehr süß und mit ihren herzigen kleinen Welpenstimmchen noch gar nicht so arg laut! 🙂

 

Schönen sauberen Schnee hatten wir zwar nur an einem Tag, am anderen dafür hm.. immerhin gefrorene Gatschlacken. Für Wintertraining haben wir damit samt Sonnenschein eigentlich ziemlich gute Karten erwischt! 🙂

Das Guinchen geht diesen Winter allzeit mit einem Fließschal, den sie sehr mag. Das sieht zwar nicht so stylish aus wie die tollen Mäntel, aber er er hält sie auch verkühlungsfrei und ist leichter handzuhaben! Guin trägt ihn gern. Und: wenn er ihr (drinnen) zu warm wird, zieht sie ihn selber aus. Sehr praktisch.

Es hat jedenfalls viel Spaß, ein Wochenende nur an den Hüteskills der Mädls herumzubasteln. Und auf der Szarvas-Tanya wird man immer kugelrund gefüttert. Den Rest der Woche gibt’s dann nur Sellerie- und Kohlsuppe. 😉

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Ein schönes Hütetagerl bei Sonnenschein

     

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Produktives Intensivtraining in Ungarn

Es ist ja leider Winter. Wenn es wenigstens schön unter Null bliebe, wäre ja alles freundlich und sauber mit einer kleinen Schneedecke. Ohne Sonne und ohne Schnee werden die Fotos einfach nicht schön. Die Hunde sind dauernd dreckig und man kommt aus den Gummistiefeln nicht mehr raus.

Aber genug vom Gejammer. Wir hatten trotz etwas trist aussehender Fotos ein sehr schönes und produktives Intensivtraining im nördlichen Ungarn. In Ungarn ist einfach Platz. In alle Richtungen ist unglaublich viel Platz. Die Hunde können rennen. Die Hütehunde können Distanzen lernen. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie selbstverständlich ein gut veranlagter Hütehund ein solides Basistraining auf große Distanzen einfach ausdehnt.

Leute mit guten Augen oder riesigen Bildschirmen (oder einer Lupe) können auf den folgenden Bildern die trainierenden Teams suchen. Einmal gibt es Nora in einer Ecke, die mir gerade Schafe herliftet! 🙂

 

Besonders die kleine Lillan hat sehr profitiert von ihrem Intensivtraining. Ich habe mich sehr gefreut, wie sie ihr Flanken und Seitentraining auf dem großen Feld umgesetzt hat. Diese zwei Videos gibt es zum Beweis:

 

Ein großer Dank an Annamaria in Bank und ihr Trainingscenter. Das letzte Bild hier zeigt das Haus, das man mit seinen Hunden mieten kann und das nur drei Minuten vom Trainingscenter entfernt ist. Praktisch mit dem Eingang für die Hunde in die geflieste Küche im Erdgeschoss. Zu kaufen wäre es, wie so viel in Ungarn. Hier stehen unglaublich viele Häuser leer. Die Ungarn ziehen scheinbar alle nach Budapest oder andere große Städte.

Und als Andenken von Ungarn bringt man -auch mitten im Winter- immer die unausweichlichen Zecken mit. Die ganz großen grauslichen Auwaldzecken. Nichts ist eben perfekt im Leben.

 

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Winter wonderland

Also gut. Auch wenn ich die sommerliche Hälfte des Jahres unbedingt bevorzuge und es von mir aus direkt nach Weihnachten in den April übergehen könnte: Wenn so eine schöne, saubere und nicht zu tiefe Schneedecke freundlich von der Sonne ausgeleuchtet wird, die Hunde sich vergnügt im Schnee wälzen und nach dem Toben oder Trainieren sauberer hereinkommen als man sie hinausgelassen hat, macht sogar mir der Winter Spass. Damit es auch ein Video zu den Fotos gibt: So weit ist die Zähmung der kleinen Lillan bisher gediehen. Ich finde, es schaut jetzt schon richtig zivilisiert aus. 🙂

 

Guin und Julie habe ich auch gleich mit-fotografiert! Weils so schön war! 🙂

 

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Herzliche Gratulation, Lightspeed Jet und Julia!!!

 

Diese beiden haben sich in der internationalen Agility-Welt schon ins Licht der Aufmerksamkeit gespielt: Lightspeed Jet (Guin X Blackie at Conquest) und Julia Füzi. Die beiden waren schon 2016 im Ungarischen WM-Team für die Agility-Weltmeisterschaft. Und sie laufen so konsistent, dass die großen Erfolge geradezu nur eine Frage der Zeit waren!

Das Video oben zeigt Jets Läufe auf der Agility-WM 2017. Mit diesen Clean Runs wurde sie gesamt 12te!!  Das ist schon eine tolle Leistung, denn die Leistungen der Top-Platzierten bei diesen Weltmeisterschaften liegen schon sehr knapp beeinander!

Tereza Kralova holte 2017 den Einzel-WM-Titel mit Say.

Zweite im Einzel wurde Anita Szilágyi mit Dita aus dem ungarischen Team! Man kann also sagen, dass die Ungarn momentan agilitymäßig hervorragend in Form sind!!

Am ersten November konnte Jet außerdem den wohlverdienten Ungarischen Stameistertitel in Agility holen!

Wir gratulieren diesem fantastischen Team und wünschen noch viele, viele Jahre der Fitness und der sportlichen Erfolge!!!

 

FCI Agility World Championship 2017, Liberec, Czech Republic

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Border Collie-Convention

Am 28.10. wurde für interessierte Border-Collie-Halter, -Züchter und -Richter die sogenannte „Border Collie Convention“ in den Seminarräumen des ÖKV angeboten.

Mit Toni Jackson und John Ritchie standen zwei britische Rassespezialisten am Rednerpult, die über das Richten von Border Collies und die internationale Auslegung des Show-Standards referierten.

Beide Vortragende sind glühende Fans der Rasse und richten weltweit Border Collies und hatten ihre ersten Border Collies noch direkt oder fast direkt aus doppelt registrierten ISDS/KC-Linien.

John Ritchie’s Sh.Ch. Melodor Flint at Dykebar:

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Toni Jackson’s Int/Fin.Ch. Elbereth Sodas Magic Dream

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Es war schön zu sehen, wie einig sich die beiden grundsätzlich waren, wenn es um die korrekte Richtung ging, die eine richtig verstandene Border-Collie-Zucht nehmen soll.

So warnte etwa John Ritchie, der gerade große Shows mit mehreren hundert Border Collies sowohl in Australien als auch in Amerika gerichtet hat, vor dem amerikanischen Trend, dass Border Collies dort ausschließlich von professionellen Handlern ausgestellt werden, nicht von den Züchtern, die ihre Hunde und Linien schon seit Generationen kennen und seit Jahren und Jahrzehnten mit ihnen zusammenleben.

Beide Richter halten auch nichts davon, dass diese Rasse, die ja zur praktischen Arbeit an einer Schafherde gedacht ist, zu sehr zum Friseurkunstwerk wird. In Amerika, meinte John Ritchie, würden die Hunde durchgehend mit abgeschnittenen Barthaaren und ausgeschnittenen Ohren-Härchen präsentiert. Die perfekt geschnittenen und in Form gebrachten Haare müssen vor dem Vorstellen im Ring unter einem speziellen Mäntelchen geschützt und im Ring durch Spray in Form gehalten werden. Und die Abwesenheit von jeglichen nicht ganz schwarzen Haaren bei schwarz-weißen Border Collies ließe sich nur damit erklären, dass die fehlfarbige Haare schwarz gefärbt würden.

John Ritchie empfahl allen Anwesenden, das Vorwort zum Amerikanischen Border Collie Standard zu lesen. Hier ist es in der Übersetzung:

American Kennel Club Border Collie Breed Standard:

Präambel: Der Border Collie ist in der Grenzregion zwischen Schottland und England entstanden, wo die Auslesekriterien der Schäfer eine Hund formten, der leichtführig, ein angeborenes Gefühl für die zu hütenden Tiere hat und imstande ist, den ganzen Tag und die ganze Saison lang auf rauem Terrain zu arebeiten. Durch diese Zuchtauslese entwickelte der Border Collie seinen einzigartigen Arbeitsstil, mit dem er in weit ausholenden Outruns die Herde einholt und zum Schäfer bringt. Die Tiere werden durch einen angeborenen intensiven Blick kontrolliert, den man „Eye“ nennt und der an einen typischen schleichenden Gang gekoppelt ist. Durch die gezielte Auslese über lange Zeit entwickelte sich auch die für einen Border Collie typische Intensität, Energie und Trainierbarkeit. Diese Fähigkeiten sind für die Rasse ebenso wichtig wie die physische Form und Erscheinung.

Der Border Collie hat einen einzigartigen Instinkt und eine geradezu unheimliche Fähigkeit zur Problemlösung. Eine seiner außerordentlichen Fähigkeiten ist die Fähigkeit, außer Sicht seines Besitzers zu arbeiten ohne auf Kommandos angewiesen zu sein.

Durch die Zucht auf diese Arbeitseigenschaften wurde diese Rasse zum besten Hütehund der Welt. Als arbeitender Hütehund ist der Border Collie auch weiterhin weltweit im Einsatz.

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Sowohl John Ritchie als auch Toni Jackson waren sich einig, dass die physische Leistungsfähigkeit nicht durch Trends im Showring beeinträchtigt werden dürfe.

Ein Border Collie solle zB. nicht so viel Fell haben, dass man nicht am Freitag noch mit ihm arbeiten könne und ihn mit nur minimaler Vorbereitung des Haarkleides am Samstag bei einer Show präsentieren könne.

Die Körperteile des korrekten Border Collie Typs wurden von der Schnauze bis zur Schwanzspitze besprochen und in Beispielen als Bild gezeigt. Für konkreten Anschauungsunterricht wurden auch anwesende Border Collies auf den Tisch geholt und ihre Proportionen besprochen.

In diesem Artikel kann ich nicht jedes Detail weitergeben. Wer sich dafür im Speziellen interessiert, sollte sich bei Border Collie-Richtern informieren oder sich bei der nächsten entsprechenden Veranstaltung anmelden.

Einige Details, die erwähnt wurden, sind aber interessant und gleichzeitig leicht schriftlich wiederzugeben.

Zum Beispiel ortete Toni Jackson einige Missverständnisse in ein paar gängigen Auslegungen des Standards.

Im Fall der korrekten Ohrenstellung steht im Standard „aufrecht oder gekippt“.

Es solle deshalb nicht so gerichtet werden, dass nur Hunde mit gekippten Ohren bei einer Ausstellung eine Chance hätten.

Es steht auch nichts davon, dass nicht ein Ohr aufrecht und eines gekippt sein könne. Man könne also ruhig auch einen Hund gewinnen lassen, der ein Steh- und ein Kippohr hat.

Bei der Augenfarbe ist braun angegeben und nicht „so dunkel wie möglich“. Spezifiziert wird der Ausdruck des Hundes, der mild, wach und intelligent sein soll. Nach Toni Jackson wären schwarze Augen wegen des dann kaum erkennbaren Ausdrucks genauso falsch wie gelbe Augen mit stechendem statt mildem Ausdruck.

Im britischen Standard gibt es zwar keine disqualifizierenden Fehler, aber blaue Augen werden bei Hunden mit einer anderen Farbe als Merle nicht bevorzugt. Bei Merle Hunden sind aber auch unterschiedliche Augenfarben natürlich kein Problem.

Zum Thema Farben hatten die beiden Richter auch einiges zu sagen. Beiden ist es wichtig, dass die typische Vielfalt im Aussehen der Border Collies erhalten bleibt und nicht einer wie ein Klon vom anderen aussieht, weil sich die Züchter nur die Hunde mit perfekter weißer Halskrause, gleichmäßiger Blesse und zwei weißen Vorderbeinen behalten, weil sie glauben, mit allen anderen im Ring keine Chance zuhaben.

Im britischen Standard steht über Farben einfach, dass eine Vielfalt von Farben möglich ist, also de facto alle Farben erlaubt sind.

Weiß soll nicht überwiegen. Das heißt aber, dass bei einem ansonsten nicht allzu weißen Hund ein halbweißer oder weißer Kopf kein Problem sein sollte.

Bei ungleichmäßiger gezeichneten Hunden oder Hunden in verwirrender Merle-Färbung müsse man beim Richten noch genauer auf die tatsächliche Struktur achten, weil die Zeichnung zu optischen Täuschungen führen könne.

Extra erwähnt wurde auch, dass die Border Collie Standards mit Ausnahme des australischen, der übrigens auch nur sechs verschiedene Farben akzeptiert, auch den kurzhaarigen Border Collie kennen, der zwar bei den Arbeits-Border-Collies inzwischen fast die Hälfte der Hunde ausmacht aber im Show-Ring so gut wie gar nicht vorkommt.

Am Nachmittag kamen die anwesenden Hunde und die beiden Rassespezialisten im Showring zum Einsatz. Alle, die nicht gerade ihren Hund vorstellten, durften die präsentierten Hunde angreifen, die Struktur erspüren und bei der Beurteilung der Bewegung mitrichten.

Die korrekte Bewegung sei noch wichtiger als das Erscheinungsbild im Stehen. Beim Border Collie solle sie nicht Extremes haben. Keine zu schnelle Gangart, keine zu hoch fliegenden Beine, Kopf und Rute nicht zu hoch getragen, sondern ein fließender Gang mit raumgreifendem Trab, also vergleichsweise wenigen aber effizienten Trabschritten, die zu ausdauernder Arbeit befähigen sollen.

Erklärt und erläutert wurden das gewünschte Bewegungsbild sehr schlüssig, und man konnte gut nachvollziehen, wie die von den beiden Richtern präferierte Bewegungsform aussehen solle.

Ich möchte gar nicht damit anfangen, diese Bewegung hier schriftlich zu erklären zu wollen. Für so etwas sind Seminare viel, viel besser geeignet.

Ich habe auch viele andere Details gar nicht erwähnt, die von den beiden Richtern ausführlich besprochen wurden. Von den Proportionen und korrekten Verhältnissen der Körperteile eines Border Collies zu einander kann man nicht so gut schreiben. Da könnte ich gleich den Standard hier hinein kopieren. Die verschiedenen Standards nachlesen kann natürlich jeder ganz leicht. Sogar auf Wikipedia findet sich jetzt schon ein ausführlicher Artikel über Border Collies und die verschiedenen Registrierungen und internationalen Vereine.

Aber eine richtige Vorstellung, was mit den Worten gemeint ist, bekommt man eben besser, wenn anwesende Spezialisten es einem an anwesenden Hunden praktisch erklären.

Ich danke deshalb der Organisation ganz herzlich für diesen interessanten und lehrreichen Tag im ÖKV.

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Natürlich kann ich es nicht lassen, noch ein bisschen meinen eigenen Senf dazuzugeben.

Es war wirklich schön zu hören, wie wichtig den beiden Richtern die Geschichte des Border Collies als arbeitendem Hütehund ist und wie essentiell sie es finden, dass sich die Rasse nicht durch Auslese auf spektakuläre Show-Championate so „entwickelt“, dass sie für ihren eigentlichen Zweck nicht mehr einsetzbar wäre.

Das ist natürlich begrüßenswert und es wäre sehr wichtig, dass das auch so gehandhabt wird. Es wäre wirklich schade, wenn der Show-Border-Collie zu einer Frisur auf Beinen würde, die gefärbt, gesprayt, in Form toupiert und ansonsten im Mäntelchen „geschont“ wird.

Es ist auch wunderbar, sich immer wieder an die ursprünglichen Einsatzbereiche einer Rasse zu erinnern, für die man seine Liebe entdeckt hat.

Aber zu leicht verlieren sich die Showrichter in dem strukturellen Irrtum, dass sie durch das Beobachten eines im Showring vorgeführten Hundes auf Arbeitseigenschaften schließen können.

Ein Unterschied zwischen Großbritannien und Österreich ist, was das Show-Wesen betrifft, dass wir in Österreich alle potentiellen Zuchthunde bei einer Show präsentieren müssen und die Briten eine solche Regelung nicht kennen. Sie gehen deshalb nur zu einer Show mit einem Hund, von dem sie glauben, mit diesem auch eine Platzierung bekommen zu können.

Grundsätzlich finde ich die österreichische Idee sehr sinnvoll, dass sich die Zuchtpopulation vor der Zucht einer Beurteilung durch jemand anderen als den Züchter selber stellen muss, sodass jemand möglichst Unparteiischer noch ein Wort über die Zuchttauglichkeit eines Hundes mitzureden hat.

Es ist auch wichtig, dass strukturelle Mängel, die die Leistungsfähigkeit eines Hundes beeinträchtigen könnten, erkannt werden und somit entweder züchterisch ausgelesen oder durch die Auswahl des Zuchtpartners möglichst korrigiert werden können.

Ich finde es auch sinnvoll, dass sich Zuchthunde zumindest einmal in ihrem Leben einer Ausstellung und dem damit verbundenen Trubel stellen müssen. Dass sie sich von Fremden angreifen und untersuchen lassen und in der Stresssituation unter so vielen Hunden nicht die Nerven verlieren.

Und natürlich ist es wichtig, dass eine Arbeitsrasse nicht so stark zum stilisierten Kunstwerk weitergezüchtet wird, dass ein tatsächlicher Einsatz im ursprünglichen Arbeitsbereich nicht mehr sinnvoll möglich wäre.

Hier enden aber auch die Möglichkeiten, die eine Hundeausstellung hat, die Arbeitseigenschaften einer Rasse zu erhalten.

Angeborene Talente wie Stil und Auge des Border Collies, seine Outrun-Anlage , sein „Sheep sense“ oder „Stock sense“ lassen sich nur im praktischen Einsatz erkennen. Ob ein Hund langfristig den Beslastungen in schwierigem Terrain stand hält, kann man auch nur erkennen, wenn er jahrelang dort eingesetzt wurde.

Border Collies laufen im Ausstellungsring nicht einmal eine Minute im Kreis.

Deutsche Schäferhunde lässt man seit Jahrzehnten im Ring lang und ausdauernd laufen. Trotzdem geht die Rechnung nicht auf, dass dadurch die Gesundheit und Belastbarkeit der Rasse sinnvoll überprüft wird.

Ein Hund müsste gesundheitlich schon extrem beeinträchtigt sein, wenn er nicht mehr zwanzig Minuten lang locker traben könnte. Kleinere Mängel, die aber züchterisch durchaus wichtig sein könnten, entdeckt man so nicht unbedingt.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich bei den Ausstellungs-Profis unbeliebt mache, möchte ich behaupten, dass ein Border Collie beim Arbeiten eigentlich nicht sehr viel traben muss. Das muss der Deutsche Schäferhund, wenn er an der Schafherde eingesetzt wird, schon, da er dabei das ausdauernde „Furchegehen“ im Programm hat, das für den Border Collie als Koppelgebrauchshund kein Thema ist.

Beim Hüten läuft er entweder auf den schnellen „Flanken“ oder den großen Outruns im Galopp oder er geht im Schritt auf die Schafe zu und benutzt dabei sein „Eye“, den fixierenden Blick und den schleichenden Gang.

Den Trab als typische Bewegung eines Koppelgebrauchshundes vorzugegeben ist also einfach ein Missverständnis. Geht der Border Collie im Trab auf die Schafherde zu, ist er eigentlich schon zu schnell unterwegs. Schafe haben ungefähr dasselbe Komforttempo wie wir Menschen. Und wir wissen, dass wir laufen müssen, wenn unser Hund neben uns trabt und nicht Schritt geht. Schafe wollen wir gerne so transportieren, dass sie sich nicht gestresst und gehetzt fühlen. Deshalb ist außer in Ausnahmefällen der Trab eine Border Collies für die Schafe ganz einfach zu schnell, wenn es geradeaus gehen soll. Auf der Flanke oder dem Outrun wäre der Trab aber zu langsam.

Schritt oder Galopp braucht der arbeitende Border Collie also.

Es ist einfach eine Show-Konvention, die verlangt, Hunde im Trab vorzuführen. Mit dem Schafehüten hat das nichts zu tun.

Ein trabender Hund gibt ein hübsches Bild ab und ich kann mich damit solidarisieren, dass ein mit fließenden Bewegung mit tief getragener und tief angesetzter Rute vorgeführter Border Collie, wie es uns bei der Border Collie Convention als Idealbild vorgeführt wurde, sehr hübsch aussieht.

Aber das sind ästhetische Kriterien, die ganz einfach nichts mit einer etwaigen Arbeitseignung zu tun haben.

Unter typischen Border Collie Bewegungen würde ich zum Beispiel eine ausgezeichnete seitliche Beweglichkeit und Flexiblität einreihen, eine hervorragende Sprungfähigkeit, sehr gute Beschleunigung, aber auch die Fähigkeit, sehr schnell aus einer schnellen Bewegung in eine langsame oder in einen totalen Stopp überzugehen.

Auf die vielen Elemente, die einen hervorragend veranlagten Hütehund ausmachen, will ich hier gar nicht anfangen einzugehen. Keines der hier erhofften Elemente ist im Showring von Relevanz.

Über die in der zitierten Präambel zum amerikanischen Border Collie Show Standard erwähnte Trainerbarkeit und Führigkeit kann man ebenfalls nichts sagen, wenn man den Hund nur im Showring gesehen hat.

Es ist nichts einzuwenden dagegen, dass man sich einem ästhetischen Standard für Showhunde verschreibt und ihn sich zum Lebensinhalt macht, solange man sich darüber klar ist, dass man damit eigentlich nicht mehr über die Einsatzfähigkeit des Hundes aussagt als dass er nicht schon in einem leichten einminütigen Trab erkennbare Schwächen zeigt, dass er aufmerksam dreinschaut, stillstehen kann und mit der Showsituation zurechtkommt.

So viele Rassen haben sich durch Scheuklappen der Showrichter und der Züchter extrem von ihrer ursprünglichen Aufgabe wegentwickelt. Oft wird die Legende von der Einsetzbarkeit der Rasse noch brav von Generation zu Generation von Züchtern und Welpenbesitzern weitergegeben, wenn in Wirklichkeit schon jedem, der nicht die rassespezifische Scheuklappenbrille trägt, klar ist, dass sich vermutlich nur mehr die wenigsten Exemplare der Rasse für den ursprünglichen Zweck eignen.

Beim Border Collie führt die ISDS seit 1906 ein Zuchtbuch für Arbeits-Border-Collies. Die ISDS hat sich standhaft aber letztendlich fruchtlos dagegen gewehrt, dass der Border Collie zum Show-Hund gemacht werden sollte. Der britische Kennel Club hat 1976 den Standard für diese Rasse festgeschrieben.

Auch in Amerika gab es erbitterte Kämpfe zwischen den Vereinen, die Arbeits-Border-Collies registrieren und denen, die ihre Zuchthunde auf Shows schicken.

Der Arbeits-Verein wirft Miglieder hinaus, die auf eine Show gehen oder beim anderen Verein Mitglied werden.

So militant muss man natürlich nicht sein. Ein respektvoller Blick auf die jeweils andere Fraktion, sei es nun Show oder Arbeit ist eine wertvolle Qualität. Genauso sollte man, ob man sich zur einen oder anderen Fraktion zugehörig fühlt, nicht eine gewisse Fähigkeit zur ehrlichen Kritik an den eigenen Hunden velieren.

Hat man Showhunde, braucht man nicht automatisch davon ausgehen, dass sie bestimmt genauso hüten könnten wie die Hunde aus Hüteleistungszuchten, wenn man ihnen nur die Gelegenheit bieten würde.

Falls jemand diese Behauptung entkräften möchte, steht jedem frei, den Gegenbeweis dadurch anzutreten, dass man Show-BCs ausbildet und bei Trials präsentiert.

Natürlich wird man von Show-Richtern oder Show-Hunde-Züchtern, die mit ihren Hunden nicht praktisch arbeiten auch nicht direkt erwarten, dass sie durch ihre Zucht die Arbeitseigenschaften des Border Collies erhalten können. Ich bin mir aber manchmal nicht ganz sicher, ob sich die Züchter und Richter der Show-Fraktion darüber auch klar sind oder ob sie nicht vielleicht wirklich glauben, durch Betrachtung des Körpertyps, Ausdrucks und Gangwerks genug für die Erhaltung der praktischen Verwendungsmöglichkeit der Rasse am Vieh zu tun.

Die einzigartigen Anlagen der arbeitenden Border Collies sind zarte und wertvolle genetische Plänzchen, die von Generation zu Generation gepflegt werden müssen, da sie sonst in wenigen Generationen zur Unbrauchbarkeit ausgedünnt sein können. Keine andere Rasse hat diese Fähigkeiten in diesem Grad. Am nächsten kommen noch die Kelpies. Nach den Kelpies gibt es aber eine breite Kluft zur vergleichsweisen Hüteleistung der nächsten Hütehunderasse. In einigen dieser Rassen gibt es Züchter, die sich mit allen Kräften bemühen, auf Arbeitsleistung zu züchten. Das wird aber unglaublich schwierig, wenn es in einer Rasse nicht mehr genügend herausragend veranlagte Tiere gibt, bzw. genügend andere Züchter mit demselben Zuchtziel. Immer wieder kommt man dann züchterisch an eine Wand, weil es nicht genug ausgezeichnet veranlagte Deckpartner gibt, die mit den eigenen Hündinnen nicht verwandt sind und auch noch den anderen Qualtitätskriterien bezüglich Gesundheit oder Temperament entsprechen. Der Border Collie ist momentan noch nicht gefährdet, seine Arbeitsfähigkeit zu verlieren. Aber das muss man auch so erhalten. Eben durch Überprüfung der Leistung. Es reicht hier nicht, sich auf Legenden von geeignetem Gangwerk und wetterabweisendem Haarkleid zu verlassen.

Ich bin die Letzte, die meinen würde, die eine „Linie“ würde die andere ruinieren. Will man die Qualitäten seiner präferierten Linie erhalten zwingt einen ja keiner, einen Hund in der Zucht einzusetzen, der nicht mehr genügend Qualitäten der gewünschten Art mitbringt.

Auch „Mischlinien“, wenn sie mit Verstand und Überblick gezüchtet werden und nicht einfach auf Gut-Glück, oder weil der Deckrüde um die Ecke wohnt, können manchmal sinnvolle Ergänzungen zum vorhandenen Genpool beitragen.

Für beide Fraktionen ist es sinnvoll, ab und zu zu den anderen zu schauen und zu sehen, ob man von den anderen nicht noch etwas lernen könnte.

Von der Arbeitslinie kommend herrscht oft eine gewisse Unbedarftheit was strukurelle Mängel und allgemein züchterische Details betrifft. Durchschnittlich sind oft die Show-Border-Collies auf einem höheren Standard, was Gesundheitsuntersuchungen betrifft. Und die Züchter haben oft mehr Detailwissen über Hundezucht und Vererbung, wo sich die Züchter von Arbeitshunden gerne auf die Arbeitseigenschaften der Zuchthunde verlassen, die sozusagen schon alles retten würden. Mit dem Aufkommen der Gentests auf die unterschiedlichsten Krankheiten haben viele motivierte Züchter eine Überraschung erlebt, weil sie festgestellt haben, dass ihre Zuchthunde Träger für die eine oder andere genetische Krankheit sind. Bei den Arbeitshunden hat sich die Legende, dass die Abfragung der Arbeitsleistung die Hunde auch prinzipiell genetisch gesund erhält, leider so auch als eine Milchmädchenrechnung erwiesen.

Es können also Show- und Arbeitsfraktion durchaus noch voneinander das eine oder andere lernen. Sich ab und zu etwas anderes anzuhören oder die Bedenken der „Konkurrenz“ zur Kenntnis zu nehmen, kann manchmal ganz gut sein.

Zum Lernen über den sinnvoll verstandenen Standard und seine praktische Anwendung beim Richten war die Border Collie Convention 2017 eine hervorragende Gelegenheit. Vielen Dank für die Gelegenheit.

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